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Thomas Müller Wenn Arroganz zum Problem wird: Jetzt führt ihn auch noch San Marino vor

Der Winzling San Marino schlägt Thomas Müller neben dem Platz. Und das ist auch noch ziemlich witzig. Der Bayern-Star sollte sich Gedanken machen. Seine Formkrise könnte schließlich mit Arroganz zu tun haben.

Thomas Müller hat in seiner Karriere bislang so ziemlich alles richtig gemacht. Auf dem Platz als Weltmeister und Champions-League-Sieger sowieso. Und neben dem Platz, in Interviews, da ist es erfrischend gewesen, dass der Mann vom FC Bayern nicht irgendwelche auswendig gelernten PR-Floskeln plapperte, sondern dass er Charakter zeigte. Dass er um kein Wort verlegen war. Bislang lief’s also ganz gut bei Thomas Müller. An dieser Stelle sollte man kurz das Wort "bislang" betonen.

Das von vielen so verhasste Jahr 2016, es dürfte auch nicht zu Müllers liebsten gehören. Ein verschossener Elfer im Champions-League-Halbfinale gegen Atletico, eine Null-Tore-EM, noch keine Tore in der neuen Bundesliga-Saison. Und jetzt wird er auch noch von einem Winzling vorgeführt. Weil er mal wieder um kein Wort verlegen war. Er diesmal aber vielleicht besser geschwiegen hätte.

San Marinos witzige Reaktion

Müller hatte sich nach dem Spiel der Nationalelf gegen San Marino vor die Journalisten gestellt und sich beschwert. "Bei solchen Spielen und Verhältnissen auf so schmierigem Platz ist man einer Gefahr ausgesetzt, die vielleicht nicht nötig ist", hatte er gesagt.

San Marino reagierte darauf – das kann man auch als Müller-Fan wohl so sagen – ziemlich genial und sympathisch.

Der Sprecher des NOKs, Alan Gasperoni, schrieb ihm nämlich einen Brief auf Facebook. Und wies ihn darin sehr dezent darauf hin, dass Spiele wie gegen San Marino nicht überflüssig seien. Zum Beispiel, "um zu beweisen, dass du nicht mal mehr gegen solche Flaschen wie uns ins Tor triffst". Oder um Fußball in San Marino bessere Grundlagen zu verschaffen. Denn mit dem Erlös des Länderspiels werde das Land "in dem kleinen Nest Acquaviva" einen neun Platz bauen, "den du mit sechs Monaten Gehalt bezahlt hättest und wir eben mit den Übertragungsrechten eines Länderspiels".

Bayern und die DFB-Elf haben Überheblichkeit lange abgelegt

Nun könnte man sagen: San Marino hat das kleine Scharmützel gewonnen. Fertig. Aber leider ist da ja noch Müllers Aussage. Und da Arroganz einem eben selten gut steht, dürften sie auch beim FC Bayern und der Nationalelf sehr genau hingehört haben, was Müller da so sagte.

Löw hat Müller zwar schon in Schutz genommen. Aber wirklich gefallen dürfte dem Bundestrainer die Geschichte auch nicht. Sowohl bei der Nationalmannschaft als auch beim FC Bayern ist Arroganz gegenüber Gegnern eigentlich eine Geschichte des vergangenen Jahrtausends. Erst seit beide Mannschaften auch die kleinsten Vereine respektieren, sich vorbereiten, sie ernst nehmen, entwickelten sie die derzeitige Dominanz.

Thomas Müller: zwischen Arroganz und Formkrise 

Man könnte schlussfolgern, dass Müllers Aussage tiefer blicken lässt als von ihm gewollt. Vor allem im Hinblick auf die sportlichen Folgen. Trifft Müller vielleicht in der Bundesliga auch deswegen nicht mehr so häufig, weil sich bei ihm in den vergangenen Jahren eine Selbstverständlichkeit eingeschlichen hat? Weil er vom Kopf her gerade eher bei der Frage: "Warum jetzt die schon wieder?" ist als bei einem "geil, Samstag geht’s gegen Frankfurt"?

Ein Tief ist menschlich. Und nach jahrelangem Erfolg kann man Müller auch nicht dafür verurteilen, dass der Hunger vielleicht kurz ein wenig nachlässt. Und doch: Müller ist Profi, er bekommt sehr, sehr viel Geld. Auch dafür, dass er eben seinen Körper schindet, dass er auf nassem Rasen in San Marino ranmuss, obwohl es für ihn persönlich um wenig geht. Wenn er das nicht möchte, muss er aus der Nationalmannschaft zurücktreten. Wenn er es möchte, dann muss er professionell sein. Und das bedeutet vor allem: den Gegner respektieren. Und jede noch so kleine Herausforderung mit Ernst und Konzentration angehen. Vermutlich würde Müller dann wahrscheinlich sogar mal wieder treffen.

Felix Haas

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