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Wettskandal: Hoyzer muss ins Gefängnis

Überraschendes Ende im Manipulations-Prozess: Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer muss in Haft. Sein Verteidiger legte allerdings umgehend Revision gegen das harte Urteil ein.

Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer muss nun doch ins Gefängnis. Das Berliner Landgericht verurteilte Hoyzer im Fußball-Betrugsprozess zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Sein Anwalt Thomas Hermes kündigte umgehend Revision an, nachdem die 12. Strafkammer über dem Antrag der Staatsanwaltschaft geblieben war. Hoyzers früherer Kollege Dominik Marks erhielt ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Der mutmaßliche Drahtzieher Ante Sapina wurde zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Sein Brüder Milan und Filip erhielten Bewährungsstrafen: Milan ein Jahr und vier Monate, Filip ein Jahr.

Der Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte den deutschen Fußball in seine größte Krise seit 34 Jahren gestürzt. Mehrere Spiele soll der geständige Referee manipuliert haben - im Hintergrund zog die kroatische Mafia die Fäden. Hoyzer hatte gestanden, für die Manipulationen zwischen April und Dezember 2004 68.000 Euro und einen Plasmafernseher erhalten zu haben. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat ihn bereits auf Lebenszeit gesperrt. Marks hatte zwar eingeräumt, von Ante S. insgesamt 36.000 Euro erhalten zu haben, die Manipulation von Spielen aber bestritten.

Prozess gegen Marks wird fortgesetzt

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den geständigen Hoyzer zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragt, Marks sollte dagegen zwei Jahre ohne Bewährung erhalten. Für Ante Sapina, der seit Ende Januar in Untersuchungshaft saß, hatten die Anklagevertreter zwei Jahre und elf Monate Gefängnis gefordert. Milan Sapina sollte zu 14 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt werden, Filip Sapina zu einem Jahr Haft auf Bewährung.

Der Präsident des DFB, Theo Zwanziger, hat das Urteil gegen Robert Hoyzer im Prozess um manipulierte Fußballspiele unterdessen als "nachvollziehbar" bezeichnet. Zwar habe Hoyzer ein Geständnis abgelegt und bei der Aufklärung mitgewirkt, aber es bleibe schließlich "das große Unrecht eines kriminellen Delikts", sagte Zwanziger am Donnerstag in Frankfurt am Main. Diese Dinge dürften nicht bagatellisiert werden.

Keine negativen Folgen für die WM

Einen dauerhaften Schaden für Deutschland als Fußballnation sieht Zwanziger nicht. Die Öffentlichkeit habe während des Prozesses gespürt, dass der Verband gewillt sei, solche Manipulationen aufzuklären, sagte er. Die Briefe, die er vom FIFA-Präsidenten erhalten habe, deuteten darauf hin, dass auch international das Vertrauen wiederhergestellt sei. "Das Ansehen ist wieder auf den Rasen zurückgekehrt", sagte der DFB-Präsident. Mit Blick auf die in Deutschland stattfindende Weltmeisterschaft im nächsten Jahr sei daher "nichts Negatives zu befürchten", fügte er hinzu.

Fortgesetzt wird der Betrugsprozess ab dem kommenden Dienstag mit einer wöchentlich Verhandlung gegen Ex-Fußball-Profi Steffen Karl, der alle Manipulations-Vorwürfe abgestritten hatte.

DPA / DPA

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