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Kurz vor WM-Start: Schwere Skandale erschüttern den Weltfußball

Vor der WM 2010 sollen mindestens fünf Länderspiele verschoben worden sein - das legt ein interner Bericht der Fifa nahe. Doch auch der Weltverband selbst sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt.

Elf Tage vor Beginn der WM in Brasilien hat ein interner FIFA-Bericht die Glaubwürdigkeit des Fußballs massiv erschüttert. Laut der "New York Times" (Sonntag), der der 44-seitige Bericht des Fußball-Weltverbandes (FIFA) vorliegt, seien vor der WM 2010 in Südafrika mindestens fünf Länderspiele manipuliert worden. Im Mittelpunkt der Vorwürfe stehe dabei der afrikanische Schiedsrichter Ibrahim Chaibou, der von der Wettmafia in Singapur bezahlt worden sein soll. Der Referee aus Niger hat alle Anschuldigungen stets bestritten und seine Karriere als FIFA-Schiedsrichter inzwischen beendet.

Zu den verschobenen Begegnungen zählt auch der 5:0-Testspiel-Sieg des damaligen WM-Gastgebers Südafrika über Guatemala. Die Partie wurde von Chaibou geleitet, der zwei höchst umstrittene Handelfmeter gab. In dem FIFA-Bericht kam der Weltverband laut "New York Times" zu dem Schluss, "wir können daraus schließen, dass dieses Spiel tatsächlich aus Gründen des Wettbetrugs manipuliert wurde". Chaibou soll zwischen 60.000 und 75.000 Dollar dafür erhalten haben, behauptet die Zeitung.

Bericht erhärtet Korruptionsverdacht bei WM-Vergabe

Auch die Fußball-WM 2022 in Katar gerät weiter ins Zwielicht. Im Zusammenhang mit der Vergabe der WM-Endrunde an den Golfstaat sieht sich die Fifa mit neuen schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Der britischen Zeitung "Sunday Times" liegen nach eigenen Angaben geheime Dokumente vor, die belegen sollen, dass der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohamed bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle gezahlt haben soll, um sich deren Unterstützung für Katars WM-Bewerbung zu sichern. Vorwürfe einer Einflussnahme bei der WM-Vergabe im Dezember 2010 hatten die Organisatoren und bin Hammam bisher stets zurückgewiesen.

Die Dokumente sollen nun belegen, dass der Katarer bereits ein Jahr vor der Entscheidung der Fifa-Exekutive begonnen hatte, Einfluss zu nehmen und direkte Zahlungen an Funktionäre leistete. Katar hatte bisher stets behauptet, dass bin Hammam in der Bewerbungskampagne keine Rolle gespielt habe. Dem Blatt liegen angeblich außerdem Belege dafür vor, dass bin Hammam dem ehemaligen Exekutiv-Mitglied Reynald Temarii aus Tahiti 305.000 Euro für Anwaltskosten gezahlt haben soll.

"Man macht Fehler im Leben"

Zurzeit untersucht eine Fifa-Kommission unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Staatsanwalts Michael Garcia die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2022. Der Abschlussbericht soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Sollte dieser Unregelmäßigkeiten aufzeigen, hält Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger eine Neuvergabe der Titelkämpfe in acht Jahren für denkbar.

"Mit Blick auf die Vergabe der WM an Katar kommt es auf den Gesamteindruck von Ermittler Garcia an, ob diese Entscheidung sauber ablief. Hegt er hieran ernste Zweifel und spricht der Fifa eine Empfehlung aus, die Entscheidung zu überdenken, so wird der Kongress nicht umhin können, die WM neu zu vergeben", sagte Zwanziger dem "Handelsblatt". Vor vier Jahren war die WM-Vergabe durch das Exekutivkomitee erfolgt.

"Ich bin alles andere als sicher, ob die WM in Katar ausgetragen wird, weil zu viel gewichtige Punkte nicht geklärt sind", hatte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes dem Blatt gesagt. Jüngst hatte auch Fifa-Präsident Joseph Blatter den Zuschlag für Katar als Fehler bezeichnet, dies aber auf die klimatischen Bedingungen in dem Wüstenstaat bezogen. "Wissen sie, man macht viele Fehler im Leben", sagte der Schweizer in einem Fernsehinterview.

yps/DPA / DPA

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