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Hoyzer: Skandal-Schiri auf Lebenszeit gesperrt

Höchststrafe für Robert Hoyzer: Das Sportgericht hat den Hauptbeschuldigten des Wett- und Manipulationsskandals auf Lebenszeit als Schiedsrichter vom Platz verbannt.

Der DFB hat eine lebenslange Sperre über den Hauptbeschuldigten in der Betrugsaffäre, Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer, verhängt. Das DFB-Sportgericht beschloss am Freitag in Frankfurt am Main, Hoyzer wegen "unsportlichen Verhaltens" in acht Fällen dauerhaft aus dem DFB und aus seinen Mitgliedsverbänden auszuschließen. Hoyzer ist es demnach für immer verboten, im DFB Ämter, besonders als Schiedsrichter, auszuüben. Der Beschuldigte nahm das Urteil an, womit es rechtskräftig wurde. "Herr Hoyzer hat dem deutschen Fußball und insbesondere dem Schiedsrichterwesen unermesslichen Schaden zugefügt", sagte der Sportgerichts-Vorsitzende Rainer Koch. Auf eine Geldstrafe wurde verzichtet.

"Mildes Urteil" für Torsten Koop

Ein "mildes Urteil" (DFB-Kontrollausschussvorsitzender Horst Hilpert) sprach das DFB-Sportgericht im Fall Torsten Koop. Der Schiedsrichter aus Lüttenmark wurde wegen des verspätet gemeldeten Anwerbeversuchs durch Hoyzer für drei Monate rückwirkend bis zum Samstag gesperrt. Die erste Instanz entlastete Koop damit. "Dieser Tag hat etwas Beruhigendes: Die Liste der Schiedsrichter, die möglicherweise beteiligt sind, muss nicht um den Namen Torsten Koop bereichert werden", stellte Koch klar. Indessen wurde einen Tag nach den gravierenden Satzungsänderungen beim DFB-Bundestag im Zuge des Wettskandals der ebenfalls vorgesperrte Dominik Marks, der bislang alle Vorwürfe abstreitet, erneut schwer belastet.

Hoyzer und sein Anwalt Thomas Hermes, die per Fax um 10.30 Uhr keine Rechtsmittel angekündigt und das Urteil damit rechtskräftig gemacht hatten, zeigten sich unterdessen einverstanden mit der Entscheidung im Einzelrichterverfahren. "Herr Hoyzer und wir sehen das als angemessene Bestrafung für sein Verhalten in der Vergangenheit an", erklärte Thomas Hermes. Der auf Lebenszeit gesperrte Hoyzer war eigens beim Kreisliga-Club SC 09 Steele am Montag eingetreten, um sich der Sportgerichtsbarkeit des DFB zu stellen. Am Freitag sei Hoyzer wieder ausgetreten, so Jurist Hermes, der mit der Prozesseröffnung vor der Staatsanwaltschaft Berlin im September rechnet. Dabei geht er weiterhin von einer Bewährungsstrafe für seinen 25 Jahre alten Mandanten aus, der sich in acht Fällen des unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht hatte.

Von der anfänglich geforderten Strafe in Höhe von 50.000 Euro hatte der DFB-Kontrollausschuss zuvor bereits abgesehen. Der DFB erwägt allerdings eine Schadensersatzforderung gegen Hoyzer. Das wirtschaftliche Ausmaß des von Hoyzer in erster Linie verursachten Betrugsskandals könne mit den Mitteln der Sportgerichtsbarkeit nur eingeschränkt geahndet werden, räumte Koch ein. Zivilrechtliche Vermögensschäden seien gegebenenfalls vor staatlichen Zivilgerichten geltend zu machen. "Die sportwidrigen Handlungen können sportstrafrechtlich nur mit den dem DFB-Sportgericht zur Verfügung stehenden Höchststrafen geahndet werden", sagte Koch.

Sechsstündiges Verfahren mit Turbulenzen

Als freiwilliger Zeuge in dem teilweise turbulenten sechsstündigen Verfahren gegen den seit dem 14. Februar vom DFB vorgesperrten Koop berichtete Hoyzer von dem Anwerbeversuch am 14. Januar bei der Schiedsrichter-Halbzeittagung in einem Frankfurter Hotel. Koop belastete er dabei aber nicht.

Kollege Marks habe auf dem gemeinsamen Zimmer mit Koop konkret von seinen Manipulationen der beiden Spiele Hertha BSC Amateure - Arminia Bielefeld sowie Karlsruher SC - MSV Duisburg erzählt. Marks, gegen den die Staatsanwaltschaft Berlin ebenfalls weiter ermittelt, habe zudem geschildert, dass es sich gut mache, bei einer Tankstelle mit 500 Euro zu bezahlen. Er selbst habe ebenfalls von zwei verschobenen Spielen berichtet, erklärte Hoyzer. Zudem habe Marks erzählt, dass er seiner Frau von dem durch Manipulationen erzielten Geld einen VW Touran gekauft und seinen Gewinn zwischenzeitlich in einem Schließfach gelagert habe. Geld spiele keine Rolle, habe Marks gesagt, so Hoyzer.

"Herr Koop musste sich ja erstmal die ganze Geschichte anhören, um auf den gleichen Stand zu kommen", sagte Hoyzer weiter, der ruhig wirkte und erneut sehr detaillierte Schilderungen über das Anwerbegespräch Koops machte. So habe er ihm auf Anfrage von Koop auch gesagt, wer Ante S., einer der Brüder der kroatischen Wettmafia, sei. Dieser habe Bescheid gewusst, dass "Marks und ich mit Koop sprechen wollten", sagte Hoyzer. Als er Ante S. vom Gespräch mit Koop erzählt habe, "hatte ich grundsätzlich ein gutes Gefühl bei der Gewinnung von Herrn Koop". Allerdings könne er Koop nicht zitieren, so Hoyzer.

"Mein Mandant kann die Schilderungen von Herrn Hoyzer im Wesentlichen bestätigen", sagte sein Anwalt Peter-Michael Diestel. Die Erinnerung an das Gespräch sei durch Hoyzers Darstellungen für Koop wieder deutlicher geworden, der laut seiner Verteidigung den Abend alkoholisiert erlebt habe. "Herr Koop könne auch bestätigen, dass Herr Marks die zurückhaltende, aber doch beteiligte Person ist", so Anwalt Diestel.

Jens Marx/DPA / DPA

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