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Michael Ballack: Große Karriere auf der Kippe

Die nächste Zwangspause für Michael Ballack: Nach der Verletzung im Bundesligaspiel bei Hannover 96 muss der Leverkusener sechs Wochen passen. Die Karriere von Ballack ist auch eine Aneinanderreihung von Verletzungen. Hat der 33-Jährige als Fußballer überhaupt noch eine Zukunft?

Von Daniel Barthold

Das Jahr 2010 ist ein gutes Jahr für den deutschen Fußball. Erst erreichten die Bayern im Mai das Champions-League-Finale, dann folgte eine starke Weltmeisterschaft in Südafrika. Und in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 steht man mit zwei Siegen aus den ersten beiden Spielen blendend da. Junge Spieler rücken nach, und mit Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger entwickeln sich neue Führungsspieler. Doch wo immer Spieler nachrücken, heißt es für die ältere Generation langsam Abschied zu nehmen. Ganz bitter trifft es Michael Ballack. Einst als einziger Spieler mit internationalem Format gefeiert, steht er in der Nationalmannschaft auf dem Abstellgleis und fällt nach der Verletzung im Bundesligaspiel bei Hannover 96 für mindestens sechs Wochen aus. Besonders bitter für Ballack: Er verpasst auch das wichtige EM-Qualifikationsspiel am 8. Oktober in Berlin gegen die Türkei.

Sind Michael Ballacks Zeiten vorbei?

Ballacks Karriere kann sich sehen lassen - und doch scheint sie unvollendet zu bleiben. Kein Titel in der Nationalmannschaft, kein internationaler Erfolg mit einem Klub. Das nagt an an dem gebürtigen Görlitzer und ist ein Grund dafür, dass Ballack seine Fußballschuhe noch nicht an den Nagel gehängt hat. Mit Chelsea stand er 2008 im Champions-League-Finale und im gleichen Jahr mit der Nationalmannschaft im Endspiel der Europameisterschaft. Beide Spiele gingen für Ballack verloren.

Und seine Verletzungsanfälligkeit könnte jetzt dafür sorgen, dass er der "Unvollendete" bleiben wird. Zwischen Juni 2006 und September 2010 hatte Ballack mit neun Verletzungen zu kämpfen.

Ballacks bittere Serie

Schon beim FC Bayern war Ballack häufig verletzt, meist aber nur für kurze Zeit. Er absolvierte in den vier Jahren in München pro Saison maximal 28 der 34 Bundesligaspiele. Der Trend setzte sich bei der WM 2006 fort. Kapitän Ballack musste damals im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica aufgrund einer Wadenverletzung passen. Nach der WM, gerade neu beim FC Chelsea, zog er sich eine Hüftprellung zu. Mitte 2007 gab es dann zwei Sprunggelenksoperationen. 2008 zog sich Ballack erst eine Sehnenentzündung am Mittelfuß zu, dann musste er an beiden Füßen operiert werden. 2009 war es wieder der Fuß: Zehenbruch. Im FA-Cup-Finale im Mai 2010 schließlich der vorläufige Tiefpunkt: Nach einem brutalen Foul von Kevin-Prince Boateng, kann Ballack aufgrund eines Syndesmosebandrisses nicht zur WM nach Südafrika fahren. Ein schwerer Rückschlag für ihn. Und er musste mit anschauen, wie Ersatzkapitän Philipp Lahm und Mittelfeld-Lenker Bastian Schweinsteiger den Ausfall hervorragend kompensierten. Niemand vermisste Ballack während des Turniers – und Lahm unterstrich seine Ambitionen, neuer Kapitän der Nationalmannschaft werden zu wollen.

Auch in den Qualifikationsspielen vermisste man Ballack nicht und ein klares Bekenntnis von Joachim Löw hat es bisher auch nicht gegeben. Nun die nächste Hiobsbotschaft: Fraktur im Schienbeinkopf. Wie ein Häufchen Elend schlich Ballack am Samstag in Hannover vom Platz. "Die Verletzung kommt für Michael und uns zum schlimmsten Zeitpunkt", sagte Leverkusens Trainer Jupp Heynckes am Samstag. Auch in Leverkusen spielt Michael Ballack in einem Team, dass jung und hungrig ist. Spieler wie Kießling, Helmes, Adler oder Reinartz gehören zur Generation Lahm/Schweinsteiger – nicht zu der von Ballack.

Was kann man vom Mittelfeldmann also noch erwarten? Vorerst wenig: Einen Einsatz in der Nationalmannschaft wird es vor 2011 nicht geben. Zudem wird er die erste Hälfte der Hinrunde in der Bundesliga verpassen. Dass er danach mit Bayer einen Titel holt, ist höchst fraglich. Dem "Unvollendeten" läuft die Zeit davon.

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