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Ex-Fußballkommentator: Was macht eigentlich ... Marcel Reif?

Im Sommer 2016 beendete Marcel Reif seine Karriere als Fußballkommentator – nach drei Jahrzehnten am Mikro.

Marcel Reif, 67, privat. Er ist in dritter Ehe mit einer Medizinprofessorin verheiratet.

Marcel Reif, 67, privat. Er ist in dritter Ehe mit einer Medizinprofessorin verheiratet.

Herr Reif, spielen Sie viel Golf?

Marcel Reif: He, he – ach, Golf hat mich immer schon tödlich gelangweilt. Ich hab zwar mal die Platzreife gemacht, aber nein, ich spiele kein Golf.

Wie verbringen Sie Ihren Tag?

Mein Tag gehört meiner Familie, ich habe zwei schulpflichtige Söhne ...

... die fahren Sie zum Fußballtraining?

Die sind fußballverrückt und spielen in der Schulmannschaft, beide. Die sind auch durchaus begabt. Kürzlich fragte der Größere, ob ich nicht mal ein Spiel seiner Mannschaft kommentieren könnte. Die filmen das, sodass man sich das im Internet angucken kann. Da hab ich halt mal wieder ein Fußballspiel kommentiert.

Konnten Sie jubeln: "Tor durch Reif"?

Mein Sohn hat kein Tor gemacht, aber ich konnte ihn loben. Fußball ist nach wie vor ein ziemlich bestimmendes Element. Ich arbeite allerdings nur noch nach dem Lustprinzip. Ich bin in der Schweiz beim Pay-TV, gebe den Experten unten auf dem Platz, kommentiere aber nicht mehr.

Fehlt Ihnen das deutsche Fernsehen?

Kein bisschen. Dieses Da-oben-Sitzen, die Dinge, die ich schon hundertmal gesagt habe, noch mal sagen – nein, ich habe gemerkt, dass ich mich selber zitiere, und dann wird es Zeit, etwas anderes zu tun. In der Schweiz ist alles viel überschaubarer; man hat nicht bei jedem Spiel das Gefühl, dass ein WM-Finale ansteht, wie in der Bundesliga; da stehst du zwischen 50, 60 Interviewern und denkst: Was ist denn heut los?

Erinnern Sie sich noch an das erste Spiel, das Sie 90 Minuten kommentiert haben?

Das war 1986, Deutschland gegen Jugoslawien in Bochum. Das habe ich mir gemerkt. Danach nicht mehr so furchtbar viel.

Aber unvergessen ist sicher auch für Sie – das umgefallene Tor von Madrid.

Ich habe versucht, es zu vergessen, aber Sie erinnern mich jetzt wieder daran.

1. April 1998, Champions League, Real Madrid gegen Borussia Dortmund, Sie und Günther Jauch für RTL im Bernabéu-Stadion. Mögen Sie’s noch mal erzählen?

Das Netz war an dem Zaun befestigt, der hinter dem Tor war; an dem Zaun haben die Fans gerüttelt, dadurch wurde das Netz so gespannt, dass Zaun und Tor umkippten. Die versuchten dann, das mit Bordmitteln wieder hinzubasteln. Das war Realsatire.

Sie beide mussten die Zeit überbrücken.

76 Minuten.

War lustig.

Das war ungeplanter Unfug, der sich aus der Spontanität ergeben hat. Wenn Jauch und ich gewusst hätten, dass es so lange dauert, und man uns gesagt hätte: Ihr seid doch sonst so lustig, jetzt macht mal 76 Minuten Comedy, dann wären wir gegangen.

Ihr schönster Satz?

Jauch hat gesagt: "Ein frühes Tor täte dem Spiel gut." Ich habe gesagt: "Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gutgetan wie heute." Das sind zwei Schoten, die man nie verwenden darf, weil die so breitgetreten sind. Aber da kriegten die Sätze eine eigene Ebene.

Dafür gab’s den Bayerischen Fernsehpreis. Sie galten plötzlich als Fußball-Feuilletonist. War das schön?

Ja! Aber: Wir haben keine Leistung abgeliefert, sondern uns ausgetobt. Ein Spiel angemessen zu kommentieren, das ist dann doch eine andere Sache.

Heute wird jeder Ex-Profi Experte. Welcher der Herren gefällt Ihnen am besten?

Wenn ich einen nennen würde, würde ich die anderen schlechter machen. Aber Fußball ist für mich auch kein Medienereignis mehr: Wenn ich privat Fußball gucke, dann, weil mich das Spiel interessiert. Da ist mir das Drumherum wurscht. Mit dem Abpfiff schalte ich ab.

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