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Nationalmannschaft: Löw schweigt eisern zum Fall Kuranyi

Bundestrainer Joachim Löw hält sich in Sachen Kevin Kuranyi weiter bedeckt. Ein TV-Interview anlässlich des Champions-League-Spieles von Bayern München sagte er sogar ab.

Joachim Löw lässt sich nicht aus der Reserve locken: Im Fall Kevin Kuranyi schweigt der Bundestrainer auch nach der Klausurtagung in München zur Fußball-Weltmeisterschaft. "Ein Statement dazu wird es nicht geben", sagte Harald Stenger, Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), am Mittwoch. Es seien in den nächsten Tagen auch keine Interviews Löws zu diesem Thema geplant. Im Gegensatz zu Bastian Schweinsteiger glaubt Nationalspieler Arne Friedrich, dass Löw den Schalker Torjäger Kuranyi begnadigen wird.

"Ich denke ja", sagte der Abwehrspieler von Hertha BSC der "Bild"- Zeitung auf die entsprechende Frage. "Der Bundestrainer wird sich das sicher noch mal überlegen. Und ich glaube, bei den Leistungen, die Kuranyi zuletzt gebracht hat, stehen die Chancen gut."

Löw sagte Interview ab


Löw hatte sich am Mittwochabend den Champions-League-Sieg des FC Bayern gegen Manchester United angeschaut, ein Fernsehinterview bei Sky sagte er ab. Am heutigenMittwoch geht in München die dreitägige Zusammenkunft des Chefcoaches mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und seinem Trainerteam zu Ende.

Löw will sich nicht öffentlich unter Druck setzen lassen - und er hat noch viel Zeit, eine Entscheidung zu treffen: Erst Anfang Mai vor dem letzten Bundesliga-Spieltag will der 50-Jährige seinen erweiterten Kader für die WM (11. Juni bis 11. Juli) nominieren. Sein 23-Mann-Team für Südafrika muss er erst am 5. Juni dem Weltverband Fifa melden.

Beim Bayern-Sieg in der Allianz-Arena konnte sich Löw kaum ein aussagekräftiges Bild seiner Stürmer machen: Mario Gomez kam bei seinem Comeback nach überstandener Wadenverletzung erst in der 73. Minute für seinen blassgebliebenen DFB-Auswahl-Kollegen Thomas Müller. Der Ex-Stuttgarter zeigte aber Wucht und Willen und war am Last-Minute-Tor von Ivica Olic beteiligt. Miroslav Klose durfte erst in der 86. Minute aufs Feld.

Friedrich: Fuballerisch müsste er dabei sein


"Meine persönliche Meinung ist, dass Kevin vom Fußballerischen dabei sein müsste", meinte Friedrich. In der Bundesliga zeigt Kuranyi derzeit im Gegensatz zur Stürmerkonkurrenz, zu der neben den Münchnern Gomez und Klose auch noch Lukas Podolski (1. FC Köln), Cacau (VfB Stuttgart) und Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) zählen, konstante Topleistungen.

"Kevin ist super drauf, hat einen Lauf. Er sollte bei der WM dabei sein", sagte auch Werder Bremens Nationaltorwart Tim Wiese in der "Bild". Schweinsteiger hingegen rechnet nicht mehr damit, dass Löw "seine Entscheidung ändert". Nachdem Kuranyi seine Ausreißaktion beim WM-Qualifikationsspiel gegen Russland im Oktober gestartet hatte, kündigte Löw an: "So lange ich Bundestrainer bin, spielt Kuranyi nicht mehr für Deutschland." Seine letzte verbürgte Aussage zu diesem Thema stammt aus der Vorwoche: "Es gibt von uns zu vielen Personalien klare Aussagen, die wir nicht ständig wiederholen müssen."

Kuranyi war bei der Nominierung für die Heim-WM 2006 von Jürgen Klinsmann aus dem Kader gekickt worden, führt aber derzeit die Torschützenliste in der Bundesliga mit 17 Treffern an. Für ihn hat sich unter anderem Franz Beckenbauer stark gemacht. Befürworter des Schalkers verweisen auch auf die Eskapaden von Podolski, der sich - unter anderem mit der Backpfeife gegen Kapitän Michael Ballack - viel mehr zu Schulden habe kommen lassen als Kuranyi, der aus Enttäuschung über sein Tribünen-Dasein gegen Russland nach Hause gefahren war.

Für einen anderen prominenten Sünder hat es ein Comeback im Nationalteam gegeben: Stefan Effenberg flog nach der "Stinkefinger- Affäre" bei der WM 1994 in den USA aus der Mannschaft und kehrte 1998 kurz zurück. Torwart Uli Stein musste 1986 in Mexiko nach Hause fliegen, als er Teamchef Beckenbauer als "Suppenkaspar" bezeichnet hatte - es war das Ende seiner internationalen Karriere.

Ulrike John/DPA / DPA

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