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Bundesliga im stern-Check: Mentalität? Qualität? Warum der BVB den Liga-Start verpatzt hat

Beim BVB schieben sie nach dem Unentschieden gegen Bremen richtig Frust. Die Kritik an Mannschaft und Trainer wird schärfer. Die Bayern übernehmen unterdessen die Tabellenführung und feiern das Genie Philippe Coutinho.

Ein Bild, dass alles über den BVB sagt: Nach dem verschenkten Sieg gegen Bremen hält sich Marco Reus die Hand vor das Gesicht

Ein Bild, das alles über den BVB sagt: Nach dem verschenkten Sieg gegen Bremen hält sich Marco Reus die Hand vor das Gesicht, während Roman Bürki und Axel Witsel im Hintergrund Problemanalyse betreiben

Getty Images

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 6. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

"Wir spielen nicht wie Männer, hab' ich gerade das Gefühl", sagte Roman Bürki beim TV-Sender "Sky" nach dem 2:2 gegen Werder Bremen. Der Fußball der Dortmunder sei zwar "schön anzuschauen, aber der Killerinstinkt vorne fehlt", kritisierte der BVB-Keeper seine Mitspieler. Eines macht die Aussage deutlich: Die Stimmung bei den Dortmundern ist angespannt. Gibt es vielleicht doch ein Problem mit der viel diskutierten Mentalität? Spielen beim BVB tatsächlich keine echten Männer? Oder hapert es mit der Qualität? Bedingt das eine das andere? In Dortmund türmen sich die Fragen. 

Es wird zum Beispiel darüber gerätselt, warum es in Spielen wie gegen Bremen nicht klappt, einen 2:1-Vorsprung vor heimischen Publikum über die Runden zu bringen. Nach sechs Spieltagen liegt der BVB nur auf dem 8. Platz. Der Rückstand auf Tabellenführer Bayern beträgt zwar nur drei Punkte, aber die Art und Weise, wie der BVB Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner herschenkt, bereitet den Verantwortlichen Kopfschmerzen und ruft die Kritiker des selbsternannten Titel-Favoriten auf den Plan. Ein Vorwurf lautet: Borussia Dortmund hat nichts aus der vergangenen Saison gelernt, in der sie in der Rückrunde eingebrochen sind. Sie können keinen Vorsprung wie jetzt gegen Bremen über die Zeit bringen. Sie zeigen eklatante Schwächen bei der Verteidigung von Standardsituationen. Es bleibt die Frage, ob das etwas mit Einstellung zu tun hat oder mit Konzentration. Logischerweise richtet sich so eine Diskussion irgendwann gegen den Trainer. Das ist zu diesem Zeitpunkt unsinnig. Aber der Druck auf die Männer in Schwarz-Gelb steigt auf jeden Fall – und auf Favre.

Dieses Tor sollten sie (nochmal) sehen

Philippe Coutinho sollte der Königstransfer der Bayern sein, und so langsam deutet sich an: Das ist er auch. Was der Brasilianer gegen Paderborn zauberte, war Weltklasse. Beispielhaft für seine technischen Fähigkeiten steht der Heber in den Strafraum der Paderborner, den Serge Gnabry erstklassig verwandelte. Aus dem Lauf einen Ball zu chippen und Gnabry direkt in den Füße zu spielen, war eine Augenweide. Wie Coutinho dieses Kunststück vollbracht hat, bleibt unergründlich. Es passierte einfach.

Gewinner des Spieltages

Platz vier nach sechs Spieltagen, vier Partien hintereinander gewonnen und den bisherigen Tabellenführer Leipzig auswärts mit einem 3:1-Sieg vom Thron gestoßen. Und das alles mit ansehnlichem Fußball. Auf Schalke drehen sie wegen des kleinen Höhenfluges durch, was angesichts der letzten, lausigen Saison kein Wunder ist. Der neue Trainer David Wagner hat die Königsblauen wachgeküsst. Wagner versucht, so gut es geht, die Euphorie zu dämpfen, aber selbstverständlich gelingt ihm das nicht.

Verlierer des Spieltages 

Beim 1. FC Köln hat nach der Aufstiegsparty der Bundesliga-Realitätsschock eingesetzt. Tiefpunkt war die 0:4-Heimklatsche gegen Hertha. Dass gegen Berlin eine rote Karte hinzukam und der FC ab der 41. Minute nur noch zu zehnt spielte, verstärkt den Frust. Wie erwartet wird es eine harte Saison, aber drei verlorene Heimspiele sind ein Rückschlag, der nicht leicht zu verkraften ist.

Bild des Spieltages 

Franz Beckenbauer zeigte sich nach seiner schweren Erkrankung (ein Augeninfarkt) erstmals seit Monaten in der Öffentlichkeit. Der Kaiser war aber nicht bei einem Spiel des FC Bayern zu Gast, sondern traf sich mit Kumpel Dietmar Hopp zum Fußballgucken in Hoffenheim. Die Leistung der Hoffenheimer wird seinen Genesungsprozess nicht beschleunigt haben, die der Gladbacher schon eher. Nach dem 3:0-Sieg in Sinsheim mischen sie oben mit.

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