Olympia-Streit Blatter-Reaktion verärgert Bundesliga


Der Olympia-Streit um die Abstellung von Bundesliga-Spielern zieht immer weitere Kreise. Nachdem Fifa-Präsident Joseph Blatter die Freigabe der Spieler gefordert hatte, zeigen sich die Verantwortlichen bei den Vereinen weiter stur. Gegenüber stern.de machen die Schalker ihren Standpunkt deutlich.

FIFA-Boss Joseph Blatter hat im Streit um die Olympia-Freigabe ein Machtwort gesprochen, doch Bundesligist FC Schalke 04 greift im Ringen um seinen Spieler Rafinha zum äußersten Mittel: Die Gelsenkirchener erheben Klage beim Fußball-Weltverband gegen den brasilianischen Verband CBF und beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Das erklärte ein Vereinssprecher im österreichischen Stegersbach, nachdem die von Schalke erbetenen Reaktionen von CBF und IOC bis Mittwochmittag ausblieben. Die Schalker Chancen sanken jedoch, da FIFA-Präsident Blatter in einem Rundbrief an alle Mitgliedsverbände deutlich machte, dass "die Abstellung von Spielern von unter 23 Jahren für alle Clubs zwingend ist. Für Peking gilt dieser Grundsatz ohne Vorbehalt." Gegenüber stern.de zeigte sich Schalke-Pressesprecher Gerd Voss von Blatters Aussagen wenig beeindruckt und machte deutlich, dass man sich ausschließlich auf juristische Grundlagen berufen werde. Der "olympische Geist" sei kein schlagendes Argument.

Klare Worte von Rummenigge

Auch der Vorstands-Vorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, erklärte die Abstellungspflicht für unwirksam. "Da die Olympischen Spiele nicht im harmonisierten internationalen Spielkalender verzeichnet sind, ist die Abstellungspflicht für Länderspiele nach dem FIFA-Reglement betreffend den Status und Transfer von Spielern nicht anwendbar", teilte er als Vorsitzender der Europäischen Clubvereinigung ECA mit und solidarisierte sich damit mit den Schalkern und Werder Bremen, die ihren Spielmacher Diego ebenfalls nicht abstellen wollen. "Wir unterstützen daher alle Vereine, die den Verlust wichtiger Spieler befürchten", sagte Rummenigge. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) steht hinter dem Protest aus Gelsenkirchen.

Die Schalker hatten CBF und IOC ersucht, Rafinha, dem von Club-Seite eine Geldstrafe von bis zu 800 000 Euro droht, nicht für Olympia zuzulassen. Er habe mit der eigenmächtigen Abreise zur Nationalmannschaft Brasiliens einen Vertragsbruch begangen, der nicht mit olympischer Charta und dem Ethik-Gedanken bei Olympia vereinbar sei. Werder Bremen strengte wegen seines Spielers Diego schon am Dienstag eine CAS-Grundsatzentscheidung an. Der Sportgerichtshof hatte erklärt, in dieser Woche sei nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.

Schalker Frist verstrichen

Schalke hatte Brasiliens Verband CBF aufgefordert, Rafinha freizustellen und zu seinem Arbeitgeber zurückzubeordern. Beim IOC und beim Nationalen Olympischen Komitee Brasiliens waren die Gelsenkirchener mit Schreiben vorstellig geworden, in denen der Verein Erklärungen erwirken wollte, dass Rafinhas eigenmächtige Abreise gegen den Arbeitsvertrag sowie gegen die olympische Charta verstoße und der Spieler somit nicht an Olympia teilnehmen dürfe. Die von Schalke gesetzte Frist verstrich am Mittwoch um 12.00 Uhr.

Schalke-Manager Andreas Müller gab keine weitere Stellungnahme ab. Marcelo Bordon, brasilianischer Kapitän des Bundesligisten, sagte im Trainingslager im österreichischen Stegersbach, er könne beide Seiten verstehen. "Es wäre gut, wenn es vorher eine Regelung gegeben hätte. Das ist leider verpasst worden", beklagte Bordon die verworrene Lage. Eine jetzt fällige Entscheidung zugunsten des Vereins werde Rafinha verstehen, äußerte Bordon. "Und er würde es akzeptieren, wenn er zurückmüsste", glaubt Rafinhas Landsmann.

Empfehlung der Gewerkschaft

Vom brasilianischen Verband CBF gab es bislang keine Verlautbarung zu Diego und Rafinha. Man sei aber zuversichtlich, weil es sich bei beiden Profis um Spieler handle, bei denen die Abstellungspflicht wegen ihres Alters angewendet werden müsse. Diego und Rafinha waren am Dienstagabend in Paris zu ihrem Nationalteam gestoßen. Bei Robinho von Spaniens Meister Real Madrid hatte Brasiliens Verband nach dem Verbot durch den Verein des deutschen Trainers Bernd Schuster erklärt, dies sei "eine Respektlosigkeit gegenüber dem Verband, dem Fußball und den brasilianischen Fans".

Die deutsche Spieler-Gewerkschaft VDV empfiehlt im Gegensatz zu Rummenigge den Arbeitgebern indirekt die Freigabe. Die Teilnahme an einem olympischen Turnier sei für jeden Spieler ein Höhepunkt der Karriere. Bei Fußballern, denen die Teilnahme verweigert würde, könnte sich dies negativ auf die Leistung im Liga-Betrieb niederschlagen, fürchtet die VDV. FIFA-Chef Blatter erklärte am Mittwoch unmissverständlich: "Spieler unter 23 Jahren, die den Stamm der Teams bilden, an der Teilnahme am Olympischen Fussballturnier der Männer zu hindern, würde dem Geist der Olympischen Bestimmungen widersprechen."

Jens Fischer mit DPA

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