Wettskandal Gekauft, verurteilt und verfilmt


Das DFB-Sportgericht hat Thijs Waterink als ersten Spieler im Manipulations-Skandal rechtskräftig verurteilt. Auch die Filmindustrie hat die Spielsünder jetzt für sich entdeckt.

Der Wettskandal im deutschen Fußball hat jetzt erstmals auch für einen Spieler Konsequenzen: Das Sportgericht des DFBs sperrte Thijs Waterink vom Regionalligisten SC Paderborn bis einschließlich 31. Juli dieses Jahres. Der von seinem Verein bereits vom Spielbetrieb freigestellte 36-jährige Niederländer Waterink wurde eines unsportlichen Verhaltens in Tateinheit mit passiver Bestechung für schuldig befunden, wie der DFB am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Unterdessen kündigte die Kölner Produktionsfirma Lucas Entertainment eine Verfilmung des Wettskandals an.

Das Urteil ist rechtskräftig. Waterink hatte laut DFB vor dem Erstrunden-Pokalspiel des SC Paderborn gegen den Hamburger SV am 21. August vergangenen Jahres 10.000 Euro von einem „ihm unbekannten, südländisch anmutenden Mitbürger“ mit dem Hinweis erhalten, dass er das Geld im Falle eines Paderborner Sieges behalten könne.

500 Euro pro Mann

Nach dem Erfolg gegen den Bundesligisten war das Geld unter den SC-Spielern verteilt worden, 500 Euro pro Mann. Dies hatte der SC Paderborn bereits Ende Januar 2005 bestätigt. Die Partie endete am 21. August 2004 mit einem sensationellen 4:2-Sieg des SC Paderborn. Geleitet wurde das Spiel von Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer, der inzwischen gestanden hat, das Pokalmatch zu Gunsten des Regionalligisten manipuliert zu haben.

Hoyzer sprach den Paderbornern unter anderem zwei fragwürdige Elfmeter zu und stellte den Hamburger Spieler Emile Mpenza vom Platz. Dem Hamburger SV wurde für die Niederlage inzwischen ein finanzieller Ausgleich in einer Gesamthöhe von zwei Millionen Euro zugesprochen. Außerdem wurde die Rot-Sperre für Mpenza aufgehoben.

Das Drehbuch ist fertig

Für die Verfilmung des Wettskandal hat sich die Kölner Produktionsfirma bereits Titel wie "Das gekaufte Spiel", "Verwettet" oder "Tabellendealer" schützen lassen, wie der Besitzer der Firma, Lutz Schebesta, sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Der Spielfilm solle noch vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Fernsehen oder Kino laufen. Das Drehbuch sei bereits fertig, mit den Dreharbeiten werde voraussichtlich in knapp zehn Wochen begonnen.

Schebesta betonte, die Persönlichkeitsrechte Hoyzers würden mit dem Film nicht verletzt. Hauptperson ist nach Angaben des Drehbuchautors ein aufstrebender junger Schiedsrichter, der sich in Wett-Manipulationen verstrickt. Er habe für den Film auch in der Wettbranche sorgfältig recherchiert, sagte Schebesta. Kurz vor der WM im eigenen Land handele es sich um ein Thema, das die Menschen in Deutschland auf jeden Fall interessiere: „Das war der Anlass für mich, das Buch zu schreiben.“

Unterdessen setzte der DFB das ebenfalls von Hoyzer manipulierte Zweitliga-Spiel zwischen LR Ahlen und Wacker Burghausen neu an: Die Partei vom 9. Spieltag, die am 22. Oktober 2004 mit einem 1:0-Sieg für Ahlen geendet hatte, wird jetzt am 27. April um 18.15 Uhr neu ausgespielt.

Die Affäre um manipulierte Spiele und den Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer ist für den deutschen Fußball der größte Skandal seit mehr als 30 Jahren. Der Manipulationsverdacht gegen Hoyzer war im Januar bekannt geworden. Der Schiedsrichter, der zwei Wochen in Untersuchungshaft verbrachte und inzwischen aber wieder auf freiem Fuß ist, hat gestanden, mehrere Spiele manipuliert zu haben.

AP AP

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