Klose-Interview "Schmierigste Sache meiner Karriere"


Er ist Deutschlands bester Stürmer: Miroslav Klose. Im stern.de-Interview spricht der Noch-Bremer über die Gründe seiner Krise, Details der Schmutzkampagne gegen ihn und das Interesse eines ausländischen Topvereins.

Miro Klose, wie fällt Ihre persönliche Nationalmannschafsbilanz für die Nach-WM-Saison aus?

Für uns als Mannschaft ist es überragend gelaufen. Wir sind souveräner Tabellenführer in unserer EM-Qualifikationsgruppe. Für mich persönlich - und das weiß jeder, der mich kennt - hätte es etwas besser laufen können. Natürlich hätte ich mir ein paar Tore mehr gewünscht. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass das ganz schnell wieder kommt.

Der Konkurrenzkampf im Sturm der Nationalmannschaft wird härter. Neben Lukas Podolski sind auch Kevin Kuranyi und Mario Gomez feste Größen

Eines mal vorweg: Ich finde es wichtig, dass eine große Fußballnation wie Deutschland in allen Mannschaftsteilen stark besetzt ist und dass es einen großen Konkurrenzkampf gibt. Mario Gomez hat ein tolles Jahr hinter sich. Das Zusammenspiel in der Nationalmannschaft klappt immer besser. Und vor Kevin zieh sich sowieso den Hut. Wie der mit dem WM-Aus umgegangen ist, verdient größten Respekt. Er hat die Enttäuschung in positive Energie umgewandelt. Das war schon großartig. Poldi wird ganz sicher auch wieder bald dabei sein und zu alter Stärke zurückfinden.

Sie sind bei Werder und in der Nationalmannschaft immer gesetzt, auch bei kleineren Formschwankungen. Hätten Sie sich nicht auch mal gewünscht, dass die Trainer Sie draußen lassen?

Ich glaube, die Trainer wissen schon ganz genau, was sie an mir haben. Und es ist doch auch so: Das Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben, habe ich - glaube ich wenigstens - immer mit Leistung zurückgeben können. Eines ist klar: Ich will immer spielen!

Hätten Sie sich nicht vielleicht auch selber mal ein Stückchen zurücknehmen müssen? Stichwort: körperliche Belastung, Virus-Infektion.

Das ist alles Schnee von gestern, das ist vorbei und abgehakt. Ab sofort blicke ich nur noch nach vorne. Alles andere macht doch keinen Sinn.

Ihr Privatleben sorgte zum Ende der Saison für Gerüchte. Ihre Frau, mit der Sie Zwillinge haben, soll von einem Ihrer Mitspieler schwanger sein. Zeitweise hatte man das Gefühl, dass in Bremen über nichts anderes gesprochen wurde. Sie haben bisher wenig darüber gesagt. Wie sehr haben Sie diese bösen Gerüchte wirklich belastet?

Ich glaube, das war die widerwärtigste und schmierigste Sache in meiner Karriere. Unglaublich war auch, wie einige Boulevardjournalisten immer wieder versucht haben, neue Details zu "erfinden", obwohl jeder genau wusste, dass ich absolut glücklich verheiratet bin und meine Familie für mich das Größte ist. Die Leute hätten einfach mal bei mir zuhause über den Zaun gucken sollen. Dann hätten sie gesehen, dass wir ein vollkommen intaktes Familienleben führen. Ja, das tat alles schon sehr weh, weil es natürlich auch die Familie belastet, wenn man jeden Tag eine neue widerliche Lügengeschichte hört. Mit Fußball - und das ist ja mein Beruf - hat das definitiv nichts zu tun.

Sie haben im Interview mit der "SZ" Andeutungen darüber gemacht, aus welcher Ecke die Gerüchte kommen könnten, haben aber keine Namen genannt. In München hat Uli Hoeneß genau registriert, was über Sie zuletzt geredet wurde. Hoeneß sagte am letzten Montag im "Kicker", dass er sehr besorgt sei, weil nach seinen Informationen Ihr früherer Berater, Michael Becker, im Hintergrund Ihr jetziges Management attackiere. Ist Hoeneß auf der richtigen Fährte?

Zunächst möchte ich mal klarstellen: Mein Berater Alex Schütt und ich arbeiten seit fünf Jahren absolut erfolgreich zusammen. Während dieser fünf Jahre bin ich bis in die Weltspitze vorgestoßen. Also bitte: Was sollen diese peinlichen Diskussionen um mein Management? Eine Spieler-Berater-Situation kann aus meiner Sicht nicht besser sein. Jetzt zu den Gerüchten, die gegen mich und mein Management gestreut werden: Ich weiß sehr wohl, aus welcher Richtung das kommt, kann aber zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht mehr darüber sagen, da ich derzeit alle möglichen juristischen Schritte überprüfen lasse.

Zu Ihrer sportlichen Zukunft: Nach dem Slowakei-Spiel haben Sie gesagt, dass Sie sich entschieden haben, ab 2008 für die Bayern zu spielen. Auch Olympique Lyon soll an Ihnen interessiert sein. Ist da was dran? Wo geht die Reise hin, Herr Klose?

Das Interesse von "OL" kann ich bestätigen. Die Franzosen sind an meinen Berater Alex Schütt herangetreten. Mehr will ich dazu aber nicht sagen.

Das Interview führte Klaus Bellstedt


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