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Ruud van Nistelrooy: Das Millionen-Lächeln

Ruud van Nistelrooy ist in Hamburg angekommen. Beim HSV soll der holländische Superstürmer in anderthalb Jahren sechs Millionen Euro verdienen - ein hübsches Sümmchen. Aber egal, ganz Hamburg platzt vor Stolz.

Von Felix Haas, Hamburg

Seit letzter Woche herrscht in Hamburg Ausnahmezustand. Das liegt an einem Fußball-Transfer. Der niederländische Fußball-Weltstar Ruud van Nistelrooy wechselt zum Hamburger SV. Die lokalen Medien überschlugen sich vor lauter Begeisterung. Van Nistelrooy wurde gar mit holländischen Schlagzeilen empfangen. Und dann, am Montagnachmittag, war es endlich soweit: Der Torjäger landete mit einem Privatjet in Hamburg und gab seine offizielle Vorstellungs-Pressekonferenz.

Der Trubel rund um die HSH-Nordbank-Arena war gewaltig. Zwar hatten sich nur einige dutzend Fans eingefunden, um den neuen Hoffnungsträger ihres geliebten HSV in Empfang zu nehmen, dafür reisten die Medienvertreter in Fanblock-Stärke an. Der mediale rote Teppich für den Superstar war ausgerollt: Kameramänner drehten nervös an ihren Objektiven, Schreiberlinge ordneten Notizen, Fotografen kämpften um die besten Plätze, auf den Monitoren im Saal liefen die besten Bilder von van Nistelrooys Karriere.

Ein Weltstar für den HSV

Und dann tauchte er plötzlich auf, der Mann, der schon in Holland, England und Spanien Torschützenkönig war und nach der lebenden Real-Legende Raul die meisten Tore im Europapokal erzielt hat. Vorbei an der Ahnengalerie des HSV ging er, vorbei an den Bildern von Seeler oder Keagan. Cool, gelassen und bedächtig betrat "Van the man", wie er seit seiner Zeit in England genannt wird, die Geschäftsstelle des HSV. Gewaltigen Trubel ist van Nistelrooy gewohnt.

Auf einer festlich angerichteten Bühne im Pressesaal nahm van Nistelrooy dann Platz. Neben ihm Bernd Hoffmann, der kleine Vorstandsvorsitzende des HSV. Stolz wie Oskar lächelte Hoffmann in die Kameras und überreichte dem 33-jährigen van Nistelrooy das Trikot mit der Nummer 22. "Wir haben lange den Markt beobachtet und sind nun froh, die bestmöglichste Lösung für den HSV präsentieren zu können", sagte Hoffmann. "Über die Qualität von van Nistelrooy brauchen wir kein Wort zu verlieren, ganz wichtig für uns waren seine Professionalität und Mentalität. Wir sind stolz darauf, dass uns seine Verpflichtung gelungen ist", fügte der HSV-Chef hinzu.

Stehende Ovationen zum Abschied in Madrid

Van Nistelrooy brauchte nicht lange, um sich zu akklimatisieren. Deutsch spricht er seit seiner Schulzeit. Und so formulierte er flüssig: "Ich hatte einen sehr schönen Abschied in Madrid, ich behalte das in schöner Erinnerung, aber ich habe etwas abgeschlossen, heute ist ein neuer Start." Da klang eine gehörige Portion Understatement mit. Sonntag Abend hatte noch das ganze Bernabeu-Stadion in Madrid "Ruuuud"-Sprechchöre angestimmt und den Niederländer mit stehenden Ovationen aus der spanischen Hauptstadt verabschiedet. Ob die Hamburger dem Ruud irgendwann einen ähnlichen Abschied bereiten werden?

Auf Torejagd gehen, kann van Nistelrooy zunächst nicht. Er ist noch verletzt. Ein Muskelfaseriss setzt ihn außer Gefecht. Eine Woche bis zum Mannschaftstraining, zwei Wochen bis zum ersten Einsatz und rund vier Wochen bis zur vollen Fitness, so lautet der Reha-Plan des Niederländers. Trotz vieler Wehwehchen und einer schlimmen Knieverletzung glaubt er daran, sein früheres Niveau wieder erreichen zu können: "Ich denke, dass ich noch einige Jahre auf hohem Niveau spielen kann." Beim HSV schloss er zunächst einen Vertrag bis zum Sommer 2011 ab. In diesem Zeitraum soll er bis zu sechs Millionen Euro verdienen können.

Unaufgeregt zum Top-Torjäger

Ruhig und präzise beantwortete van Nistelrooy die Fragen der Pressevertreter. Auch jene nach den Zielen mit dem HSV. Er freue sich über die Chance, in der Europa League gegen seinen alten Verein PSV Eindhoven anzutreten. Zudem wolle er mit dem HSV Titel sammeln. "Es wäre sehr schön, wenn wir hier etwas zusammen gewinnen könnten." Und dann ist da ja noch die Weltmeisterschaft in Südafrika. Auf den niederländischen WM-Zug will der 64-fache Nationalspieler aufspringen: "Hoffentlich bin ich in Südafrika dabei."

Nach einer halben Stunde war das Schaulaufen schließlich vorbei. Der Medien-Fanblock war zufrieden - der neue Stern am Bundesliga-Himmel ist aufgegangen. Die Liga bekommt einen unaufgeregten und bescheidenen Top-Torjäger, dem Medien-Trubel scheinbar egal ist. Der smarte van Nistelrooy überzeugte schon immer lieber auf dem Platz. Und ließ dort durch seine vorzügliche Trefferquote jeweils Fan-Herzen höher schlagen. Vielleicht ja auch in der Hansestadt.

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