HOME

TSG Hoffenheim: Zoff zwischen Rangnick und Hopp eskaliert

Offener Krach: Hoffenheim-Boss Dietmar Hopp hat die Forderung von Trainer Ralf Rangnick nach mehr Geld für die neue Saison harsch zurückgewiesen. Es gibt sogar schon Gerüchte um einen möglichen Nachfolger für Rangnick.

Bei 1899 Hoffenheim ist ein offener Krach zwischen Trainer Ralf Rangnick und Mäzen Dietmar Hopp ausgebrochen und hat den Herbstmeister in seinen Grundfesten erschüttert. "Ich lasse mich nicht erpressen", sagte der Milliardär in der "Rhein-Neckar-Zeitung" in Heidelberg und der "Bild am Sonntag" zu den Forderungen Rangnicks, der Aufsteiger möge sich mit mehr als den geplanten knapp 10 Millionen für die neue Saison in der Fußball-Bundesliga verstärken. Der 50-jährige Coach, der zudem als einer der Nachfolgekandidaten von Felix Magath in Wolfsburg gilt, drohte mit Abschied.

Nach der 0:4-Niederlage am Samstag beim Tabellenführer VfL Wolfsburg und zwölf Spielen ohne Sieg hatte Rangnick seinem Unmut Luft gemacht. "Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen", sagte Rangnick. Für die sechs bis sieben Neuzugänge wurden ihm bisher nur 10 Millionen genehmigt, doch dem ehrgeizigen Trainer reicht dies nicht. Der Etat des Dorfvereins soll zur neuen Runde von 23 auf nur 26 Millionen Euro aufgestockt werden. "Selbst Hannover hat mehr Geld", klagte Rangnick. "Profis mit Qualität kommen nun mal nicht wegen der guten Landluft nach Hoffenheim."

Keine halsbrecherischen Aktionen

Indikator für die Konkurrenzfähigkeit sei auch, ob das Aachener Toptalent Lewis Holtby komme, sagte Rangnick am Samstagabend. Nur wenige Minuten später berichtete Manager Jan Schindelmeiser, dass der Wechsel bereits am Freitag wegen unerfüllbarer Gehaltsvorstellungen des 18-Jährigen gescheitert sei.

"Ich lasse mich durch den Ehrgeiz von anderen nicht zu halsbrecherischen Aktionen verleiten", sagte Gesellschafter Hopp der "Rhein-Neckar-Zeitung" und übte erstmals Kritik an der Personalpolitik seiner leitenden Angestellten: "Wäre Wellington nicht verpflichtet worden, stünden fünf Millionen Euro mehr zur Verfügung." Der brasilianische Stürmer gilt als Fehleinkauf und hat die Verletztenmisere in Hoffenheims Angriff ebenso wenig auffangen können wie der von Werder Bremen ausgeliehene Boubacar Sanogo.

Schlechteste Rückrundenmannschaft

"Wir sind die schlechteste Rückrundenmannschaft. Wenn es so weitergeht, steigen wir nächste Saison ab. Da können wir doch nicht von einem internationalen Wettbewerb reden", warnte der 69-jährige Hopp. Rangnick hat die Hoffenheimer zwar aus der Regionalliga bis an die Spitze der Bundesliga geführt und sein Vertrag läuft bis 2011 - doch der Coach meinte unverblümt: "Wir kommen jetzt in Bereiche, wo Gefühle nicht mehr ausschlaggebend sind." Im Umfeld des Clubs wird bereits Ex-Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, der mit Hopp freundschaftlich verbunden ist, als möglicher Nachfolger Rangnicks gehandelt.

Ulrike John und Wolfgang Brück/DPA / DPA

Wissenscommunity