HOME

Italien - Bulgarien: Das Rätsel Del Piero

Der hoch begabte Alessandro Del Piero wartet seit Jahren auf seinen Durchbruch in der italienischen Nationalmannschaft. Zu selten blitzt sein Genie im Spiel der "Azzuri" auf. Mit seinem Verein Juventus Turin hat er dagegen alles gewonnen.

Genie oder Versager? Alessandro Del Piero bleibt für die Italiener ein ewiges Rätsel. Der kleine Stürmer mit den Millionen schweren Werbeverträgen ist seit Jahren einer der Superstars der "Azzurri". Und genauso lange wartet der Kapitän des Rekordmeisters Juventus Turin auf seinen Durchbruch in der "Nazionale". Auch in Portugal blieb "Ale" bislang hinter den Erwartungen zurück. Beim 0:0 gegen Dänemark war er so schwach wie alle anderen. Beim 1:1 gegen die Schweden spielte er zwar gut, vergab aber zwei große Torchancen. "Dennoch bin ich wie die gesamte Mannschaft auf dem richtigen Weg", gibt der 29-Jährige die Hoffnung auf den angestrebten EM-Titel noch nicht auf.

Der "Juventino" weiß, dass die Sperre von Spielmacher Francesco Totti seine große Chance ist. Der Römer hatte ihm längst den Rang abgelaufen. Jetzt ist wieder Platz für den schüchternen Lockenkopf. "Totti ist nicht besser als ich", betonte Del Piero noch bis zum Dänemark-Spiel, weil Nationaltrainer Giovanni Trapattoni seinen Widersacher Totti als "einzigartig" bezeichnet hat.

Tapattoni hält an seinem Liebling fest

Und dabei kann sich Del Piero eigentlich nicht über mangelnde Rückendeckung von "Trap" beklagen. Bis heute hält der gegen heftigste Kritik an seinem Liebling fest und wartet geduldig auf den Durchbruch des 29-Jährigen, der bei Juve ungleich erfolgreicher ist als in der "Nazionale", für die er in 65 Spielen 23 Tore schoss. Mit dem Rekordmeister holte er schon fünf Meistertitel und ein Mal die Champions-League.

Mit den "Azzurri" aber hat Del Piero noch nichts gerissen. Sicher auch, weil er immer wieder von schweren Verletzungen zurückgeworfen wurde. Zwei Mal musste er sich nach Knie-Operationen wieder herankämpfen und auch vor dieser EM warf ihn wieder eine langwierige Verletzung aus der Bahn. In den letzten zweieinhalb Monaten vor der EM machte der Turiner ganze fünf Spiele.

Ihm hängt ein Versager-Image an

Ob zu recht oder nicht, Del Piero hängt ein Versager-Image an. In den entscheidenden Situationen tauche das verkannte Genie ab, meinen seine Kritiker. Auch über seine ideale Rolle auf dem Platz wird heftig diskutiert. Trapattoni sieht in Del Piero eine hängende Spitze mit Spielmacher-Qualitäten. Del Piero wehrt sich dagegen aber mit Händen und Füßen: "Ich bin ein Stürmer und damit basta."

Ob als Spitze oder im offensiven Mittelfeld, bei großen Turnieren hat er bis heute immer versagt: Bei der EM 1996 in England spielte er ein Jahr nach seinem Nationalmannschaftsdebüt ganze 45 Minuten, bei der WM 1998 machte er kein einziges Tor und bei der EM 2000 in den Niederlanden und Belgien gehörte er nur zwei Mal zur Anfangsformation. "In Erinnerung blieb nur sein Fehler im Finale gegen Frankreich", schrieb die "La Gazzetta dello Sport".

Del Piero hatte die internationalen Erwartungen nicht erfüllt

Erst bei der WM 2002 in Japan und Südkorea konnte Del Piero kurz auftrumpfen, als er Italien mit seinem Tor gegen Mexiko ins Achtelfinale schoss. "Der Zauberer hat uns gerettet", freute sich damals "Il Messagero". Die Freude währte aber nicht lange. Im Achtelfinale schied Italien gegen Südkorea mit 1:2 aus und Del Piero hatte die internationalen Erwartungen ein weiteres Mal nicht erfüllt. Die EM in Portugal sehen viele in Italien als letzte Chance. Totti ist bereits an ihm vorbeigezogen und der erst 21-jährige Römer Antonio Cassano sitzt ihm als neuer Stürmerstar der "Azzurri" im Nacken.

Bernhard Krieger, DPA / DPA

Wissenscommunity