Slowakei-Länderspiel Prügelorgie wider den Sportsgeist


Deutsche Hooligans haben bei Randalen in der Slowakei den deutschen Fußball drei Monate nach der Weltmeisterschaft in Misskredit gebracht. DFB-Funktionäre und Spieler sind fassungslos.

Michael Ballack & Co. glänzten auf dem Spielfeld, doch abseits des Rasens sorgten einige Krawallmacher aus Deutschland für unschöne Szenen. Sie trübten dadurch den tollen 4:1- Erfolg ihrer Landsleute und lösten im Kreis des Fußball-Nationalteams Verständnislosigkeit und Bedauern aus. "Wir können uns nur davon distanzieren", meinte Mannschaftskapitän Ballack nach dem überaus sehenswerten Länderspiel zu den betrüblichen Vorfällen. "Wir haben einen guten Eindruck hinterlassen. Der wurde getrübt durch ein paar Hooligans."

DFB-Präsident Theo Zwanziger kündigte am Donnerstag an, den Kampf gegen die Krawallmacher fortzusetzen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte bereits vor der Partie die slowakischen Gastgeber gewarnt und weitgehend erfolglos zur Kooperation aufgefordert. "Wir werden uns dieser Aufgabe stellen. Wir dürfen diese Ereignisse aber auch nicht in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Es war ein unschöner Aspekt eines ansonsten schönen Abends." Ähnlich äußerte sich Bundestrainer Joachim Löw. "Wir können nicht mehr tun, als an die Vernunft zu appellieren. Es sind einige wenige, die den Fußball nicht im Mittelpunkt sehen. Sie kommen, um zu provozieren", betonte er.

Hooligans zerstörten Geschäft

Fast 50 Randalierer waren am späten Mittwochabend um kurz vor Mitternacht zumindest vorübergehend festgenommen worden. Eine Gruppe von deutschen Unfriedenstiftern hatte nach dem Qualifikationsspiel zur Euro 2008 einen Polizisten angegriffen und verletzt. Unter anderem schlugen sie ihm dabei mehrere Zähne aus. Eine andere Gruppe Deutscher zerstörte die Auslage eines Sportartikel-Geschäfts in der Nähe des Stadions "Tehelné Pole" von Slovan Bratislava. Mit Hilfe der Aussagen der Verhafteten wollte die slowakische Polizei allerdings noch die Haupttäter bei beiden Vorfällen ermitteln, sagte Polizei-Sprecher Viktor Plezel.

Fünf andere Deutsche und ein Slowake waren schon während des Spiels nach Attacken gegen den Ordnungsdienst im Stadion abgeführt worden. Darüber hinaus gab es laut Plezel jedoch keine nennenswerten Vorfälle. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass nach aktualisierten Polizei-Angaben insgesamt 91 mutmaßlichen deutschen Hooligans schon an der Grenze die Einreise in die Slowakei verweigert worden. Neun von ihnen hatten sogar gleich an zwei Grenzübergängen versucht, in die Slowakei zu gelangen. Ein weiterer Deutscher wurde am Flughafen Bratislava verhaftet, weil er Kokain bei sich hatte. Dabei handelte es sich laut Polizeiangaben um eine geringe Menge für den Eigenbedarf.

Christoph Thanei/DPA DPA

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