Stefan Effenberg exklusiv "Arne Friedrich hat keine Leader-Qualitäten"


Hertha BSC Berlin steht nach der peinlichen 0:4-Niederlage gegen Aufsteiger Freiburg am Abgrund. stern.de-Kolumnist Stefan Effenberg zeigt sich wenig überrascht über den Niedergang des Hauptstadt-Clubs und rechnet mit dem Kapitän der Hertha ab.

Was sich derzeit in unserer Hauptstadt abspielt, grenzt an eine Katastrophe. Ich spiele natürlich auf die sportliche Situation von Hertha BSC Berlin an. 0:4 gegen Aufsteiger Freiburg. Und das vor eigenem Publikum. Jetzt findet man sich auf Tabellenplatz 18 wieder. Mich überrascht das übrigens nicht. Dieser Mannschaft fehlt die Qualität. Pantelic, Simunic, Voronin, drei Stützen des Vereins wurden abgegeben, aber es wurde kein adäquater Ersatz verpflichtet. Gegen Freiburg legte die gesamte Mannschaft ein teilweise amateurhaftes Verhalten an den Tag. Übrigens auch nach dem Schlusspfiff, wenn ich da nur an die seltsamen TV-Interviews von Trainer Favre und Kapitän Arne Friedrich denke. Wobei ich den Coach hier ausdrücklich in den Schutz nehmen will. Meine Kritik richtet sich vielmehr an die Verantwortlichen. Sie hätten Favre schützen müssen, anstatt ihn direkt vor die Mikrofone zu jagen. Das war unprofessionell und dann soll man sich nicht wundern, wenn so ein Trainer-Gestammel dann herauskommt.

Die Entschuldigungsrede von Arne Friedrich vor laufender Kamera war in meinen Augen ein völlig falsches Signal. Er ist der Kapitän, er muss aufrütteln, er muss vorne weg gehen und seine Jungs hochscheuchen. Sich zehnmal zu entschuldigen, ist zwar aller Ehren wert, aber gibt dem Team doch nur ein weiteres Alibi nach dem Motto: Unser Kapitän hat sich für unsere Leistung entschuldigt und damit ist es dann auch gut. Nein, da hätte ich andere Worte erwartet. Überhaupt Arne Friedrich: Ich denke nicht, dass er der richtige Mann für das Kapitänsamt ist. Er einfach nicht die Leader-Qualitäten, die jetzt bei der Hertha so dringend erforderlich wären. Die Berliner haben viel falsch gemacht und stehen vor einer knüppelharten Saison.

Bayern vor der Woche der Wahrheit Nicht ganz so dramatisch wie in Berlin ist die Situation beim VfB Stuttgart. Aber natürlich läuten im Schwabenland nach der peinlichen 0:2-Schlappe gegen Köln auch schon die Alarmglocken. Es kommt jetzt mehr denn je auf meinen alten Kumpel Markus Babbel an. Der Teamchef der Stuttgarter, der ja noch ein Frischling im Geschäft ist, darf sich bloß nicht verstellen. Er muss bei seiner Linie bleiben, dann findet das Team auch seinen Rhythmus. Anders als in Berlin ist beim VfB nämlich sehr wohl Qualität vorhanden. Wenn Babbbel sich aufgrund der unschönen Situation allerdings verstellt, ist er nicht mehr glaubwürdig. Und dann endet er wie Thomas Doll beim HSV. Und ich sehe noch eine Gefahr: Dass Babbel parallel den Trainerschein macht und zeitweise nicht mit seiner Mannschaft trainieren kann ist in so einer kritischen Situation nicht optimal. Gerade jetzt müsste er eigentlich besonders eng am Team dran sein.

Noch schnell ein Wort zu den Bayern: Ich weiß noch aus meiner aktiven Zeit, wie schwer es war, gegen ausgeruhte Mannschaften anzutreten, wenn man selber im Drei-Tage-Rhythmus im Einsatz war. Insofern kann man den Arbeitssieg der Bayern im Derby gegen Nürnberg gar nicht hoch genug einschätzen. Trotzdem gilt: Für meinen Ex-Club geht es jetzt erst so richtig los. Jetzt stehen die Wochen der Wahrheit an. Am nächsten Wochenende steht der Klassiker beim HSV an, drei Tage später empfängt man Juventus Turin in der Champions League. Nach diesen Partien wissen wir wirklich, wo der FC Bayern München steht. Wo Mario Gomez derzeit steht, davon kann man sich Woche für Woche ein Bild machen. Der Stürmer bringt derzeit einfach nicht die Leistung, die man von ihm erwarten kann. Jetzt hat er sich erstmal in den Schmollwinkel zurückgezogen. Da sollte er sich dann mal ein paar Gedanken machen, wie es für ihn weitergeht und inwiefern er bereit ist, sich dem beinharten Konkurrenzkampf im Sturm zu stellen.


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