Kritiker-Forderung Klinsmann soll vor den Sportausschuss


Die Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ruft die Kritiker von Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf den Plan. Und von denen sitzen einige auch im Bundestag.

Trotz der verschärften Diskussion um die Zukunft von Jürgen Klinsmann will DFB-Präsident Theo Zwanziger den Bundestrainer über die Weltmeisterschaft hinaus an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) binden. "Ich bin davon überzeugt, dass er uns das bringt, was wir für die Zukunft brauchen", sagte der Geschäftsführende DFB-Chef in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". Eine Trennung von Klinsmann noch vor der WM schloss Zwanziger auch nach dem 1:4-Debakel gegen Italien kategorisch aus: "Das ist absolut ausgeschlossen."

Welche Dimension die Diskussion um Klinsmann inzwischen angenommen hat, zeigt die Forderung von Politikern von CDU, SPD und FDP, die den Bundestrainer nach der herben Niederlage von Florenz vor dem Sportausschuss des Bundestages hören wollen. "Es wäre schön, wenn Herr Klinsmann mal dem Sportausschuss erklären würde, was seine Konzeption ist und wie er Weltmeister werden will", sagte der CDU-Sportexperte Norbert Barthle. Das Spiel gegen Italien sei grausam gewesen, und man frage sich, wie Klinsmann das bis zum Sommer aufholen wolle.

Barthle verwies darauf, dass der Bund der größte Sponsor der WM sei. "Insofern hätte ich gerne ein paar Antworten", fügte er an. Für die FDP-Sportpolitikerin Miriam Gruß geht es bei der WM um ein "nationales Anliegen". Klinsmann solle sein Konzept darlegen, es gehe schließlich nicht darum, ob eine Mannschaft einmal schlecht spiele, sondern um die Frage: "Wie präsentiert sich Deutschland", sagte sie. Auch der SPD-Sportexperte Reinhold Hemker will Klinsmann vor dem Ausschuss sehen: "Die WM steht vor der Tür, da muss langsam mal klar sein, wer spielt." Klinsmann sollte "endlich sagen, auf wen er setzt".

"Die haben nicht alle Tassen im Schrank"

Der Ausschuss-Vorsitzende Danckert nannte eine Vorladung Klinsmanns eine "Schnapsidee". Er sehe keine Notwendigkeit, dass Klinsmann der Politik über seine Konzeption Rede und Antwort stehen sollte. "Wir sind doch kein Tribunal, vor dem sich Herr Klinsmann zu verantworten hat", sagte der SPD-Politiker. Für die Nationalmannschaft sei ohnehin der DFB zuständig. Zudem sei eine solche Vorladung ein "falsches Zeichen". Die Stimmung sei schon angespannt genug. Auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Fritz Kuhn lehnte eine Vorladung Klinsmanns ab: "Wer Klinsi vor den Sportausschuss schleifen will, hat nicht alle Tassen im Schrank. Da könnten wir ja gleich im Bundestag über die Aufstellung abstimmen."

Zwanziger machte noch einmal deutlich, dass der DFB den mit Klinsmann eingeschlagenen Weg zu Ende gehen will. "Nein, es gibt zu diesem Konzept keine Alternative, auch mit all den Ecken und Kanten, die damit verbunden sind und die sich aus seiner persönlichen Einstellung ergeben." Gleichzeitig verteidigte er erneut Klinsmanns Festhalten am Wohnort Kalifornien. "Vielleicht braucht er das, um die Dinge geistig zu verarbeiten. Ein bisschen Abstand." Und: "Jürgen Klinsmann ist nicht beratungsresistent. Wer das glaubt, schätzt ihn falsch ein. Aber eins will er nicht: Unter öffentlichem Druck eine Linie, die er für richtig hält, verändern."

Zwanziger optimistisch

Verständnis zeigte Zwanziger auch für Klinsmanns Entscheidung, nicht an dem Workshop des Fußball-Weltverbandes FIFA mit WM-Trainern ab Montag in Düsseldorf teilzunehmen. Er akzeptiere zwar, dass dies kritisiert werde, für Klinsmanns Entscheidung habe er aber "Verständnis. Klinsmann ist nicht unser gesellschaftlicher Botschafter". Den Glauben an den Erfolg der deutschen Mannschaft bei der WM im eigenen Land hat Zwanziger nicht verloren: "Wir wollen nicht Vorbereitungsweltmeister werden, sondern im Turnier eine spielstarke, konkurrenzfähige Mannschaft haben, die weit kommt. Das Ziel wird Jürgen Klinsmann weiter verfolgen und ich bin davon überzeugt, dass er das schafft. Ich habe meinen Optimismus für die WM nicht verloren."

AP/DPA AP DPA

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