Italien - Rumänien Der Weltmeister vor dem K.O.


Wahnsinns-Spannung in der Partie zwischen Italien und Rumänien. Die Italiener müssen gewinnen, wollen sie weiter im Turnier bleiben. Dafür ergreift Trainer Roberto Donadoni drakonische Maßnahmen. Die Rumänen bleiben dagegen ganz gelassen.

Nach der 0:3-Auftaktniederlage gegen die Niederlande muss der verunsicherte Titelfavorit im Letzigrund-Stadion den frühen EM-K.o. und Trainer Roberto Donadoni den Rauswurf fürchten. "Noch ist es nicht vorbei, wir werden alles geben", kündigte Donadoni am Donnerstagabend das Comeback der "Azzurri" an. Drei bis vier Spieler werde er wechseln und definitiv mit Del Piero und Giorgio Chiellini in der Abwehr spielen. "Wir werden für Italien und Donadoni siegen", versprach Stürmerstar Luca Toni. Aber Italiens Schicksalsspiel gegen den selbstbewussten EM-Geheimfavoriten wird ein heißer Tanz: "Wir werden Euch die Hölle auf Erden bereiten", tönte Rumäniens Kapitän Cristian Chivu. Donadoni überrascht dies nicht. Er erwartet einen "sehr starken Gegner mit einer hervorragenden Verteidigung".

Der Druck auf den viermaligen Weltmeister ist riesig: "Uns steht das Wasser bis zum Hals", gab Gianluca Zambrotta zu und versicherte, dass die "Azzurri" alles oder nichts spielen werden. "Wir gehen mit richtig Wut im Bauch in die Partie", versprach Toni den Tifosi den unbedingten Siegeswillen, den sie zum EM-Auftakt vermissen ließen. "Wir sind immer noch die Weltmeister und werden das beweisen", erklärte der Bayern-Star das Duell gegen Rumänien zu einer Frage der Ehre. "In der Krise sind wir am stärksten", beruhigte Gennaro Gattuso. In der Heimat aber ist man nervös: "Wir haben Angst", titelte "Tuttosport".

Italien setzt auf Offensive

Treibt Italien die Angst vor der großen EM-Blamage zum Comeback oder zum Kofferpacken? Die Frage stellen sich auch die Rumänen, die auf das Abschlusstraining in Zürich verzichteten, um ihre Kräfte zu schonen. "Italien ist nach der Niederlage viel gefährlicher", fürchtet Cosim Contra. Italien-Legionär Cristian Chivu wittert dagegen die große Chance: "Sie müssen jetzt Risiken eingehen", hofft der Mittelfeldspieler von Inter Mailand auf Konterchancen. "Deshalb müssen wir offensiver spielen als beim 0:0 gegen Frankreich", forderte Rumäniens Star Adrian Mutu. Sehr zum Ärger von Trainer Victor Piturca, der auf den Stuttgarter Stürmer Ciprian Marica wegen einer Gehirnerschütterung verzichten muss und nur widerwillig mehr Offensive wagt. Mutu nahm es locker und ärgerte lieber seinen Freund und früheren Florentiner Teamkollegen Toni: "Ich habe ihn angerufen, um ihm ein bisschen Angst zu machen", scherzte Mutu.

Im Lager der Italiener ist keinem zum Scherzen zumute. Am Vorabend des Spiels gab sich der von Italiens Presse als "Katastrophe" beschimpfte Trainer Donadoni dennoch entspannt und ungewohnt Auskunftsfreudig. Auf "drei bis vier Position" werde er umstellen und eine neue Taktik aufbieten, erklärte der Coach in Zürich. In der Not klammert sich Italien an seinen Edel-Joker. Serie A-Torschützenkönig Alessandro Del Piero stürmt anstelle von Antonio Di Natale neben Toni und trägt die Kapitänsbinde des verletzten Fabio Cannavaro tragen. Spät eingewechselt, gehörte der Juve-Kapitän gegen die Holländer noch zu den Besten. "Ich war noch nie so gut", traut sich der 33-Jährige die Rolle des EM-Helden zu.

Im Mittelfeld soll Daniele De Rossi neben Regisseur Andrea Pirlo für den schwachen Gennaro Gattuso ins Team kommen. In der Abwehr ersetzt Fabio Grosso den Römer Christian Panucci und defintiv Chiellini den gegen Holland indiskutablen Marco Materazzi auf der Position des verletzten Abwehrchefs Cannavaro. Einen gleichwertigen Ersatz für den Kapitän aber findet Donadoni nicht. Doch auch mit wackeliger Abwehr gaben sich die Weltmeister nicht auf. "Die Spieler haben die richtige Aggressivität und Einstellung", ist Donadoni überzeugt, dass Italiens EM nicht am Freitag in Zürich enden wird.

Bernhard Krieger und Andreas Schirmer/DPA


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