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Ladys Querpass: Stramme Waden, knackige Hinterteile

Fußball gucken macht Spaß. Zwar verstehe ich die Regeln immer noch nicht richtig - aber zum Glück gibt es da ja noch viele andere Aspekte.

Von Tina Gallach

Das erste WM-Wochenende ist geschafft, Andi und ich haben kein Spiel verpasst. Um mich bei Laune zu halten hat, er mir sogar den Fernseher auf den Balkon gestellt. Ich habe jetzt quasi 48 Stunden Sonnenliege im Bikini mit Fußball gucken und Cocktails-schlürfen hinter mir. Habe mich gefühlt wie eine Fußballgöttin. Dieses Gefühl hätte nur noch dadurch getoppt werden können, dass der Fernseher explodiert und mit einem lauten Knall die vielen, vielen attraktiven Fußballspieler auf meinem Balkon erschienen wären, die am Wochenende über den Rasen der deutschen Stadien gewetzt sind.

Überraschung im Land der Billy-Regale

Meine Güte, sahen die gut aus. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hin gucken sollte: Po, Beine, Haare, Augen? Abwehr, Mittelfeld, Torwart? 90 Minuten lang und immer hin und her. Mir war am Sonntagabend ganz schwindelig. Hätte gerne mal auf die Stopptaste gedrückt und rangezoomt. Das nächste Wochenende werde ich auf jeden Fall im Kreis meiner Freundinnen verbringen – Andi waren leider nicht all zu viele Kommentare über stramme Waden und knackige Hinterteile zu entlocken. Aber jetzt mal im Ernst: Ich hatte wirklich keine Ahnung, was für erotische Spezialitäten sich in Paragauy oder in Ecuador verstecken. Dunkelhäutig und glutäugig – wie für mich gemacht. Auch die Schweden gaben einiges her. Hellhäutig, blond, zart – finde ich ja auch nicht schlecht. Viel mehr, als man in dem Land der Billy-Regale vermuten würde. Sind nur leider alle etwas zu jung.

Vokabeln-lernen nach Intensivinterviews

Ich bin beim Fußballgucken gedanklich manchmal regelrecht abgeschweift, habe kurzzeitig sogar darüber nachgedacht, Sportreporterin zu werden. Ich würde dann bei der nächsten WM gerne Intensivinterviews führen. Danach hätte ich vielleicht auch mehr Ahnung vom eigentlichen Spielverlauf. Obwohl ich mich ja schon seit Wochen bemühe, das alles zu verstehen, und seit Wochen jedes Spiel, das Andi und ich gucken, großkotzig kommentiere, weiß ich mit 100-prozentiger Sicherheit nur, dass ein Spiel im Prinzip 90 Minuten dauert und dass 22 Mann über den Rasen hechten und versuchen, den Ball ins Tor zu bugsieren. Alles andere ist für mich Improvisation. Da hilft bisher noch nicht einmal, dass ich eine Fußball-Vokabel-Liste über das Bett gehängt habe, die Andi jetzt jeden Abend mit mir abarbeitet: First Touch, Schenkelanzieher, Steiler Spannstoß, Kurzer Eckstoß, Rückzieher, Hüftdrehstoß und zum Schluss noch die Maradona-Drehung.

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