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"Goldener Ball": Zidane - bester Spieler der WM

Trotz seines Kopfstoßes gegen einen italienischen Spieler hat die Fifa Zinedine Zidane als besten Spieler der WM ausgezeichnet. Frankreichs Medien zeigen sich nach "Zizous" Tätlichkeit fassungslos.

Frankreichs Kapitän Zinédine Zidane ist trotz seiner Tätlichkeit und der fälligen Roten Karte im Endspiel gegen Italien zum besten Spieler der WM gekürt worden. Der 34-Jährige bekam in der vom Fußball-Weltverband Fifa organisierten Wahl unter Journalisten 2012 Stimmen. Auf Rang zwei landete Italiens Abwehrchef und Kapitän Fabio Cannavaro (1977 Stimmen), der als Favorit auf die Auszeichnung mit dem Goldenen Ball gegolten hatte. Dritter wurde bereits mit deutlichem Rückstand der von der Fifa-Experten-Kommission zum besten Spieler des Finales gewählte Italiener Andrea Pirlo (715).

Zidane tritt damit die Nachfolge von Oliver Kahn an, der vor vier Jahren bei der WM-Endrunde in Südkorea und Japan zum besten Spieler des Turniers gewählt worden war. Auch damals war die Auszeichnung umstritten, da Kahn im Finale patzte und dennoch vor dem zweifachen Endspiel-Torschützen Ronaldo landete. 2002 waren die Wahlurnen aber schon vor dem Finale geschlossen worden, so dass der Fehler des deutschen Keepers unberücksichtigt blieb. Diesmal war die Stimmabgabe bis um Mitternacht des Finaltages möglich. Knapp zwei Stunden zuvor hatte Zidane nach Kopfstoß gegen Marco Materazzi "Rot" gesehen.

Buffon bester Torwart

Zidane reiht sich als bester WM-Akteur in eine Liste prominenter Namen ein. Vor Kahn hatten die Brasilianer Ronaldo (1998) und Romario (1994) sowie Italiens Salvatore Schillaci (1990) und Argentiniens Superstar Diego Armando Maradona (1986) den Goldenen Ball erhalten.

Den Goldenen Schuh als bester Torschütze der WM 2006 sicherte sich mit fünf Treffern Stürmer Miroslav Klose von Werder Bremen. Als bester Torhüter wurde Italiens Schlussmann Gianluigi Buffon mit der "Lew-Jaschin-Auszeichnung" der Fifa bedacht. Auch diese Ehrung war vor vier Jahren Oliver Kahn zuteil geworden.

"Blaue Engel hat sich in einen Teufel verwandelt"

Französische Medien haben am Tag nach der Niederlage der "Equipe Tricolore" im WM-Endspiel gegen Italien mit Fassungslosigkeit auf die Tätlichkeit von Zinedine Zidane reagiert. "Wie konnte das einem Mann wie Dir nur passieren?" fragte etwa die größte Sport-Zeitung "L'Equipe" am Montag. Gleichwohl gab es auch ein "Danke!" an die Mannschaft, die mit dem Einzug ins Finale viele Kritiker und Experten positiv überrascht hat.

"Der blaue Engel hat sich in einen Teufel verwandelt", schrieb die Tageszeitung "Le Parisien" über den Kopfstoß von Zidane gegen den Italiener Marco Materazzi in der Verlängerung des Endspiels, das die Franzosen schließlich im Elfmeterschießen verloren.

"Vielen Dank Zizou"

"L'Equipe nannte Zidanes Übergriff "töricht". Das Vorgehen sei auch nur schwer zu verzeihen. "Zinedine, Du weißt, dass Schwierigste ist jetzt nicht, zu erklären, warum die Mannschaft, Deine Mannschaft, das Finale verloren hat. Sondern den Millionen Menschen in aller Welt zu erklären, wie Du Dich so gehen lassen konntest bei Deinem Kopfstoß gegen Marco Materazzi zehn Minuten vor Ende der Verlängerung", hieß es. "Was sollen wir unseren Kindern erzählen und allen denen, für die Du für immer zu einem Vorbild geworden bist?"

Zidanes Mannschaftskamerad Thierry Henry warb gleichwohl dafür, daran zu denken, was Zidane für den französischen Fußball getan habe. "Alles, was ich 'Zizou' gerne sagen möchte - und was ihm Frankreich und die Fußball-Welt auch sagen sollte - ist: 'Vielen Dank'."

Auch Mitspieler Willy Sagnol erklärte, Zidane sollte gedankt werden. Wäre er nicht in das Trikot der Nationalmannschaft zurückgekehrt, hätte Frankreich das Endspiel nicht erreicht, sagte der Abwehr-Spieler.

Italien hatte sich am Sonntagabend in Berlin zum vierten Mal nach 1934, 1938 und 1982 den Titel gesichert. Für Zidane endet seine Karriere bitter, da das WM-Finale sein letztes Spiel als Profi sein sollte. Er hatte bereits vor dem Turnier erklärt, nach der WM seine Laufbahn zu beenden.

DPA/Reuters / DPA / Reuters

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