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P. Köster: Kabinenpredigt: Wunder gibt es immer wieder, außer in der Bundesliga!

Auch wenn die Bayern wieder Meister werden, können wir uns trotzdem auf die neue Saison freuen. Findet stern-Stimme Philipp Köster

Niko Kovac

Niko Kovac steht vor seiner ersten Saison als Bayern-Trainer

DPA

Wunder gibt es immer wieder, sang früher mal die Schlagerbardin Katja Ebstein. Außer in der , möchte man ergänzen. Denn auch wenn jüngst der "Kicker" titelte: "So sind die Bayern zu packen!", schleppen sich im Mai 2019 eben doch die Bayern-Spieler gelangweilt die Stufen zum Münchner Rathausbalkon hoch, um dort die Meisterschale einem Publikum zu präsentieren, das zuvor mit Gabalier-Kirmesmusik wundgeschossen wurde. 

Zur Meisterschaft reicht es eben immer für den , dessen Ersatzbank bei jedem anderem Klub die erste Elf bilden würde. Diese Erkenntnis ist im Sommer 2018 besonders schmerzlich, weil die Münchner gerade gar nicht so richtig wissen, wohin es mit dem Klub eigentlich gehen soll. Sollen die Bayern endlich mal richtig ins Risiko gehen um die globalen Fußballstars mitbieten, auf die Gefahr hin, mal 100 Millionen Euro in den Sand zu setzen. Oder besser versuchen, sich die Weltstars via Bayern-Campus selbst heranzuzüchten, was allerdings in den letzten Jahren allenfalls so mittel, eigentlich sogar überhaupt nicht funktioniert hat.

FC Bayern hält das Geld ängstlich fest

Wie sehr die Bayern da hin und her schwanken, hat neulich im TV-Plausch mit Jörg Wontorra demonstriert. Erst klagte er wortgewaltig über den Transferwahnsinn und verkündete im Brustton der Überzeugung, das Jonglieren mit Abermillionen passe nicht zur Philosophie des Klubs, zugleich kündigte er aber an: "Es wird der Tag kommen, wo auch wir wieder Geld in die Hand nehmen müssen, gar keine Frage."   

Jetzt aber eben nicht. Der ablösefreie   und das Jungtalent Alphonso Davies für zehn Millionen Euro – ansonsten hielt der FC Bayern das Geld ängstlicher fest als Schäuble in der Griechenlandkrise. Weil sie eben auch nicht wissen, ob der neue Trainer die Mannschaft wirklich in den Griff bekommt. Der kennt durch 34 Spiele in den Jahren 2001 bis 2003 im roten Trikot angeblich "die DNA des Klubs", wie Manager Hasan Salihamidzic schwärmt, der Niko Kovac überhaupt für "den perfekten Trainer" beim FC Bayern hält. Was angesichts des beharrlichen Werbens um Jupp Heynckes und des verbrieften Interesses an Thomas Tuchel ein klein wenig überverkauft klingt.  

Besetzung reicht nicht für das Champions-League-Finale

Nach all den Viertel- und Halbfinalpleiten mal wieder im Finale der Champions League dabei sein, das ist das inoffizielle wie irreale Saisonziel der Bayern. Denn dafür reicht die Besetzung nicht aus, auch wenn immerhin die Kontrakte der Herren Ribéry und Robben verlängert wurden, die sich zwar schon länger im aktiven Teil der Altersteilzeit befinden, aber immer noch mit rasanten Flügelläufen für die notwendigen Überraschungsmomente sorgen müssen. Außerdem musste auch Torschützenkönig Robert Lewandowski bleiben, obwohl der extra seinen Berater gewechselt und sein Interesse nach einer beruflichen Veränderung noch expliziter dargelegt hatte als Gerd Schröder damals am Kanzleramt. 

Für den Titelkampf in der Bundesliga ist das allerdings nur graduell interessant. Wenn schon kein spannender Titelkampf zustande kommt, dann können wir uns immerhin auf Lucien Favre freuen, der mit Borussia Dortmund endlich wieder ansehnlichen Fußball spielen will. Kaum ein Klub hatte ja das Ende der letzten Saison so sehr herbeigesehnt, nachdem das Experiment, mit Coach Peter Bosz einfach mal auf jegliche Art von Defensivbemühungen zu verzichten, so grandios gescheitert war. Den speziellen Favre-Fußball spielen zu lassen, der darauf setzt, dass eine ballsichere und kreative Mannschaft immer wieder Lücken in dicht gestaffelten Abwehrreihen findet, wird herausfordernd. Weil die rauschhaften Klopp-Jahre noch immer nachwirken, weil der verunsicherte Kader dringend Orientierung braucht und weil die oft gerühmte Symbiose zwischen Südtribüne und Team auch schon mal enger war.

Kaum Teams in der Bundesliga, die Bayern ärgern können

Ansonsten sind Teams, die den FC Bayern wirklich ärgern können, rar gesät. RB Leipzig eher nicht, das sich in der kommenden Saison nicht nur durch eine vergleichsweise unspektakuläre Europa-League-Saison würgen, sondern auch noch dem bereits arg präsenten Eindruck entgegenwirken muss, es handele sich lediglich um eine irgendwie zu absolvierende Übergangssaison, bis dann endlich 2019 Hoffenheims Supertalent Julian Nagelsmann das Amt des Cheftrainers übernimmt. 

Dafür vielleicht Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim, die schon in der letzten Saison bewiesen haben, dass sie Fußball spielen und nicht nur verhindern wollen. Denn wenn den Anhängern in der letzten Saison etwas richtig auf den Geist ging, dann die schlichte Weigerung der meisten Mannschaften, sich um ein ansehnliches Spiel mit dem Ball zu bemühen. Der ligaweite Versuch, den Gegner durch aggressives Pressing zu Fehlern zu zwingen und dann ruckzuck Konter zu fahren, und die daraus resultierenden Gegenmaßnahme, mehrere Defensivketten hintereinander zu schnallen, führte zu einer Vielzahl unansehnlichster Spiele. 

Was überhaupt eine gute Absichtserklärung für die ganze Liga wäre, einfach mehr Fußball zu spielen, Risiken einzugehen und auch nach Niederlagen nicht sofort den Kopf zu verlieren. Auch wenn am Ende wieder die Bayern auf dem Ratshausbalkon stehen. 

Der Video-Schiedsrichter sitzt vor vier Monitoren auf denen Fußball läuft

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