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UEFA-POKAL: Assauer außer sich!

Rudi Assauer kocht vor Wut. Seine Mannen standen frei vor dem Tor und schossen dennoch daneben. Im UEFA-Cup-Spiel gegen Wisla Krakau spielte der FC Schalke eins zu eins unentschieden.

Rudi Assauer schäumte vor Wut, und der gescholtene Gerald Asamoah hätte sich vor Scham am liebsten in ein Mauseloch verkrochen. »Das ist meine alte Schwäche. Ich weiß, den muss ich rein machen«, gestand der 24 Jahre alte Nationalspieler, der sich nach dem 1:1 bei Wisla Krakau kleinlaut für seinen Fauxpas in der 46. Minute entschuldigte. Der Manager des FC Schalke 04 konnte es kaum fassen. »Wenn man den Ball aus zwei Metern freistehend zwei Mal nicht im leeren Tor unterbringt«, beschrieb Assauer die fast schon tragikomische Szene kopfschüttelnd, »dann hat das auch was mit fehlender Klasse tun. Eine richtig gute Mannschaft hätte das Spiel locker nach Hause gebracht. Deswegen bin ich sehr enttäuscht.«

Doch nicht nur Asamoah bekam sein Fett weg, auch Jörg Böhme geriet erneut in Assauers Visier. »Ich werde bekloppt, wenn einer einen Kunstschuss versucht, statt quer zu spielen. Das ist purer Egoismus«, legte Assauer am Freitag in der Pressekonferenz vor dem Sonntagspiel bei Hannover 96 nach. Zwar nannte Assauer Böhme nicht namentlich, doch es ist klar, wer gemeint ist. Böhme war erst vor 14 Tagen aus disziplinarischen Gründen vorübergehend suspendiert worden. Und weil er nach Assauers Ansicht sich nicht wie andere in den Dienst der Mannschaft stellt, drohte er dem Nationalspieler erneut mit der Trennung: »Die Konsequenzen gebe ich frühzeitig bekannt. Vielleicht schon in der Winterpause.«

Asamoah vergab »Hundertprozentige«

Asamoah, der ansonsten ein gutes Spiel machte, vergab indes wieder einmal eine so genannte »Hundertprozentige«. Der Angreifer brachte es fertig, das Leder aus kürzester Distanz erst an den Pfosten und im zweiten Versuch ins Aus zu befördern. »Das war wie beim Tennis, wenn du am Netz stehst und mit zittriger Hand den Matchball vergibst. Ein 0:1 wäre ein ganz gefährliches Ergebnis gewesen«, bemängelte Sportmanager Andreas Müller.

Doch statt frühzeitig das unglückliche Eigentor von Christian Poulsen (39.) auszubügeln und die Weichen gegen die in der zweiten Hälfte stark nachlassende Elf von Wisla Krakau auf Sieg zu stellen, erlöste Emile Mpenza die Knappen und den unglücklichen Mitspieler erst in der 81. Minute. »Ich bin froh, dass Emile wenigstens noch das 1:1 gemacht hat«, meinte Asamoah erleichtert.

Eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel am 10. Dezember in der Arena wurde leichtfertig verspielt. Dennoch steht das Tor zum Achtelfinale weit offen, weil bereits ein 0:0 gegen den polnischen Tabellenführer reicht, um im UEFA-Cup zu überwintern. Diese Aussicht stimmte auch Trainer Frank Neubarth etwas milder: »Wir haben alle Chancen weiter zu kommen.«

Niederlagen werden zum roten Faden

Dennoch: Die katastrophale Torausbeute zieht sich in dieser Saison wie ein roter Faden durch das Schalker Spiel. In 14 Bundesligaspielen traf die hochkarätig besetzte Offensive nur 18 Mal. Hohe Siege gelangen nur gegen den drittklassigen FC Gomel in der ersten UEFA- Cup-Runde (4:1/4:0) und im DFB-Pokal gegen Mönchengladbach (5:0).

Der einstige Bundesliga-Torschützenkönig Ebbe Sand war erneut als Ersatz für den ausgefallenen Andreas Möller im Mittelfeld gefordert. Er löste die Aufgabe bravourös, fehlte aber als Vollstrecker. Und obwohl Sand insgesamt schon neun Pflichtspieltore erzielte, mangelt es ihm wie den Kollegen an Schussglück: Gemeinsam vergaben Sand, Asamoah, Böhme, Mpenza, Rodriguez und Poulsen elf Chancen. Assauer nutzte dies zur Generalkritik: »Schön spielen allein bringt nichts. Einige halten sich für Klassespieler. Aber sie zeigen es nicht auf dem Platz. So kommen wir auf lange Sicht nicht weiter.«

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