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FC Bayern München: Warum der Hoeneß-Rückzug für Kovac brandgefährlich ist

Der FC Bayern ohne Uli Hoeneß? Das Unvorstellbare wird schon bald Realität. Der Vereinspatron will seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratschef abgeben. Besonders für Trainer Niko Kovac ist das eine schlechte Nachricht.

Niko Kovac (l) und Uli Hoeneß während des Empfangs im Hofgarten der bayerischen Staatskanzlei

Niko Kovac (l) und Uli Hoeneß während des Empfangs im Hofgarten der bayerischen Staatskanzlei

DPA

Uli Hoeneß war darum bemüht, wenigstens noch ein wenig Ungewissheit um seinen Rückzug aus der Führungsspitze des FC Bayern München zu streuen. "Ich habe gesagt, dass ich morgen meine Entscheidung bekanntgebe, die getroffen ist", sagte der 67-Jährige beim Empfang des Double-Gewinners FC Bayern München beim bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder am Mittwoch in der Staatskanzlei.

Ein Geheimnis ist freilich nicht mehr, was Hoeneß am Donnerstag erst dem von ihm angeführten Aufsichtsrat des deutschen Fußball-Meisters und dann auch der Öffentlichkeit mitteilen will: Der Vereinspatron wird sich Ende des Jahres aus der ersten Bayern-Reihe zurückziehen.

Zwei Faktoren befeuern Hoeneß' Rückzug

Hoeneß wird Ende November auf der Mitgliederversammlung nicht wieder als Präsident kandidieren. Und auch den Aufsichtsratsvorsitz will er anschließend aufgeben. Beide Ämter soll der ehemalige Adidas-Chef Herbert Hainer, 65, übernehmen. "Das ist ein langer Prozess", sagte Hoeneß zu seiner Entscheidungsfindung. 

Der Prozess wurde von zwei Faktoren maßgeblich befeuert, denn so ganz freiwillig geht der Bayern-Macher nicht. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bestätigte in der Staatskanzlei erstmals offiziell, was längst schon in Medien und unter Fans kolportiert wird. Neben privaten Überlegungen hätten die Kritik an ihn auf der letztjährigen Mitgliederversammlung und die "Zwistigkeiten" mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge Hoeneß zum Rückzug veranlasst. Spannend könnte es werden, wenn Hoeneß selbst seine Beweggründe schildert.

Auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr wurde mehr als deutlich, dass Hoeneß nicht mehr den uneingeschränkten Rückhalt der Vereinsmitglieder genießt. Damals gab es nie dagewesene Hoeneß-Raus-Rufe, Pfiffe und Beleidigungen. Ein Mitglied zeigte sogar die nordkoreanische Flagge mit dem Schriftzug:  "Not my President". Es ist kein Geheimnis, dass die Veranstaltung Hoeneß ins Mark getroffen hat.

Offen ist, wie weit der Einfluss von Uli Hoeneß in Zukunft reicht

Hinzu kommt der Dauer-Zwist mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz-Rummenigge, der in den vergangenen Jahren immer wieder ein hemmender Faktor gewesen. Hoeneß und Rummenigge pflegen zum Teil unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie der Verein zu führen ist und die sportliche Entwicklung laufen soll. So lähmte der Streit auf der Suche nach einem Nachfolger von Jupp Heynckes die Entwicklung maßgeblich. Während Rummenigge Thomas Tuchel wollte, stellte sich Hoeneß quer. Schließlich wurde Niko Kovac verpflichtet - ein Hoeneß-Mann. Wenn Hoeneß zurücktritt, dürfte es für Kovac schwer sein, sich zu halten, sobald es sportliche Rückschläge gibt. Zudem sehen einige Spielern den Trainer weiterhin kritisch. Rummenigge hat aus seiner Skepsis gegenüber dem Kovac nie einen Hehl gemacht.

Links steht Uli Hoeneß im Anzug vor einem großen FC Bayern-Wappen, rechts liegt er als jüngerer Mann im Krankenhausbett

Rummenigge kritisierte zudem Hoeneß-Äußerungen über die Transfer-Politik: "Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die neue Saison ...", hatte Hoeneß großspurig angekündigt. "Es wäre in Zukunft besser, wenn wir nicht in der Öffentlichkeit über unsere operativen Tätigkeiten sprechen werden," erwiderte Rummenigge. Auch für die aus dem Ruder gelaufene legendäre Pressekonferenz im vergangenen Jahr machte Rummenigge in erster Line das ungezügelte Temperament von Hoeneß verantwortlich. Ein weiterer Streitpunkt sind die unterschiedliche Auffassungen über Spieler-Verpflichtungen. Zum Beispiel im Fall James Rodriguez. Rummenigge wollte den Spieler behalten, Kovac und Hoeneß drängten auf den Verkauf.

Die Frage bleibt, wie weit der Rückzug von Hoeneß tatsächlich geht. Er möchte einfaches Mitglied im Aufsichtsrat bleiben. Auch wird sein Wort weiter Gewicht haben. Es ist angesichts der Persönlichkeit von Hoeneß wahrscheinlich, dass er sich weiter einmischen und Einfluss ausüben wird. Und gehört wird. Der 68-Jährige ist seit über 40 Jahren Manager und Macher des FC Bayern. Der Verein ist sein viel bewundertes Lebenswerk. Umgekehrt gilt: Sein operativer Einfluß wird schwinden. 

Am Mittwoch kündigte er an: "Die Hilfe für den FC Bayern hat nichts mit dem Amt zu tun. Ich habe gesagt, dass ich immer zur Verfügung stehe."

tis / Klaus Bergmann und Christian Kunz/tkr / DPA

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