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P. Köster: Kabinenpredigt Sensationstransfer mit Trick 17

Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung (l.), und Erling Haaland
Alle sind begeistert von Erling Haaland (r.), aber der Druck steigt, meint Philipp Köster
© Joel Kunz/BVB Medien / DPA
Beim BVB sind alle begeistert vom neuen Stürmer Erling Haaland. Klar ist aber auch: Der Druck steigt, vor allem auf Trainer Lucien Favre, meint stern-Stimme Philipp Köster. 

Am Ende war alles super, wirklich alles, sogar die Rückennummer 17. "Das ist meine absolute Lieblingsnummer" wurde Erling Haaland, der neue Stürmer von Borussia Dortmund, jubilierend auf der Homepage des Klubs zitiert. Ein Statement, das ein bisschen überraschte, hatte Haaland bei seinem bisherigen Klub Red Bull Salzburg doch stets die Nummer 30 und in der norwegischen Nationalmannschaft die 19 getragen. Doch die allgemeine Hochstimmung, die die Nachricht des vollzogenen Transfers im BVB-Lager ausgelöst hatte, sollten derlei Petitessen nicht trüben.

Denn es ist in der Tat ein starkes Zeichen, das Borussia Dortmund durch Haalands Verpflichtung sendet. Einerseits nach innen, zur Mannschaft und zum Trainerstab, die gemeinsam eine Hinrunde absolviert haben, die den Ansprüchen der Funktionärsetage nicht genügt haben. Einigen echten Highlights wie dem hart erkämpften Triumph gegen Inter in der Champions League standen zu viele verzagte, kämpferisch und spieltaktisch ungenügende Auftritte in der Liga gegenüber wie zuletzt die desaströse 1:2-Niederlage in Hoffenheim. Und was die Klubspitze am meisten nervte, war der Umstand, dass die lang ersehnte Schwächeperiode des FC Bayern nicht vom BVB, sondern von der Konkurrenz aus Leipzig und Mönchengladbach ausgenutzt wurde. Der neue Stürmer ist nun ein klares Signal, dass es kein Saisonziel sei, sich irgendwie in die Champions-League-Ränge zu retten. Die im Sommer ausgegebene Maxime, um den Titel mitzuspielen, gilt auch noch in der Winterpause.

Deutliche Ansage an die Platzhirsche

Gelingen soll das auch durch Haaland. Der hochgewachsene, durchsetzungsfähige und dabei ungemein ballsichere Angreifer soll für deutlich mehr Zug zum Tor sorgen und die BVB-Offensive variabler machen. Dass es bisher mit dem immer mal wieder verletzten Paco Alcacer nur einen klassischen Strafraumspieler im Kader gegeben hatte, war eine der großen Ärgernisse der Hinserie gewesen.

Der neue Stürmer ist aber auch eine deutliche Ansage an die Platzhirsche, dass der Konkurrenzkampf in der Offensive neu eröffnet worden ist. Manch einer hatte sich seines Platzes allzu sicher gewähnt. Nicht ganz zufällig wurden im Zuge des Haaland-Transfers auch Gerüchte wieder laut, der BVB könne nun Jadon Sancho, den zuletzt eher durch Eskapaden auffällig gewordenen Shootingstar der letzten Saison, an den schon länger anfragenden FC Chelsea abgeben.

Mindestens ebenso wichtig ist der Haaland-Transfer aber auch für die Außenwirkung. Nicht umsonst schlagzeilte die italienische "Gazzetta dello Sport", der Transfer sei ein "riesiges Geschäft für den deutschen Klub". Das meinte weniger die festgeschriebene Ablöse von gerade 20 Millionen Euro, sondern dass auch andere große Klubs um Haalands Gunst buhlten.

Mit jedem zusätzlichen Euro wächst der Druck beim BVB

Dass Manchester United und Juventus Turin ebenfalls ihr Interesse am Jungstürmer, der in seinen 22 Pflichtspieleinsätzen an 35 Toren beteiligt war, hinterlegt hatten, hatte die Dortmunder angespornt, ihr Werben noch einmal zu verstärken. Am Ende gaben wohl nicht nur die kolportierten acht Millionen Jahresgehalt den Ausschlag, sondern auch die Aussicht, wie manch anderer Jungstar in Dortmund den so oft zitierten "nächsten Schritt" in relativer Ruhe machen zu können, ohne den überdimensionierten Druck der Premier League und die Daueraufregung bei Juventus.

All das ist erst einmal ein Erfolg für den BVB. Gleichzeitig wächst mit jedem zusätzlichen Euro, der in den ohnehin üppig ausgestatteten Kader fließt, auch der Druck. Auf Sportdirektor Zorc, auf die Mannschaft, vor allem auf Coach Lucien Favre, der schon in den letzten Monaten verklausuliert von Haaland geschwärmt hatte. Nun hat er seinen Wunschspieler und einen klaren Auftrag: Der BVB muss nach der Winterpause die sieben Punkte Rückstand auf Herbstmeister RB Leipzig rasch verkürzen, er muss wieder um die Meisterschaft mitspielen. Das muss Favre leisten, sonst wird es eng für ihn. Haaland soll dazu beitragen, mit Pässen und Toren und physischer Präsenz. Die Rückennummer hingegen ist ziemlich egal.

rw

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