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HSV feuert Trainer Labbadia: Der Untergang der Raute

Nach dem 1:5-Debakel in Hoffenheim hat der von weiten Teilen der HSV-Mannschaft verachtete Trainer Bruno Labbadia seinen Hut nehmen müssen. Die Entlassung des Coaches kommt viel zu spät. Sie wird dem Traditionsclub nur kurzfristig helfen - wenn überhaupt.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Das war klar: Nach dem beschämenden 1:5 in Hoffenheim mussten die HSV-Verantwortlichen die Reißleine ziehen. Sie taten es noch in der Nacht nach der Schande im Kraichgau. Am Montagvormittag wurde es dann offiziell: Bruno Labbadia ist nicht mehr Trainer des Bundesliga-Traditionsclubs Hamburger SV. Das Team hatte ihn in letzter Konsequenz über die Klinge springen lassen. Deutlicher als beim 1:5 hätte die Abstimmung mit den Füßen nicht ausfallen können. Nichts ging mehr zwischen Rost, Petric, Trochowski und Co. und dem seit Wochen von allen Seiten angeschossenen Coach. Fußballprofis haben mehr Macht als man denkt. Das hat die geplante Rasenaktion vom Sonntagnachmittag eindrucksvoll bewiesen.

Der Vorstandsvorsitzende des HSV, Bernd Hoffmann, muss sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, Bruno Labbadia viel zu spät entlassen zu haben. Der Trainer produzierte zuletzt massenweise Negativ-Schlagzeilen - und zwar öffentlich über die Medien. Seine Attacke gegen den Führungsspieler Mladen Petric unmittelbar vor dem Hoffenheim-Spiel wegen dessen angeblich zu offensiven Umgangs mit seiner Adduktorenverletzung brachte mannschaftsintern schließlich das Fass zum Überlaufen.

Bruno Labbadia ist kein schlechter Trainer. Er hat sogar Visionen von Offensiv-Fußball. Aber Labbadia kann nicht führen. Und er ist viel zu engstirnig. Daran ist er beim HSV gescheitert. Genauso wie in Leverkusen vor knapp einem Jahr. Die Bundesliga-Rückrunde des HSV ist auch deshalb zu einer Abfolge von Demütigungen geraten, weil Sturkopf Labbadia es sich innerhalb kürzester Zeit mit fast allen seinen wichtigen Spielern verscherzt hat. Das Ergebnis liefert die Tabelle: Der Bundesliga-Dino mit dem nach Bayern und Schalke drittteuersten Kader der Liga ist auf Platz sieben abgerutscht und damit aus den Plätzen, die zur Teilnahme an den europäischen Wettbewerben berechtigen. Nur noch der (schwer vorstellbare) Gewinn der Europa League kann den Club vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit retten.

Der Fisch stinkt von der Flosse bis zum Kopf

Labbadia ist aber nicht der einzige, der beim Verein mit der Raute auf dem Trikot gescheitert ist. Streng genommen müsste Vorstandsboss Bernd Hoffman seinen Hut gleich mitnehmen. Hoffmann ist es wieder einmal nicht gelungen, einen passenden Coach zu finden, der die Träume und Ziele des nach Erfolg lechzenden Clubs umzusetzen vermochte. Sechs Trainer in sieben Jahren, Hoffmanns Bilanz ist eine Horrorbilanz. Dem relativ unerfahrenen Bundesligatrainer Bruno Labbadia nach dem Abgang von Didi Beiersdorfer keinen Sportchef an seine Seite zu stellen, war Hoffmanns schwerster Fehler.

Der HSV steht im Frühling 2010 vor einem Scherbenhaufen. Und ausgerechnet jetzt geht es für die Mannschaft, die das Wort Mannschaft längst nicht mehr verdient hat, am Donnerstag in London beim FC Fulham um den Einzug in ein Europapokalfinale. Ein Finale, das in Hamburg stattfinden wird, aber das nach den letzten beschämenden Wochen an der Elbe bis auf die Fans eigentlich keiner beim HSV verdient hätte.

Bruno Labbadia ist weg. Die Entscheidung ihn zu feuern, war richtig und überfällig. Aber damit ist noch längst nicht wieder alles gut. Der Hamburger Fisch stinkt von der Flosse bis zum Kopf. Wer auch immer das Traineramt bei den Rothosen zur neuen Saison übernehmen wird, er kann einem jetzt schon leidtun.

P.S.: Was meinen Sie? War es richtig, Bruno Labbadia zu entlassen? Was kann den Hamburger SV jetzt noch retten? Diskutieren Sie mit auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

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