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Kommentar

Terrorvorwürfe gegen Katar: Nehmt den Scheichs endlich die WM weg!

Besser spät als nie: Die Terrorvorwürfe gegen Katar bieten die Chance, die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zu retten – und die Fifa in die Schranken zu weisen.

Fans der Fußball-Nationalmannschaft von Katar im Khalifa-Stadion in Doha (Archivbild)

Fußballfans im Khalifa-Stadion in Doha (Archivbild): "Endgültig aufräumen mit der verdammten Fußball-WM 2022 in Katar"

Es gibt im richtigen Leben wie in der Politik reichlich Gelegenheit, zur falschen Zeit aus den falschen Gründen – oder zumindest aus einem fragwürdigen Anlass – das Richtige zu tun. Das mag Abzüge in der Schönheitswertung geben. Richtig bleibt es trotzdem. Deshalb: Wenn sich jetzt schon die Chance bietet, dann sollten wir sie auch nutzen –und endgültig aufräumen mit der verdammten Fußball-WM 2022 in Katar. Besser zu spät als nie. Dafür spielt es keine Rolle, ob der Vorwurf stimmt, dass Katar islamistische Terroristen unterstützt oder nicht.

Katar hätte die Fußball-WM nie bekommen dürfen

Es ist ganz einfach. Diese Weltmeisterschaft darf dort nicht stattfinden. Sie hätte nie in das Scheichtum vergeben werden dürfen. Dieser Staat ist denkbar ungeeignet für die WM; man muss dafür nicht einmal das irre Wüstenklima als Hilfsargument heranziehen. Die WM hätte Katar spätestens wieder entzogen werden müssen, als jeder außer dem Heiligen Franz vom Orden der Zasterzienser erkennen konnte, dass die Stadien mithilfe von sklavenähnlich gehaltenen und entlohnten Arbeitern gebaut werden. Und sie sollte dem Land rechtzeitig entzogen werden, bevor es gar nicht mehr anders geht, weil Katar und womöglich die gesamte Golfregion im Chaos versinkt, was Allah verhindern möge – oder einer der sich von ihm berufen Glaubenden.

Nicht nur nebenbei: Natürlich ist es ein schlechter Witz, wenn nun ein Halbschurkenstaat den anderen Terrorhelfer schimpft; es gibt deshalb sogar gute Gründe dafür, sich im undurchsichtigen Machtkampf zwischen schiitischen und sunnitischen Staaten politisch nicht instrumentalisieren zu lassen. Aber soll man auf eine richtige Entscheidung verzichten, weil man damit auch den Falschen helfen würde, vordergründig jedenfalls? Auf keinen Fall.

Es gäbe auch nur zwei Opfer: die katarische Regierung und das Scheichtum Fifa. Und damit pfeilgerade jene, die es verdient haben. Die erste, weil sie seit jeher auf die Einhaltung von Menschenrechten pfeift. Das zweite, weil es sich von einer Sport- zu einer Sportvermarktungsorganisation übelster Sorte entwickelt hat, der es längst nicht mehr darum geht, zur Völkerverständigung beizutragen, sondern darum, die Völker auszunehmen. Das ist in der Nach-Blatter-Zeit nicht besser geworden. Die Fifa führt sich auf wie ein eigener Staat. Es wäre deshalb ein schöner Nebeneffekt der Operation Stopp 2022, sie an den Primat der Politik zu erinnern und daran, dass sie nicht machen kann, was sie will. Sollte die Fifa übrigens nicht aus freien Stücken (wenn schon nicht aus eigener Einsicht) Katar die WM entziehen, muss die Politik sie dazu zwingen – mit einem Boykott.

Falsche Zeit. Schlechter Anlass. Trotzdem bingo

Noch ist es nicht zu spät. Noch können die Spiele in ein anderes Land oder mehrere andere Staaten vergeben werden. Fünf Jahre sind nicht viel, um eine solche Mammutveranstaltung zu organisieren und in Zeiten des Terrors zu schützen – aber es ist hinzukriegen; man muss ja nicht die BER-Truppe damit beauftragen. Und wenn nicht, dann nicht. Der Preis wäre hoch, aber er wäre es wert. Man nennt das: Glaubwürdigkeit.

Damit jetzt nicht die Falschen aufheulen. Mir würde das Herz bluten. Ich bin ein unverbesserlicher verrückter Fußball-Liebhaber, der sich auch nachts um Drei noch ein trübes Gruppenspiel Kamerun gegen Mazedonien anguckt; man kann ja nie wissen, ob sich das nicht zum Kick des Jahrhunderts entwickelt. Weil ich aber den Fußball liebe, würde ich es gerne erleben, dass die Macht der größenwahnsinnigen Fifaisten eingeschränkt wird. Und, ja, mir blutet das Herz auch, sollte ausgerechnet Donald Trump der Auslöser sein, dass Katar 2022 nicht stattfindet und die Fifa eine verdiente Niederlage erleidet. Aber auch dafür gilt: Falsche Zeit. Schlechter Anlass. Und trotzdem bingo.

Kleiner, notwendiger Nachsatz: Ja, auch Russland ist kein idealer Austragungsort für die WM im kommenden Jahr. Aber das ist ein anderer Kommentar.

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