Nationalmannschaft Ballack beklagt "Holprigkeit"


Der 4:0-Erfolg gegen Liechtenstein war ein Muster ohne Wert. Mit Wales wartet auf die DFB-Auswahl am Mittwoch in der WM-Qualifikation ein anderes Kaliber. Bundestrainer Löw vertraut auf der Insel wieder Mario Gomez und redet ihn vor der Partie stark. Kapitän Ballack findet mahnende Worte.

Im erwarteten "Abnutzungskampf" gegen Wales setzt Joachim Löw auf die Liechtenstein-Sieger und reserviert für Torlos-Stürmer Mario Gomez sogar eine Hauptrolle. "Ich werde ihn an Einsatzbereitschaft, Laufbereitschaft und Kampfgeist messen, nicht unbedingt an Toren", kündigte der Bundestrainer einen Tag vor dem WM-Qualifikationsspiel in Cardiff an. Löw bat sein größtes Sorgenkind, das in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft inzwischen seit 643 Länderspiel-Minuten auf ein Tor-Erlebnis wartet, am Dienstag im Teamhotel St. David's nochmals zu einem persönlichen Gespräch. Nach dem unglücklichen Auftritt beim 4:0 gegen Liechtenstein und den schmerzenden Pfiffen der Leipziger Zuschauer wollte Löw "einfach spüren, wie sich Mario fühlt", berichtete der Chefcoach. Ergebnis: "Mario Gomez macht einen ganz gefestigten Eindruck. Wir wissen, dass wir ihn auf dem Weg zur WM 2010 und danach noch brauchen werden."

Seine erfolgreiche Liechtenstein-Elf wird Löw wohl nur verändern, wenn der an einer Erkältung erkrankte Hamburger Mittelfeldmann Marcell Jansen für die Partie an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) im Millennium Stadium von Cardiff passen muss. "Ich hoffe, dass es keine Grippe wird, gehe aber davon aus, dass er spielen kann", sagte Löw, der für das linke Mittelfeld auch den zuletzt angeschlagenen Piotr Trochowski wieder zur Verfügung hat. "Er ist absolut belastbar", berichtete der Bundestrainer, dass die Knieverletzung des HSV-Dribblers abgeklungen ist. Trochowski hatte beim 1:0-Hinspielsieg gegen Wales im Oktober vergangenen Jahres das goldene Tor erzielt.

Lahm warnt vor Wales

Zwar sieht Löw für das sechste WM-Spiel auf dem erhofften Weg nach Südafrika keine unbedingte Notwendigkeit für größere personelle Umstellungen, hält sich aber noch ein, zwei mögliche Überraschungen offen. "Die Qualifikation ist wie ein Marathon. Da gibt es auch Phasen, wo man sich einfach durchbeißen muss", betonte der Bundestrainer vor dem "enorm schweren Auswärtsspiel" und sagte gegen die angeschlagenen Gastgeber einen heißen "Abnutzungskampf" voraus. Gegen Deutschland würden alle Teams "noch 10 bis 20 Prozent mehr Einsatz einbringen". Erst recht die Briten. "Der Stolz spielt eine große Rolle. Sie werden versuchen, Wiedergutmachung zu betreiben. Das wird wahrscheinlich ein Schlüsselspiel für uns", sagte Thomas Hitzlsperger voraus.

"Die Waliser sind trotz der Niederlage am Wochenende eine gefährliche Mannschaft", warnte auch Philipp Lahm, schloss aber zugleich an: "Es ist eine lösbare Aufgabe. Wir wollen den Abstand in der Tabelle gegenüber Russland beibehalten." Der ärgste Rivale um den Gruppensieg und das damit verbundene Direkt-Ticket nach Südafrika 2010 geht ebenfalls am Mittwoch in Liechtenstein auf Torejagd. Derzeit führt Deutschland mit 13 Punkten und einem Spiel mehr die Tabelle der WM-Qualifikations-Gruppe 4 vor Russland (9) und Finnland (7) an. Wales folgt mit sechs Punkten aus fünf Spielen.

"Es wirkt etwas holprig"

Gewarnt sind die deutschen Profis auch aus den oft knappen Duellen mit den unbequemen Walisern. Vor sieben Jahren unterlag das DFB-Team in Cardiff mit 0:1 - der jetzige Teammanager Oliver Bierhoff hatte damals noch auf dem Feld gestanden. "Das wird kein Selbstläufer, aber als Vize-Europameister wollen wir die Waliser Mannschaft auch auswärts beherrschen", erklärte Bierhoff zur aktuellen Auflage des Duells. Die "Baby-Mannschaft" von Trainer John Toshack, in der gleich zwei 19-Jährige und ein 18-Jähriger stehen, versprach nach dem 0:2 gegen die Finnen für dieses Mal eine Trotzreaktion. "Wir müssen aufstehen und uns als Männer zeigen", erklärte David Edwards (23).

"Es wird Zeit, dass wir wieder in einen Rhythmus kommen", betonte dagegen England-Legionär Ballack, der die DFB-Elf erstmals seit vier Jahren als Kapitän bei einem Spiel auf der Insel anführen wird. Nach den beiden Testspiel-Niederlagen gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) kann das jüngste 4:0 gegen Leichtgewicht Liechtenstein dafür nur der erste kleine Schritt gewesen sein. Schon gegen die Waliser als Nummer 68 der Weltrangliste steht der zarte Aufbruch wieder auf dem Prüfstand. "Es wirkt im Moment noch etwas holprig. Das ist ein Entwicklungsprozess", meinte Ballack vor seinem 92. Länderspiel, dann fehlen ihm nur noch drei Partien bis zu den Top Ten des deutschen Fußballs. Von einem ähnlichen Erfolg wie am 8. September 2007, als der derzeit verletzte Miroslav Klose in Abwesenheit des Kapitäns den 2:0-Sieg herausgeschossen hatte, ist Ballack dennoch überzeugt.

DPA/kbe


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