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P. Köster: Kabinenpredigt: Peter Stöger ist jetzt der Richtige - löst aber nicht das Problem des BVB

Peter Stöger als Feuerwehrmann zu verpflichten, ist die richtige Entscheidung des BVB. Zur neuen Saison müssen sich die Dortmunder allerdings etwas einfallen lassen. Sagt stern-Stimme Philipp Köster.

Es war ein dramatischer Samstagabend für . Nicht, weil der Klub seinen Trainer Peter Bosz entließ, der Coach hatte wohl schon zuvor das Vertrauen der Funktionäre verloren. Aber die Entscheidung für seinen Nachfolger war dazu geeignet, die Weichen für den Rest der Spielzeit bis zum Saisonende und darüber hinaus zu stellen - in die richtige oder falsche Richtung.

Zusätzlich erschwert wurde die Entscheidungsfindung durch den derzeit vollständig abgegrasten Markt an satisfaktionsfähigen Kandidaten. Jeder, der längerfristig beim BVB hätte anheuern können, ist derzeit in Amt und Würden. Wie klein der Kreis der Aspiranten war, zeigte sich schon allein daran, dass medial tatsächlich und Sebastian Kehl gehandelt wurden, letzterer hat nicht einmal einen Trainerschein, geschweige denn Erfahrung als Coach einer Profitruppe.

Borussia Dortmund gelingt ein Coup

Angesichts all dessen ist den BVB-Verantwortlichen am Wochenende ein Coup gelungen. Einen renommierten Coach wie Peter Stöger dazu zu bewegen, einen neurureresken Vertrag bis zum Saisonende zu unterschreiben, ist eine beindruckende Leistung. Zumal die gegenwärtige Situation bei der Borussia den Stärken Stögers sehr zupass kommt. Der Österreicher ist kein großer Stratege, kein begnadeter Analyst, im Vergleich zu den kühnen Spielentwürfen eines Peter Bosz ist Stöger ein biederer Minimalist. Aber er kann eben andere Dinge.

Mannschaften gewinnen ihre Stärke aus einer stabilen und produktiven Defensive. Sie treten geschlossen auf, ein Resultat der unbedingten Loyalität, die Stöger seinen Spielern entgegenbringt. Und sie sind ökonomisch, an die Stelle rauschhaften Pressings und Vorwärtsdrangs setzen sie einen effektiven Ergebnisfußball. So hat der 1.FC Köln den Sprung aus der zweiten Liga bis in die Europa League geschafft. Der Verlust eben dieser Stabilität hat die Rheinländer allerdings in dieser Saison auch wieder ans Ende der Tabelle gespült.

Peter Stöger muss die Spieler gewinnen

Stöger bringt also Verlässlichkeit mit nach Dortmund. Es wird spannend zu beobachten sein, wie er auf einen Kader wirkt, der am Wochenende gegen Bremen vollends verunsichert, zugleich aber auch auf eine merkwürdig kindliche Art trotzig wirkte. Nichts von dem, was Bosz seinen Spielern gesagt hatte, setzen sie auf dem Spielfeld um, teils taten sie genau das Gegenteil davon. So spielt eine Mannschaft, die sich in einer Fundamentalopposition gegen Autoritäten von außen wähnt. Mögen die Gerüchte eines übergroßen Einflusses etablierter Spieler wie Nuri Sahin stimmen oder nicht, der neue Trainer muss die Spieler so oder so für sich und seine Überzeugung gewinnen.


Wenn alles gut geht, wird Stöger die Mannschaft stabilisieren und wieder anfangen, Punkte zu sammeln. Die individuelle Qualität ist derart gut, dass der BVB den meisten Konkurrenten um europäische Plätze eigentlich eine Nase drehen sollte. So wird am Ende mit Ach und Krach auch wieder die Qualifikation für die Champions League stehen. Die Stelle als erster Bayern-Verfolger ist der BVB jedoch erst einmal los - was das viel größere Problem der Dortmunder beschreibt.

Peter Stöger verschafft den BVB-Chefs Zeit

Sie sehen sich nämlich in seit einigen Jahren auf dem Sprung in die Liga der globalen Klubs. Auf allen Kontinenten eine große Nummer zu sein, in Asien am Flughafen stets von Fanmassen mit wedelnden Fähnchen empfangen zu werden, das alles soll in Zukunft Routine statt Ausnahmezustand sein. Das aber gelingt nur mit stetigem Erfolg, mit einer dauerhaften und selbstverständlichen Präsenz in der Champions League, mit gewonnenen Pokalen und großen Stars. Die Personalrochaden, die sinkende Qualität des Kaders, der Verlust einer fußballerischen Klubphilosophie, all das fordert den Klub in seinen Grundfesten.

Die Personalie Stöger verschafft den Dortmunder Verantwortlichen etwas Zeit und Raum für eine strategische Neuausrichtung. Spätestens zur neuen Saison jedoch muss der Klub eine neue Philosophie und einen neuen Coach präsentieren, der dem BVB auf dem Platz ein frisches Gesicht gibt. Bis dahin ist das von Peter Stöger das beste, was dem Klub passieren kann.


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