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Hoyzer-Prozess: 15.000 Euro für den Sieg

Ante Sapina hat am zweiten Prozesstag detailliert Auskunft über seine Machenschaften gegeben. Der Hauptdrahtzieher im Wettskandal hat dabei zwei Spieler schwer beschuldigt.

Am zweiten Tag des Prozesses um Manipulationen im deutschen Fußball hat der Hauptangeklagte Ante Sapina erstmals Details seiner Verfehlungen öffentlich gemacht. Der 29-jährige Kroate schilderte, wie er in der Saison 2002/03 über den Spieler Torsten Bittermann 15.000 Euro "Motivationsprämie" an Dynamo Dresden für einen Sieg über Preußen Münster zahlte. Daraus resultierten die guten Kontakte zu Bittermann, der später den Chemnitzer Profi Steffen Karl zur Manipulation des Regionalliga-Spiels Chemnitz - Dynamo Dresden (0:1) am 10. April 2004 bewegt haben soll. Karl erhielt laut Sapina 10.000 Euro dafür, dass er als Libero mit "angezogener Handbremse" spielte. Bittermann soll 3000 Euro für die Vermittlung bekommen haben.

Der mögliche Wettgewinn für Ante Sapina in Höhe von 636.510 Euro blieb aber aus, weil er das Spiel in einer Wette mit der Partie der türkischen Süper Lig Ankaragücü gegen Galatasaray Istanbul (1:0) kombinierte. In dieser Partie sollten zwei Spieler mit 15.000 Euro bestochen werden, damit Ankara verliert. Dazu kam es aber nicht, weil der Spieler Erhan Albayrak nicht aufgestellt wurde. "Ich war sehr frustriert, dass es nicht geklappt hat. In solchen Fällen, wenn es besonders wehtat, habe ich den Wettschein aufgehoben", schilderte Ante Sapina.

Den Angeklagten drohen Strafen bis zu zehn Jahren

Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer und fünf Mitangeklagte mussten am zweiten Prozesstag auf der Anklagebank des Landgerichts Berlin Platz nehmen. Sie sollen 23 Spiele manipuliert und damit einen Schaden von mehr als zwei Millionen Euro angerichtet haben. Der als Hauptdrahtzieher geltende Profiwetter Ante Sapina hatte zum Prozessauftakt bereits eingeräumt, dass die Vorwürfe gegen ihn "im Wesentlichen zutreffend sind".

Neben Hoyzer (26) und Ante Sapina (29) sind dessen Brüder Milan (40) und Filip (37) sowie der Ex-Schiedsrichter Dominik Marks (30) und der ehemalige Chemnitzer Fußballprofi Steffen Karl (35) des "gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs" angeklagt. Für diesen zweiten Prozesstag wurde die Fortsetzung der Aussage von Ante Sapina, möglicherweise auch eine Einlassung von Hoyzer erwartet. Alle Angeklagten haben über ihre Anwälte bereits mitteilen lassen, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Den Angeklagten drohen Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Die 12. Große Strafkammer des Landgerichts Berlin unter Vorsitz von Richterin Gerti Kramer hat bis Jahresende jeweils zwei Prozesstage pro Woche angesetzt. Rund 170 Zeugen sollen vernommen werden. Es handelt sich nach den 1971 bekannt gewordenen Spielschiebungen in der 1. Bundesliga um den größten Skandal im Fußballgeschäft.

60.000 Euro und ein Plasmafernseher für Hoyzer

Ante Sapina hatte am ersten Prozesstag ausführlich über seinen Werdegang als professioneller Wettmacher berichtet. Demnach fing er schon im Alter von 16 Jahren mit dem Wetten an. Über die Jahre steigerten sich Einsätze und Gewinne. Phasenweise strich Sapina innerhalb eines Monats mehr als 800.000 Euro ein. Zusammen mit seinen Brüdern soll er den Angeklagten Hoyzer, Marks und Karl Geld gegeben haben, damit die entsprechend seiner Wetten Einfluss auf die Spiele nahmen. Hoyzer soll unter anderem im Jahr 2004 die Begegnungen Braunschweig gegen St. Pauli, Wuppertal gegen Werder Bremen Amateure (beide Regionalliga), die Zweitligapartie Ahlen gegen Burghausen sowie das DFB-Pokalspiel Paderborn gegen den HSV verpfiffen haben. Dafür kassierte er laut Anklage rund 60.000 Euro, darunter einen Plasmafernseher im Wert von 3.000 Euro. Auch einen Audi A3 sollte Hoyzer laut Anklageschrift bekommen - er ließ sich den Gegenwert mangels eines Führerscheins jedoch in bar auszahlen.

AP/DPA / AP / DPA

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