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VfB-Sorgenkinder: Bitterer Ernst

Sie galten als die Hoffnung des deutschen Fußballs. Nun stehen sie für eine Jugend in der Krise: Stuttgarts Kevin Kurányi und Andreas Hinkel.

Frühling ist's, die Sonne strahlt auf Stuttgart, und es ist ein Scheißtag für Deutschlands Jugend. Gerade haben sie Andreas Hinkel vom Trainingsplatz des VfB getragen, im Zweikampf ist er umgeknickt. Und auch Kevin Kurányi hat nichts zu lachen. Er muss Bälle tragen, wie es die Junioren in einer Mannschaft schon immer taten. Kuranyi schreitet aufrecht, der Mund umrahmt vom fein gezogenen Kuranyibärtchen, das Ballnetz über der Schulter, die Hosenbeine über die Waden gezogen. Kur?nyi ist ein Großer, 1 Meter 90. Kurányi war der Held des Stuttgarter Fußball-Frühlings. Kurányi blickt verdammt ernst.

Ein paar Tage zuvor hat man einen Jungen weinen sehen, im DSF, mittendrin, ganz dicht dabei. Der VfB Stuttgart hatte 2 : 0 gegen 1860 München gewonnen, aber Kevin Kurányi kauerte danach auf der Bank, Horst Heldt tätschelte seinen Kopf. Heldt ist 34. Kevin Kurányi ist 22. Kurányi wird zurzeit an anderen Zahlen gemessen: 735 war nach dem Spiel gegen 1860 die gültige. 825 heißt die neueste, nach dem 2 : 2 des VfB in Köln. 825 Minuten hat Kurányi kein Tor mehr geschossen.

Vom Idealentwurf zum Sorgenkind

Vor ein paar Monaten noch war der Stürmer nur eins: der Idealentwurf deutscher Fußballhoffnung. Wie der ganze VfB. Kurányi, Hinkel, Hildebrand, Lahm, Tiffert: 19 bis 24 Jahre alt und deutsche Vizemeister. Schlugen sogar Manchester United. Sie waren Deutschlands Zukunft. Die schien so süß wie die Nutellawerbung, in der Kurányi und Hinkel, Bundesadler auf der Brust, mit Benjamin Lauth von 1860 München und Arne Friedrich von Hertha BSC Berlin scherzen. Nicht nur in Stuttgart waren die Jungen wild und groß. Stars für die EM 2004, hoffentlich, aber bitte auf alle Fälle für den WM-Titel 2006 in Deutschland. Und heute: Kurányi zielt nur noch vorbei, Lauth wird bei 1860 ausgewechselt, Friedrich kämpft in Berlin im Abstiegsstrudel mit sich selbst. Und Hinkel: erst Krisengespräch mit Trainer Magath und jetzt das. "Bild" veröffentlichte kürzlich ein Nationalelf-Barometer: Kurányi, Friedrich, Lauth - Daumen nach unten. Hinkel gar nicht mehr dabei. Nach dem großen Jugendwahn nun die Jugendkrise.

Und Erklärungen

findet man - wo sonst? - in Stuttgart. Dort, wo alles mal so leicht war und unbekümmert. Ein bisschen ahnt man's, wenn Kevin Kurányi noch immer sagt: "ManU und die Champions League, das war ein tolles Erlebnis." Kurányi sitzt im Restaurant des VfB. Er spricht vom Druck und dass man im Training seine Leistung bringen muss, dann wird es schon wieder, und dass es im Fußball eh immer weitergeht. Kurányi redet wie die Alten, wenn man sie nass geschwitzt und tief verschlossen nach dem Spiel in der "Sportschau" sieht. Er sagt, er habe nie schlaflose Nächte. Okay, nach Spielen schon. Okay, wenn er kein Tor schieße, sei es noch ein bisschen schwerer.

Was soll er auch sagen? Verdammt schnell wurden aus Talenten Top-Angestellte. Kurányi hat einen Vertrag unterschrieben, der ihm etwa drei Millionen Euro pro Saison garantiert. Unglücklicherweise folgte der Unterschrift das Zwischentief des VfB in der Bundesliga, neun Spiele - nur ein Sieg. Nun sitzt er hier, sein Handy klingelt, die Kumpels. Er würde am liebsten weg. Aber er muss reden, erklären. "Man kommt ja immer wieder in eine andere Situation", sagt Kurányi, Deutsch-Brasilianer, mit 15 Jahren aus Südamerika zum VfB gekommen, "erst ist man ein Junger, und jetzt versucht man?", Kurányi stutzt, "wie heißt das Wort?" Führungsspieler? "Genau: Führungsspieler zu werden." Kurányi war mal ein unbeschwerter Junge, der Discos gern von innen sah. Das ist vorbei. Als die Krise kam, hat Felix Magath so lange demonstrativ in der Kabine über Partygänge gewettert, bis Kurányi die Schnauze voll hatte. Jetzt bleibt er zu Hause. Schluss mit lustig.

Gegen 1860 hatte er wie verrückt gerackert. Am Ende bekam er seine Chance, lief allein auf den Torwart zu. Begann zu überlegen. Verstolperte. Wenn Kurányi weiter kein Tor schießt, schrieben die Zeitungen danach, könne der VfB nicht Meister werden. Der Schutz ist abgelaufen für die Fußball-Welpen, die man einst so herzte. "Ich versuche, kein Fernsehen mehr zu schauen und keine Zeitung zu lesen", sagt Kurányi. Er fährt sich mit der Hand um den Bart, er blickt ins Leere, spricht leise. "Vielleicht macht man sich gerade zu viel Gedanken, wenn man vor dem Tor steht", sagt er. Warum? "Ich weiß nicht." Das sagt er oft. "Wenn man zu viel darüber nachdenkt und redet, wird es nur noch schlimmer." 823 Minuten ohne Tor, 824, 825 ...

Sind es die Millionen?

Seinen Kumpel Andreas Hinkel hat's jedoch viel schlimmer erwischt. Zwei Bänder sind im Sprunggelenk gerissen, mindestens vier Wochen Pause, keine Chance auf das Länderspiel gegen Belgien am nächsten Mittwoch. Er legt das bandagierte Bein hoch auf einen Stuhl, die Zehen schwellen mächtig an. "Als Jugendlicher", sagt Hinkel, "denkt man immer: Da wird man schön spielen, Spaß haben, als Profi. Aber es ist harte Arbeit, Leistungssport, und auch mit Sponsoren, Medien." Jetzt schreiben die Zeitungen von Neid in der Mannschaft. Und dass Andreas Hinkel, Außenverteidiger, zu wenig nach vorn arbeite, er verstecke sich. "Dabei wollte ich alles perfekt machen. Trotzdem kam ich in eine Phase, in der es nicht gut lief." Trotzdem oder deswegen? "Das weiß ich nicht."

Gefragt sind die Deutschen Sportpsychologen

, geschätzte zehn Millionen. Gern diagnostiziert: das Millionario-Syndrom. Hinkel trägt einen hippen Schlabberhut, an dem er herumspielt, er sieht viel jünger aus als auf dem Platz, wo sein Biss und seine Entschlossenheit drei, vier Jahre mehr in die Gesichtszüge treiben. Hinkel ist emotionaler als Kurányi. Führungsspieler könnte für ihn mal das richtige Wort sein. Er spricht mit den Händen. "Ich bin noch immer der gleiche Typ. Was soll ich von heute auf morgen zehn Tore schießen, nur weil ich einen neuen Vertrag habe. Man kann nicht Geld und Leistung verknüpfen. Das ist typisch für Deutschland. Aber man ist auch ein Mensch."

Man ist ein Star. Die deutschen Jungen wurden zu "Bravo"-Poster-Helden gemacht. "Die Euphorie hat die Spieler mitgerissen, als es gut lief", sagt Magath lakonisch, er ruht wie ein Buddha auf dem Vereinslokalstuhl, "und jetzt erschwert die Beachtung ihnen das Zurückkommen aus einer schlechten Phase. Das ist ganz klar."

Andreas Hinkel hasst es, Fehler zu machen. Und die Zeiten, als er Fehler machen durfte, sind vorbei. Ehrgeiz, Disziplin und Fleiß seien seine Stärken, lobt man. Nun könnten sie sein Problem sein. Er sagt: "Ich war immer schon einer, der das, was er macht, perfekt machen will." Deutsche Tugenden, wie man sie sich wünscht vom deutschen Nationalspieler. Und noch mehr, wenn er dicke Kohle verdient.

So hatte Hinkel sich für das Jahr 2004 ein paar gute Vorsätze verordnet. Mehr als eine Stunde vor dem Training da sein statt wie bislang eine halbe. Ernährung um-stellen. Mit einem perfekten Plan: wann Frühstück, wann Mittagessen, wann Abendessen, eine warme Mahlzeit, viel trinken. Natürlich war das ganze VfB-Team zuletzt schwach. Aber Kurányi und Hinkel, die Daueraufsteiger, stehen nun mal im Mittelpunkt. "Wenn man gute Leistungen gebracht hat, wird man natürlich daran gemessen", sagt Hinkel. "Danach wird von einem noch mehr erwartet. Aber das will man ja auch selbst."

Ein Recht zur Reife, gerade wenn er Millionen verdient, hat ein Nationalspieler heute nicht mehr. Gelassenheit muss er selbst finden, aber schnell. Hinkel hat die neuen Ernährungsprinzipien wieder über Bord geworfen, er isst, wenn er Hunger verspürt. Und Kurányi trifft zumindest im Training, arbeitet hart.

Das älteste Rezept gegen Sportlerkrisen, ein Magath-Rezept: "Solche Phasen bringen einen Spieler persönlich weiter. Wenn man lernt, dass man danach mit dem Druck besser umgehen kann. Dass es nicht das Ende der Karriere ist. Die Jungs machen das gut." Keine Panik. Es ist nur eine Frage der Zeit. 823 Minuten, 824, 825, kein Kurányi-Tor, 2 : 2 beim letzten, Meisterschaft ade. Wie viel Zeit kann ein Trainer heute einem jungen Spieler geben, wenn der jetzt Star genannt wird? "Das werde ich sehen, wie lange ich mir das leisten kann", sagt Felix Magath. "Im Moment kann ich es mir leisten."

Bernd Volland; Mitarbeit: Martin Kleinemas

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.