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Uefa-Kongress: "Kaiser" fällt in Ungnade

Erst kritisierte er Jürgen Klinsmann für sein Fehlen beim WM-Workshop, nun glänzte Franz Beckenbauer bei einem wichtigen Kongress selbst durch Abwesenheit - möglicherweise mit fatalen Folgen für den "Kaiser".

"Das ist ein klares Zeichen gewesen", stellte Uefa-Präsident Lennart Johansson pikiert fest. Dass Beckenbauer gut drei Monate vor dem Eröffnungsspiel als WM-Organisationschef im Terminstress ist, will Johansson dabei nicht als Ausrede gelten lassen: "Ich möchte einen Nachfolger haben, der sich auch um die Kleinen wie Norwegen kümmert." Beckenbauer sei hingegen jemand, den eher das Große interessiere.

"Der "Kaiser" ist mit der WM beschäftigt"

Werner Hackmann glaubt hingegen nicht, dass "Kaiser Franz'" Fehlen Folgen für seine erwartete Anwartschaft auf das höchste Uefa-Amt hat. "Jeder weiß, dass er viel mit der WM zu tun hat", betonte der DFB- Vizepräsident. So war Beckenbauer am Dienstag mit seinen Teamkollegen der WM-Elf 1966 zu Besuch in London und am Mittwoch als ZDF-Experte beim Länderspiel Deutschland - USA (4:1) in Dortmund im Einsatz. Beckenbauers möglicher Gegenspieler, Frankreichs Ex-Nationalspieler Michel Platini, nutzte dagegen den Kongress zur Imagepflege. Im Rahmen des HatTrick-Programms darf er zudem Projekt-Gelder an ärmere Uefa-Verbände verteilen und auf den Reisen Sympathie-Punkte sammeln.

Johansson hält allerdings auch zu Platini Distanz: "Ich habe von seiner offiziellen Kandidatur gehört. Er soll vor Jahren mal etwas gesagt haben", meinte der Schwede nicht ohne Ironie. Dass Platini auch eine Kampfabstimmung gegen ihn nicht scheuen würde, empfindet der 76-Jährige als Herausforderung: "Das wird einen schönen Kampf geben." Johansson schweigt jedoch beharrlich, ob er am 25./26. Januar 2007 in Düsseldorf erneut antritt. "Ich denke noch darüber nach", sagte er und fügte an: "Eigentlich würde ich lieber angeln gehen."

Weitere Bedenkzeit für DFB im Fall Charleroi

Auch im Fall Charleroi droht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ins Abseits zu geraten. Fifa und Uefa haben kein Verständnis dafür, dass der DFB die Klage der Interessengemeinschaft der europäischen Spitzenclubs (G 14) auf Entschädigung für verletzte Nationalspieler nicht wie sie ablehnt. Der DFB hat jedoch noch Zeit, den verweigerten Treueschwur zu überdenken. Wie Uefa-Generaldirektor Lars-Christer Olsson mitteilte, sei ein Urteil in dem vom belgischen Club SC Charleroi angestrengten Schadensersatz-Prozess gegen die Fifa "nicht vor zwei, drei Monaten" zu erwarten.

Der Verein fordert eine Entschädigung von 615 955 Euro, weil sein marokkanischer Nationalspieler Abdelmajid Oulmers in einem Länderspiel schwer verletzt wurde und monatelang ausfiel. "Der Fall könnte auch noch vor den Europäischen Gerichtshof getragen werden, dann würde es weitere zwei, drei Jahre dauern", so Olsson. Der Musterprozess könnte weitere Klagen zur Folge haben.

Mit seiner Position im Fall Charleroi steht der DFB fast allein da. Nur noch der englische Verband FA scherte bei diesem Streitfall aus der Einheitsfront der 207 Fifa-Mitgliedsverbände aus. "Warum haben die Deutschen und Engländer ihre Position auf dem Kongress nicht klar gemacht?", fragte sich Johansson verwundert. Die DFB- Marschroute haben Hackmann ("Im Ansatz können wir die Klage der G 14 verstehen") und der Geschäftsführende Präsident Theo Zwanziger gegen die Bedenken von Generalsekretär Horst R. Schmidt festgelegt.

Andreas Schirmer/DPA / DPA

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