Vuvu-Tela - Die WM im TV Der lange Weg zum Anpfiff


Bezahlen für Qualen: Beim Pay-TV-Sender Sky gibt es zwar rund um die Uhr Fußball, jedoch ist die Berichterstattung sehr durchwachsen. Es empfiehlt sich spätes Einschalten.
Von Daniel Barthold

Der Bezahlsender Sky, früher Premiere, bietet dem Fußballfan das volle WM-Programm. Alle Spiele live, detaillierte Berichterstattung und Wiederholungen rund um die Uhr - zusätzlich noch die Diskussionsrunde "Sky 90". 24 Stunden WM im Fernsehen. Schöner könnte es für den Fan nicht sein. Schlimmer allerdings auch nicht. Denn die Berichterstattung gerät viel zu oft zu einer Farce.

Problem Nummer eins: Sky beginnt bereits eineinhalb Stunden vor Beginn der ersten Partie mit der Live-Sendung. Zuvor kann man "Alle Spiele, alle Tore" sehen, doch ab 12 Uhr in der Vorrunde und 14.30 Uhr in den K.o.-Spielen ist der Pay-TV-Kanal mit seinem Live-Programm am Start. Viel zu früh! Denn größtenteils wissen die Moderatoren, angeführt von Laberfürstin Jessica Kastrop, nicht wirklich viel mit ihrer Zeit anzufangen. Da helfen auch Sky-Experten wie Stefan Effenberg oder Jens Lehmann nichts. Was will man auch großartig diskutieren, wenn man 90 Minuten vor Beginn des Spiels Slowenien gegen Algerien auf Sendung geht? Und soviel gibt es auch aus dem deutschen Lager nicht zu berichten. Man wünscht sich die Zeiten zurück, als 15 Minuten vor Anpfiff die Übertragung begann und einfach die Mannschaftsaufstellungen durchgegeben wurden. Das reicht völlig aus.

Männer vom alten Schlag

Problem Nummer zwei: Die Berichterstattung vor Ort in Südafrika und auf den Fanfesten in Deutschland. Themen werden so breit geklopft, dass man schon gar keine Lust mehr auf die Spiele hat. Beispiel: Deutschland gegen England. Da freut man sich auf den europäischen Fußballklassiker schlechthin, und Moderator Sebastian Hellmann und Komentatoren-Kollege Marcel Reif interpretieren jede noch so kleine Aussage der Spieler und Trainer in den Pressekonferenzen. Das Thema Elfmeterschießen hing einem spätestens einen Tag vor dem Spiel zum Halse raus. In England muss man noch genervter gewesen sein. Wenn Rolf Fuhrmann dann noch von Nichtigkeiten beim Public Viewing berichtet, ist das Desaster perfekt.

So sollte Sky, wie die englische Nationalmannschaft, dringend einen Verjüngungsprozess durchführen. Marcel Reif, "Rollo" Fuhrmann, Fritz von Thurn und Taxis und Franz Beckenbauer - als sogenannter Experte - sind schon längst über ihren Zenit hinaus. Kommentator Marcel Reif hat bereits eine große Gemeinde an Gegnern vorzuweisen. Diese fordert ein "Kommentarverbot" für Reif, der binnen Sekunden seine Einschätzungen um 180 Grad dreht. Anderen Kommentatoren wie Kai Dittmann oder Michael Born kann man keinen Vorwurf machen - solide Leistung und mit Enthusiasmus bei der Sache.

Moderatoren vs. Experten

Positiv ist auch, dass Sky für jedes Spiel neue Experten einsetzt. Das sorgt zumindest für ein wenig Abwechslung. In der Regel präsentieren sie sich aus dem Münchener Studio. Nur in seltenen Fällen sind Jens Lehmann, Franz Beckenbauer oder Stefan Effenberg direkt in Südafrika. Die Moderatoren Dieter Nickles und Jessica Kastrop sorgen dabei regelmäßig für unangenehme Situationen. Dumme Kommentare führen dazu, dass sich die Experten Andreas Brehme, Felix Magath, Jens Lehmann oder Franz Beckenbauer etwas Fehl am Platz fühlen. Sprüche wie "Herzlichen Glückwunsch, Herr Beckenbauer, Sie haben es geschafft in einem Satz mal nicht England zu erwähnen", den Dieter Nickles vor dem Deutschland-Spiel gegen Ghana an den "Kaiser" adressierte, kommen sehr eigenartig rüber. Wobei Beckenbauer in Sachen unnötige Kommentare Nickles in nichts nachsteht.

Unterm Strich also sehr viel Leiden, für das man auch noch bezahlen muss. Sicherlich ist die Konferenzschaltung mit Livebildern von parallel laufenden Spielen interessant, doch hätte Sky nicht ein großes Sportangebot, würde sich ein Abonnement nur für die WM nicht lohnen. Hilft nur, erst fünf Minuten vor Anpfiff einzuschalten.

P.S.: Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.


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