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Werder Bremen: Dicke Luft beim Meister

Nach der Winterpause wollte Meister Werder Bremen mit frischen Kräften nochmal richtig in den Meisterschaftskampf miteingreifen. Vor dem Rückrundenstart herrscht allerdings jede Menge Unruhe an der Weser.

Die einstige Gelassenheit und beschauliche Ruhe an der Weser ist dahin. Der bisherige Vorzeige-Verein Werder Bremen, für seine Seriosität gerühmt, präsentiert sich derzeit wie ein Chaos-Klub. Mit prügelnden Spielern, einem meckernden Ersatz-Torwart und reichlich Gegentoren in der Vorbereitung sorgte der Fußball-Meister für ungewohnte Schlagzeilen. Vor dem Rückrunden-Auftakt bei Schalke 04 haben die Verantwortlichen Mühe, den Fokus wieder auf Fußball zu lenken.

"Das ist abgehakt. Wir haben eine lockere Stimmung, und es ist nicht so, dass wir geduckt durch die Kabinen laufen", sagte Trainer Thomas Schaaf nach dem Training. Eine Extra-Ansprache an die "Streithähne" Johan Micoud und Fabian Ernst, die wohl beide in Gelsenkirchen zur Startelf gehören, sah er nicht als notwendig an.

Erfolg verändert

Doch die höhere Belastung, der steigende Druck und die gewachsenen Erwartungen sind an den Bremern nicht spurlos vorbei gegangen. Nach einer Saison wie im Rausch, als alles zu klappen schien und die Meisterschaft und der Pokalsieg gefeiert werden duften, fiel die Umgewöhnung nicht leicht. Selbst der Cheftrainer machte da in den vergangenen Monaten keine Ausnahme.

Thomas Schaaf, ein sonst so besonnener und ausgeglichener Mensch, verlor während der Hinrunde ein paar Mal die Nerven, vor allem Anfang November beim Spiel in Berlin. Dazu kam die ungewohnte Mäkelei über die angeblich unzureichenden Einsatzzeiten der Bremer Spieler in der Nationalmannschaft. Das kannte man bis dahin nicht von Werder.

Sportlich bekamen die Bremer kurz vor dem Ende der Hinrunde die Kurve, begeisterten besonders beim 2:0-Sieg in Valencia, der den Einzug ins Achtelfinale der Champions League sicherte. Und mit dem Transfer des notorisch quengelnden Angelos Charisteas zu Ajax Amsterdam schien der einzige Problemfall erledigt, ehe Johan Micouds Kopfstoß gegen Nationalspieler Fabian Ernst den ganzen Verein erschütterte.

Ersatz-Torhüter meldet Ansprüche an

Die Vertuschungs- und Beschwichtigungsversuche scheiterten, der Vorfall wurde öffentlich, die Affäre entwickelte ihre Eigendynamik. "Es ist klar, dass so etwas Nachwirkungen hat", kommentierte Manager Klaus Allofs und versuchte, weiter Gelassenheit zu demonstrieren.

Angesichts des Ärgers über Kopfstoß, Faustschläge und die folgenden Beschuldigungen ging fast unter, dass nebenbei noch Ersatztorwart Pascal Borel öffentlich moserte. Der ehemalige Stammkeeper klagte über die Behandlung im Klub. "Ich habe es satt, immer nur als Vollblinder abgestempelt zu werden", sagte er und machte sich Hoffnungen auf einen Stammplatz. Schaaf konterte: "Pascal muss zusehen, dass im Tor ein ordentlicher Konkurrenzkampf herrscht. Was er zeigt, reicht noch nicht aus, damit sind wir im Moment nicht zufrieden."

Michael Rossmann/DPA / DPA

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