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Streit um Nationalspieler: Mesut Özil legt nach und rechnet mit Medien und dem DFB ab

Mesut Özil hat auf seinen sozialen Medien sein umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verteidigt. In einem weiteren Post geht er hart mit den Medien und dem DFB ins Gericht.

Statement zum Treffen mit Erdogan: Twitter-User reagieren auf Özils Erklärung: "Das Özil-Statement hakt an einem gefährlichen Punkt"

Er würde es wieder so machen – das ist sehr kurz zusammengefasst Reaktion auf sein umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Auf seinen sozialen Kanälen hat er sich zu dem Treffen geäußert und in einem zweiten Post noch einmal nachgelegt. 

Hier die Übersetzung von Özils Statement:

Das schreibt Mesut Özil weiter

"Als Fußballer habe ich in den drei härtesten Ligen der Welt gespielt. In der Bundesliga, in La Liga und in der hatte ich das Glück, von meinen Mannschaftskameraden und Trainern unterstützt zu werden. Dazu habe ich auch gelernt, mit den Medien umzugehen.

Eine Menge Leute sprechen über meine Leistungen – viele applaudieren, viele kritisieren. Wenn Zeitungen oder Experten Fehler in meinem Spiel finden, kann ich das akzeptieren, denn ich bin kein perfekter Fußballer. Kritik motiviert mich und lässt mich mehr trainieren. Was ich aber nicht akzeptiere, ist, wenn deutsche Medien wiederholt meine Herkunft für das schlechte Abschneiden bei der Weltmeisterschaft verantwortlich machen.

Gewisse deutsche Zeitungen missbrauchen meinen Hintergrund und das Foto mit Präsident Erdogan für rechte Propaganda und ihre politischen Zwecke. Warum sonst verwenden sie Bilder und Überschriften mit meinem Namen als Erklärung für unser Ausscheiden in Russland? Sie kritisieren nicht mein Auftreten, sie kritisieren nicht den Auftritt der Mannschaft, sie kritisieren meine türkische Herkunft. Das überschreitet eine persönliche Linie, die nicht überschritten werden sollte. Die Zeitungen versuchen Deutschland gegen mich aufzuhetzen.

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Doppelmoral der Medien

Auch enttäuschend finde ich die Doppelmoral der Medien. Lothar Matthäus hat sich vor kurzem mit einem anderen weltbekannten Staatschef getroffen (Wladimir Putin, d.Red.), wurde dafür aber kaum kritisiert. Trotz seiner Rolle beim hat ihn niemand aufgefordert, sich zu erklären und er repräsentiert ungetadelt weiter Nationalspieler. Sollten die Medien glauben, dass ich nicht hätte mit zur WM fahren sollen, dann müsste man ihm die Ehrenspielführerschaft aberkennen. Sind meine türkischen Wurzeln ein lohnenderes Ziel?

Ich hatte immer gedacht, dass eine Partnerschaft Unterstützung in guten als auch in schlechten Zeiten bedeutet. Neulich wollte ich zusammen mit zwei Spendenpartnern meine alte Schule in Berger-Feld in Gelsenkirchen besuchen. Ich habe ein Projekt gegründet, durch das Kinder aus armen oder Migrantenfamilien ein Jahr lang Fußball spielen und dabei soziale Regeln lernen können. Kurz vor dem Termin, haben mich meine so genannten fallenlassen, weil sie nicht länger mit mir zusammenarbeiten wollten. Dazu kam, dass die Schule mir mitgeteilt hat, dass ich dort unerwünscht sei, da sie die 'Medien fürchten' würden, zudem sei in Gelsenkirchen eine 'rechte Partei im Aufwind'. In aller Offenheit: Das tut sehr weh. Obwohl ich einst dort zur Schule gegangen bin, fühle ich mich unerwünscht und ihrer Zeit nicht würdig.

Kein Ärger für den DFB-Sponsor

Damit nicht genug: Ich wurde auch von einem anderen Partner fallengelassen. Einem Sponsoren des DFB. Ich war Teil eines Werbevideos anlässlich der Weltmeisterschaft, doch nach dem Foto mit Präsident Erdogan wurde herausgeschnitten, sämtliche PR-Termine wurden abgesagt. Sie wollten nicht länger mit mir gesehen werden und haben es 'Krisenmanagement' genannt. Das ist deshalb ironisch, weil ein deutscher Minister das Unternehmen beschuldigt, illegale Software installiert zu haben. Die Produkte mussten zu Hunderttausenden zurückgerufen werden. Während ich aufgefordert wurde, mich und meine Handlungen zu rechtfertigen, wurde von dem DFB-Sponsor nichts Vergleichbares verlangt. Warum? Gehe ich nicht Recht in der Annahme, dass das schlimmer ist als mein Foto mit dem Präsidenten des Landes meiner Familie? Was sagt eigentlich der DFB dazu?

Wie ich schon sagte, sollten 'Partner' in allen Situationen zusammenhalten. Adidas, Beats und BigShoe waren sehr loyal in der Zeit. Sie haben über den Blödsinn gestanden, der in deutschen Medien erschienen ist. Zusammen führen wir unsere Projekte weiter auf eine professionelle Weise, so dass es Spaß macht, ein Teil davon zu sein. Während der Weltmeisterschaft habe ich mit BigShoe 23 jungen Kindern geholfen, eine lebenswichtige Operation zu bekommen – so wie auch in Brasilien und Afrika. Für mich ist das das Wichtigste, das ich als Fußballer machen tun kann, auch wenn die Zeitungen keinen Platz finden, um darauf aufmerksam zu machen. Für sie ist es wichtiger, wenn ich ausgebuht werde oder ein Foto mit dem Präsidenten mache, als Kindern Operationen zu ermöglichen. Sie haben die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, aber sie haben sich entschieden, es zu lassen.

nik

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