Sonntagspiele Aufatmen in München und Berlin


Verschnaufpause für Ottmar Hitzfeld: Dem kriselnden FC Bayern gelang gegen Hannover ein glücklicher 3:1-Heimsieg. Hertha-Trainer Hans Meyer feierte mit dem 1:0 über den VfB seinen ersten Sieg in Berlin.

Vier Tage nach dem Pokal-K.o. in Aachen hat der FC Bayern München mit dem ersten Sieg im Jahr 2004 Platz zwei in der Fußball-Bundesliga zurückerobert und seine Chance auf die Titelverteidigung gewahrt. Beim 3:1 (1:0)-Erfolg gegen Hannover 96 zeigte der deutsche Meister am Sonntag eine Leistungssteigerung, für die vor allem Michael Ballack und Ze Roberto verantwortlich waren. Neu-Trainer Hans Meyer kam mit einem verdienten 1:0-Sieg zu seinem Erfolg für Hertha. Ausgerechnet Fredi Bobic erzielte in der 88. Minute das "Goldene Tor".

In München schossen Michael Ballack (10. Minute) mit seinem 5. Saisontor sowie der Brasilianer Ze Roberto (66.) und Roy Makaay mit dem Saisontor Nummer Zwölf vor 32 000 Zuschauern den ersten Heimsieg des neuen Jahres im Olympiastadion heraus. Wermutstropfen: Ballack (76.) sah wegen einer angedeuteten Tätlichkeit die Gelb-Rote Karte. Den Ehrentreffer für Hannover, das auch beim 15. Auftritt in München sieglos blieb und in der 90. Minute Julian De Guzman wegen Meckerns mit Gelb-Rot verlor, erzielte Stanko Svitlica (82.).

"Wird unser Selbstvertrauen stärken"

"Wir hatten so viele Chancen und hätten mehr Tore schießen müssen", sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. "Aber wir haben drei Punkte geholt, das wird unser Selbstvertrauen stärken." Nur der Platzverweise für Ballack trübte seine Laune. "Wenn man schon Gelb hat, darf man nicht reklamieren. Jetzt fehlt er uns in Bochum." Hannovers Ralf Rangnick ärgerte sich über die verpasste Gelegenheit zu ersten Sieg in München. "Wir haben gut gespielt und so viele Chancen gehabt, wie kaum ein Gegner hier im Olympiastadion. Aber wir haben zu wenig daraus gemacht."

Ballack und Ze Roberto verbessert

Hitzfeld hatte seine Mannschaft auf drei Positionen geändert. Thomas Linke für Martin Demichelis sollte der Abwehr Stabilität geben; Claudio Pizarro und Ze Roberto anstelle von Jens Jeremies und Roque Santa Cruz der Offensive Durchschlagskraft. Vor allem der spielfreudige Ze Roberto rechtfertigte die Umstellung mit großem Aktionsradius, gefährlichen Dribblings und Flanken. Die erste Koproduktion mit Ballack ging zwar noch daneben, doch dann verwertete der Nationalspieler in der zehnten Minute eine Flanke des Brasilianers per Hinterkopf zur Führung.

Vor allem Ze Roberto und der torgefährliche Ballack hatten Hitzfelds warnende Worte verstanden. Doch obwohl die Bayern Vorteile hatten und schon zeitig hätten erhöhen können, wäre für 96 mehr drin gewesen. So, als Brdaric (20./26.) Keeper Oliver Kahn zu Glanzparaden zwang oder in der 53. Minute, als er über den Ball säbelte. Hannovers Bester, Torhüter Marc Ziegler, war ein Fels in der Brandung. Bei Ze Robertos trockenem Schuss aus rund elf Metern auf Vorarbeit von Makaay war er aber machtlos wie Kahn beim Gegentor.

Deisler auf der Tribüne

Zum ersten Mal seit langem verfolgte Sebastian Deisler die Partie mit. "Er war auch in der Kabine und hat einen sehr gelösten Eindruck gemacht. Wir hoffen, dass er vielleicht noch in dieser Saison wieder spielen wird", sagte Bayerns Vorstands-Vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Hertha BSC Berlin - VfB Stuttgart 1:0

Ausgerechnet Fredi Bobic hat die Talfahrt von Hertha BSC beendet und für den ersten Sieg unter Trainer Hans Meyer gesorgt. Zwei Minuten vor dem Schlusspfiff gelang dem beim neuen Coach in Ungnade gefallenen Nationalstürmer der Siegtreffer zum erlösenden 1:0 (1:0) gegen seinen früheren Club VfB Stuttgart. Zwar behielten die Berliner die Rote Laterne des Tabellenletzten, doch nach zuletzt sechs sieglosen Spielen könnte der Erfolg zur Initialzündung für den Hauptstadt-Verein werden.

Hochverdienter Sieg der Berliner

"Ich bin rundum zufrieden, weil ich vor diesem Spiel viel Bammel hatte», sagte ein sichtlich erleichteter Meyer: "Es war ein Zeichen von der Mannschaft, dass sie doch noch lebt. Die Woche nach dem 0:4 in Bremen war für sie ein einziger Spießrutenlauf." Manager Dieter Hoeneß meinte: "Die Mannschaft hat endlich gezeigt, was in ihr steckt." VfB-Coach Felix Magath war hingegen enttäuscht vom mangelnden Engagement in seinem Team. "Derjenige, der mehr Einsatz zeigt, gewinnt meistens. Wir haben verdient verloren", räumte er ein: "Die Mannschaft ist nicht in der Verfassung, in der sie im Herbst war."

Bobic, den Meyer eigentlich schon ausmustern wollte, agierte in seinem 250. Bundesligaspiel 88 Minuten lang unglücklich. Dann aber köpfte er eine Freistoßflanke von Marcelinho ein. Der Sieg gegen eine viel zu passive Stuttgarter Mannschaft, die für ihren Schongang- Fußball bitter bestraft wurden und auf den dritten Platz zurückfielen, war hochverdient. Zuvor hatte schon ein ungerechtfertigter Abseitspfiff von Schiedsrichter Kinhöfer (Herne) das Berliner Führungstor durch Andreas Neuendorf verhindert (10.). In der 79. Minute scheiterte Marcelinho (79.) am Pfosten.


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