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Meinung

Historischer Erfolg: Englische Klubs beherrschen Europa - wie die Bundesliga in Zukunft dagegenhalten kann

Klubs der Premier League dominieren in diesem Jahr Europa League und Champions League wie niemals zuvor. Das hat Gründe - und die sollten besonders der Bundesliga zu denken geben.

Jürgen Klopp feiert mit Spielern und Fans gemeinsam den Einzug in das Champions-League-Finale 

Glückliche Liverpooler: Jürgen Klopp feiert mit Spielern und Fans gemeinsam den Einzug in das Champions-League-Finale 

DPA

Erst einmal muss man Eintracht Frankfurt gratulieren. Der furiose Auftritt in der Europa League war beeindruckend und das Scheitern im Elfmeterschießen gegen Chelsea dramatisch. Das Finale wäre möglich gewesen, Frankfurt war den Londonern ebenbürtig. Die Eintracht ist "erhobenen Hauptes" von der internationalen Bühne abgetreten, wie der "Kicker" schreibt.

Der beachtliche Erfolg der Eintracht ändert aber nichts an der Tatsache, dass die deutschen Klubs in dieser Saison mehrheitlich nicht konkurrenzfähig waren, während den englischen ein historischer Erfolg gelang: Nie zuvor hat eine nationale Liga alle vier Teilnehmer an den beiden europäischen Finals gestellt. In der Europa League trifft Chelsea auf den Stadtkonkurrenten Arsenal London. In der Champions League spielen der FC Liverpool und Tottenham Hotspur um den Titel: "Arsenal und Chelsea haben das Full House der Dominanz der Premier League in Europa komplett gemacht", jubelt der "Daily Mirror".

Dominanz ist Folge der finanziellen Überlegenheit

Die totale Dominanz der Premier League wird sicherlich eine Ausnahme bleiben, dennoch ist sie natürlich in erste Linie eine Folge der finanziellen Überlegenheit durch höhere Vermarktungseinnahmen und die totale Öffnung für Investoren. Nirgendwo sind die Einnahmen so groß wie auf der Insel. Erweitert man den Blick auf die vergangenen vier Jahre, so ist nur eine Schlussfolgerung möglich: Die englischen Klubs werden neben den finanzstarken Vereinen aus Spanien auch in Zukunft Europa beherrschen. Seit 2015 gingen alle europäischen Titel in die Primera Division oder in die Premier League. Acht Mal triumphierten spanische Teams, sieben Mal (inklusive 2019) englische.

Was bedeutet das für die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga? Speziell mit Blick auf die Insel macht man es sich zu einfach, wenn man nur auf die höheren Einnahmen verweist. Ein Beispiel: Die Geldströme aus nationaler und internationaler TV-Rechtevermarktung sind in England natürlich ungleich größer, aber sie werden auch gerechter verteilt. Philipp Köster, Chefredakteur des Fußball-Magazins "11 Freunde", forderte kürzlich, die TV-Gelder in der Bundesliga gerechter zu verteilen, wie das in der Premier League der Fall ist. 

Der FC Bayern München erhielt für die Saison 2018/19 rund 65 Millionen Euro, während Fortuna Düsseldorf nur 25 Millionen kassierte. In der Premier League gibt es eine Basissumme, von der alle Klubs den gleichen Anteil erhalten. Die großen Vereine erhalten lediglich zusätzlich Gelder für mehr TV-Präsenz und Erfolge. Das stärkt kleinere Klubs und macht sie konkurrenzfähiger. Das kommt wiederum der ganzen Premier League zugute. Umgekehrt ist die Schwäche der Bundesliga im internationalen Vergleich unter anderem eine Folge der Bayern-Dominanz.

Geld zieht nun mal die Besten an

Zusätzlich sollte sich die Bundesliga Gedanken machen, wie sie höhere Einnahmen erzielt. Eine Möglichkeit wäre eine flexiblere Handhabung der 50+1-Regel, ohne den Schutz vor einer Übernahme von Investoren gleich komplett abzuschaffen. Verhältnisse wie in England, wo arabische Scheichs und internationale Finanzfonds Millionen in die Vereine pumpen, sind in Deutschland nicht mehrheitsfähig, dennoch könnte man kreativer sein. 

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp freut sich mit Teamkollegen über den überraschenden 4:0-Sieg gegen Barcelona im Halbfinale der Champions League 2019.

Denn eines ist klar. Geld zieht nun mal die Besten an. In England arbeiten die besten Trainer und es gibt die größte Dichte an Weltklassespielern. Die Trainer der vier Finalteilnehmer kommen aus Deutschland (Jürgen Klopp beim FC Liverpool), aus Argentinien (Mauricio Pochettino bei Tottenham Hotspur), aus Italien (Maurizio Sarri bei Chelsea) und aus Spanien (Unai Emery bei Arsenal). Das sorgt für frische Impulse und hebt den Fußball auf ein höheres Niveau. Das würde auch der Bundesliga ganz guttun.

Den finanziellen Abstand auf die Premier League wird die Bundesliga in den nächsten Jahren nicht schließen. Aber wenn ein Verein wie die Eintracht finanzkräftiger wäre und seine besten Spieler ein, zwei Jahre länger halten könnte, wäre das schon ein Schritt.

Quellen: "kicker", "11Freunde"

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