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FC Bayern Er ist da, aber irgendwie auch nicht: Das Theater um Robert Lewandowski ist für alle Beteiligten unwürdig

Robert Lewandowski
Kein Bock? Bei Robert Lewandowski (r.) wird gerade jede Regung genau registriert
© Sven Simon / Imago Images
Robert Lewandowski will weg, der FC Bayern will ihn behalten – wer sich durchsetzt, ist noch völlig offen. Klar ist allerdings jetzt schon: In diesem Rosenkrieg gibt es nur Verlierer.

Ein paar Momente lang schien es, als würde es zum großen Showdown kommen zwischen Robert Lewandowski und dem FC Bayern. Um neun Uhr am Mittwochvormittag, als der Stürmer eigentlich nach der Sommerpause wieder zum Training antreten sollte, wartete man zunächst vergeblich auf ihn. Im Raum stand die bange Frage: Kommt er oder kommt er nicht? Er kam dann doch, mit Verspätung, auch wenn das nur zwei Minuten waren. Aber die kleine Episode zeigt, welch absurde Züge das Theater rund um Robert Lewandowski mittlerweile angenommen hat.

Klar ist soviel: Der Pole will weg, will den FC Bayern nach acht überaus erfolgreichen Jahren verlassen. Der FC Barcelona ist wohl sehr interessiert daran, ihn zu verpflichten. Bei Bayern hingegen beharren die Verantwortlichen darauf, dass Lewandowski einen Vertrag bis 2023 besitzt und wollen ihren Torjäger nicht ziehen lassen. Immer deutlicher wird auch, dass es in dieser Gemengelage auf allen Seiten nur Verlierer gibt.

Robert Lewandowski und der FC Bayern – das war bis auf kleinere Unstimmigkeiten acht Jahre lang eine märchenhafte Beziehung. Hier der hochprofessionelle, perfektionistische, eiskalte Torjäger. Da der Verein, der sein Spiel zu einem großen Teil auf den bald 34-Jährigen ausrichtete. Das mündete unter anderem in acht deutschen Meisterschaften und dem Champions-League-Sieg, Lewandowski wurde Torschützenkönig in Serie und Weltfußballer. All das droht nun in einem Rosenkrieg zu enden, obwohl das eigentlich niemand wollen kann.

Robert Lewandowski reißt ein, was er aufgebaut hat

Der Spieler setzt sein gutes Image aufs Spiel. Bisher galt Robert Lewandowski als absoluter Musterprofi, auf und neben dem Platz. Seine Torbilanz spricht eine mehr als eindeutige Sprache, der Pole ließ in den vergangenen Jahren einen Rekord nach dem anderen fallen: Seine 41 Tore in der Saison 2020/21, mit denen er die vermeintlich ewige Bestmarke von Gerd Müller knackte, machten ihn endgültig zur Legende. Seinen Platz in der Bayern- und Bundesliga-Geschichte hat Lewandowski damit jetzt schon sicher, doch die Fassade bekommt erste Risse.

Lewandowski läuft Gefahr, als geldgieriger, womöglich sogar skrupelloser Profi darzustehen, dem sein Verein und seine Mitspieler nichts bedeuten, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Immerhin: Auf einen Trainingsstreik, wie ihn einige Beobachter in der Sommerpause befürchtet und wie er mittlerweile zum beliebten Druckmittel wechselwilliger Fußballer geworden ist, hat Lewandowski (bisher) verzichtet. Dass er wenig Lust hat, in der nächsten Saison im Bayern-Trikot aufzulaufen, hat er dennoch mehr als deutlich kundgetan – und im Training ist ihm, der sonst komplett für den Fußball lebt, anzumerken, dass er nicht mehr als seine Pflicht tut. Er ist da, aber irgendwie auch nicht. Damit reißt Robert Lewandowski gerade einiges ein, was er sich beim FC Bayern aufgebaut hat.

Wann wird der FC Bayern schwach?

Auch der Rekordmeister agiert in dieser Lage unsouverän. Dass einer der absoluten Top-Stars so nachdrücklich seinen Abgang forciert, geht nicht spurlos vorüber an einem Verein, der es gewohnt ist, die Konkurrenz leerzukaufen und selbst keine Spieler notgedrungen abgeben zu müssen. Die Causa Lewandowski knabbert am Selbstverständnis des Clubs, auch wenn die Bosse sich nach außen gelassen geben. Tenor von Kahn, Salihamidzic und Hoeneß: Lewandowski hat Vertrag, man geht davon aus, dass er auch in der kommenden Saison für Bayern spielt – und zwar gut.

Doch die Verantwortlichen müssen eine schwere Abwägung vornehmen: Wann ist es betriebswirtschaftlich ratsam, eine hohe Ablösesumme für einen der besten Fußballer der Welt mitzunehmen? Bei 50 Millionen Euro soll laut Medienberichten die Schmerzgrenze liegen. Und wenn man Lewandowski gegen dessen Willen und trotz auslaufenden Vertrages doch behält: Was macht man mit einem Spieler, der womöglich nur noch lustlos umher trabt und damit die ganze Mannschaft lähmt? Das können sich nach der vergangenen Saison mit nur einem Titel weder Sportvorstand Hasan Salihamidzic noch Trainer Julian Nagelsmann leisten. Gleichwertiger Ersatz ist zudem kaum zu bekommen – erst recht nicht kurzfristig.

Uli Hoeneß im Interview über Lewandowskis Wechsel-Gerüchte

Enttäuschte Fanliebe

Schließlich sind auch die Fans jetzt schon von dem ganzen Theater enttäuscht. Einer ihrer Helden kehrt dem Verein so eiskalt den Rücken zu, wie er sich sonst nur vor dem Tor verhält – das haben Anhänger anderer Vereine schon öfter erlebt, aber nicht beim erfolgsverwöhnten FC Bayern. Mit seinem Verhalten verliert Lewandowski auch den Rückhalt beim Publikum. Jetzt entscheidet sich, wie man sich in München an ihn erinnern wird. 

Die meisten dürften sich nur noch wünschen, dass endlich die Saison beginnt und zumindest wieder Fußball gespielt wird. Damit nicht mehr im Mittelpunkt der Diskussionen steht, welche Grimasse Lewandowski gerade im Training gezogen, zu welcher Zeit er am Gelände erschienen und mit wem er wie lange gesprochen hat. Bis zum 2. September ist das Transferfenster noch geöffnet. Dann fällt der Vorhang im Theater rund um Robert Lewandowski und den FC Bayern – zumindest vorerst.


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