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Zinedine Zidane: Der rettende "Rentner"

Er war schon fast abgeschrieben, da schoss er sich mit einem Tor gegen Spanien auf die Bühne des Weltfußballs zurück: Zinedine Zidane, Frankreichs Kapitän kurz vor der Rente, freut sich nach dem Einzug ins Viertelfinale auf Brasilien.

Frankreichs alternde Fußball-Helden träumen von einem "Déjá-vu"-Erlebnis wie anno 1998 und die "Grande Nation" liegt nach dem 3:1 (1:1)-Achtelfinalsieg über Spanien im kollektiven Freudentaumel. Tausende feierten in der Nacht auf der Pariser Prachtallee Champs-Élysées mit Sprechchören "Allez les Bleus" und "Allez Zizou" den Einzug der Zidane & Co ins Viertelfinale. Sie fiebern mit der "Équipe tricolore" bereits dem Klassiker gegen Titelverteidiger Brasilien am Samstag in Frankfurt entgegen. Staatspräsident Jacques Chirac war der erste Gratulant: "Frankreich kann stolz sein auf diesen wunderbaren Erfolg."

Die französischen Gazetten überschlugen sich am Mittwoch in ihren begeisterten Lobeshymnen. "Das Glück! Fantastisch wie in besten Zeiten", titelte "L'Équipe" und "Le Parisien" schrieb: "Riesig! Die Blauen sind wieder da. Wie während der WM 1998 hat sich Frankreich für das Viertelfinale qualifiziert, diesmal weniger mit Glanz als mit taktischem Geschick. Mit einer Portion Häme kommentierte das Blatt "Metro" "Muchas gracias, les Bleus" (vielen Dank, ihr Blauen). Man hatte sie schon zu früh beerdigt. Sie sind auferstanden, um der Schnuller-Klasse von Torres, Xavi und Villa im Spiel um alles oder nichts eine Lektion zu erteilen."

"Das Abenteuer geht weiter"

Gemünzt war diese Stichelei auf die vollmundige spanische Ankündigung, Frankreichs Altstars in den vorzeitigen Ruhestand zu versetzen. Nichts da! Der spanische Plan, den Vorhang für den von der Weltbühne abtretenden 34-jährigen Ex-Star von Real Madrid, Zinédine Zidane, in der WM-Arena von Hannover vorzeitig fallen zu sehen, ging nicht auf. Frankfurt kann sich freuen: Die Abschiedstournee des charismatischen dreimaligen Weltfußballers geht bei dieser WM weiter.

Der "Rentner" kam als Retter. Der im letzten Vorrundenspiel gegen Togo gelbgesperrte Kapitän ging wieder an Bord und führte das ins Schlingern geratene Schiff wieder auf WM-Titelkurs. "Das Abenteuer geht weiter. Dieses Spiel soll nicht das letzte gewesen sein. Wir wollen Großes ausrichten und zeigen, dass in unserer Mannschaft mehr steckt, als sie in der Vorrunde gezeigt hat", meinte "Zizou", dessen strahlendes Lächeln auf seine zuletzt etwas verhärmten Gesichtszüge zurückgekehrt war.

Zidane freut sich auf Brasilien

"Er hat's allen Kritikern, die ihn abgeschrieben haben, gezeigt. Er ist wieder da und hat die Mannschaft auf ein höheres Niveau geführt. Das war Frankreichs bestes Spiel seit sechs Jahren", urteilte die Trainer-Legende Guy Roux. "Voller Solidarität und Intelligenz", meinte "L'Équipe". Die Leichtigkeit seines Wirkens ist zwar ein bisschen abhanden gekommen, doch war "ZZ" bei den spielentscheidenden Szenen präsent. Sein Freistoß führte zum 2:1 durch Patrick Vieira (83.), sein Flachschuss in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum dramaturgischen Schlusseffekt. Da war sie wieder, die in Hannovers Nachthimmel gereckte Faust und die anschließende innige Umarmung mit den überglücklichen Kollegen, die ihren Kapitän vor überschäumender Freude schier erdrückten.

Auch wenn sein ausgeguckter Nachfolger Franck Ribéry, der den Ausgleich erzielte (41.), und der zum zweiten Mal zum "Mann des Matches" gewählte Vieira auffälliger spielten - Zidane ist das Pfund, mit dem Trainer Raymond Domenech ("Wir sind noch nicht am Ende und wollen ins Finale") auch gegen Brasilien wuchern kann. Zidane, dem im 105. Länderspiel sein 29. Tor gelang, freut sich auf das Treffen mit dem fünfmaligen Champion. "An Brasilien habe ich eine sehr schöne Erinnerung", grinste Zidane, auf den magischsten Moment seiner Karriere anspielend: Am 12. Juli 1998 erzielte er zwei Kopfballtore beim 3:0-Finalsieg im "Stade de France".

Reinhard Schwarz/DPA / DPA

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