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WM 2010: Halbfinale Deutschland - Spanien Zehn Fragen, die die Fans bewegen


Wer ersetzt Thomas Müller im WM-Halbfinale gegen Spanien? Welche Frauen sind im Stadion? Und trägt Joachim Löw seinen blauen Glückspulli? Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen.
Von Klaus Bellstedt, Durban

Spiel Nummer 21 gegen Spanien, das elfte Halbfinale bei einer Weltmeisterschaft und die deutsche Torhoffnung Thomas Müller ist wegen zwei gelben Karten gesperrt. Vor dem WM-Halbfinale der deutschen Mannschaft gegen Spanien gibt es noch ungeklärte Fragen. Und auch im Team der Spanier sind noch Personalien offen.

Wer ersetzt den gesperrten Thomas Müller im deutschen Spiel?

Vermutlich Piotr Trochowski. Der Hamburger wurde in Südafrika bereits drei Mal für Müller eingewechselt - und immer nahm er auf der rechten Seite auch exakt dessen Position ein. Löw ist ein Fan von Trochowski. Der Bundestrainer zog ihn beim letzten WM-Vorbereitungsspiel gegen Bosnien sogar Müller vor. Er schätzt "Trotchtes" Flexibilität und seinen beidfüssigen Abschluss. Toni Kroos sieht sich eher gefordert, sollte Sami Khedira der Oberschenkel weiterhin zwicken, wovon der Trainer nicht ausgeht. Der wieder genesene Cacau besitzt wegen seiner längeren Verletzungspause ebenfalls nur Außenseiterchancen auf einen Platz in der Startelf.

Hält Spaniens Caoch Vicente del Bosque am bislang formschwachen und noch torlosen Angreifer Fernando Torres fest, der im EM-Finale 2008 das Siegtor für Spanien schoss?

Del Bosque lässt Torres womöglich bis kurz vor Anpfiff zappeln. Er erklärte Anfang der Woche sogar öffentlich, dass der Topstar von 2008 "nicht sicher" in der Startformation stehen werde. Auf der anderen Seite brach del Bosque aber gleich wieder eine Lanze für Torres. "Mit seinem Einsatz und seiner Persönlichkeit ist Fernando sehr wichtig für unsere Mannschaft", betonte der 59-Jährige. "Wir haben volles Vertrauen in ihn." Ähnliche Worte hatte Bundestrainer Joachim Löw vor dem Turnier seinem damaligen Sorgenkind Miroslav Klose gewidmet - das positive Ergebnis ist bekannt. Tendenz: Torres spielt. Und wenn doch nicht, dann heißt Cesc Fabregas die Alternative. Villa würde dann nicht von links kommen, sondern im Zentrum spielen.

Worin unterscheiden sich die beiden Spielsysteme?

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Spielsysteme der Kontrahenten im WM-Halbfinale von Durban kaum. Deutschland vertraut wie Spanien auf eine Viererkette, zwei eher defensive und zwei offensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler sowie eine einzige echte Spitze - im modernen Fußballdeutsch ebenso lautmalerisch wie unschön "Stoßstürmer" genannt. Der Unterschied liegt im Detail: Während Miroslav Klose im DFB-Team tatsächlich ein Einzelkämpfer mit abwechselnder Unterstützung durch die Mittelfeldspieler ist, darf sein Pendant Fernando Torres vor dem gegnerischen Kasten de facto auf die fast permanente Gesellschaft von David Villa bauen. Mesut Özil zieht für das Team von Bundestrainer Joachim Löw in der Regel zentral hinter Klose die Fäden - Villa kommt fast immer über die linke Seite und stürmt dann mit Macht vors Tor. Er ist somit die zweite Spitze Vicente del Bosques, benötigt aber mehr Anlauf als der vor dem Gehäuse lauernde Torres.

Auch in den hinteren Bereichen gibt es deutliche Unterschiede. Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira agieren beinahe auf einer Linie, wechseln sich bei ihren Vorstößen ab. Xabi Alonso dagegen ist zwar etwas mehr nach hinten orientiert als seine Mitstreiter Xavi und Andrés Iniesta, überlässt aber Sergio Busquets üblicherweise die rustikalen Aufgaben im defensiven Mittelfeld. Am klarsten werden die Unterschiede auf der rechten Seite der Viererkette. Philipp Lahm zieht es zwar immer wieder mit nach vorn, aber mit dem Stürmerblut seines spanischen Kollegen Sergio Ramos kann der deutsche Kapitän nicht konkurrieren: Der Madrilene ist Spaniens verkappter Rechtsaußen.

Wird Löw wieder seinen eleganten, blauen Glückspulli tragen?

Wenn der Bundestrainer hält, was er angedeutet hat, wird man ihn beim Spiel in Durban wieder mit seinem blauen Pulli sehen. Er sei zwar nicht vom Aberglauben getrieben, versichert er, doch er gesteht in Anspielung auf die Begegnungen mit Australien (4:0), England (4:1) und Argentinien (4:0): "Der blaue Pullover hat uns bislang immer vier Tore beschert." Sein Assistent Hansi Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke und Teammanager Oliver Bierhoff würden ihn fast schon dazu zwingen, ihn wieder zu tragen: "Ich darf ihn ja nicht mal mehr waschen. Ich denke, dass wir es wieder so machen."

Und was ist mit Manuel Neuers kanariengelben Torwart-Trikot?

DFB-Sprecher Harald Stenger bestätigte, dass die Nationalmannschaft gegen Spanien als "Heimteam" in den schwarz-weißen Trikots auflaufen wird. Also wird Neuer, wohl oder übel, auch wieder das "BVB-Shirt" tragen müssen, in dem er sich nach eigenen Aussagen "nicht so wohl" gefühlt hat. Pech gehabt: Welches Torwart-Trikot getragen wird, entscheidet die Fifa.

Wer ist der Schiedsrichter?

Großer Mann, große Ehre, Viktor Kassai ist Tourismus-Experte und liebt Reisen - aber Urlaub macht er in Südafrika bestimmt nicht. Der 1,90 m große Ungar aus Tatabanya hat bei dieser WM schon drei Spiele gepfiffen, dreimal hinterließ er mit klaren Entscheidungen, bester Übersicht und unaufgeregter Gestik einen hervorragenden Eindruck. Das deutsche Team, kennt den Ungarn auch schon. Am 10. September 2008 leitete der Referee in der WM-Qualifikation in Helsinki das Duell gegen Finnland, Endstand 3:3. Was die Spieler am Mittwoch freuen wird: Kassai lässt die Karten lieber in seiner Brusttasche stecken. Bei seinen drei WM-Spielen zeigte er erst neun gelbe Karten, keine rote Karte.

Wie wird das Wetter in Durban?

Am Indischen Ozean merkt man nichts vom südafrikanischen Winter. Dienstag stieg die Temperatur mittags auf über 25 Grad. Für Mittwoch ist eine leichte Abkühlung vorhergesagt. Es soll dann tagsüber nur noch 21 Grad warm sein, zum Anpfiff um 20.30 Uhr sind aber immer noch angenehme Temperaturen von 14 Grad angesagt. Die Luftfeuchte ist in Durban zurzeit allerdings sehr hoch.

Was passiert, wenn Deutschland gegen Spanien ausscheidet? Feiert das Team dann trotzdem nach der Rückkehr Anfang der Woche mit den Fans?

Nein! Eine gemeinsame Party der Fußball-Nationalelf mit den deutschen Fans wird es nur bei einem Halbfinal-Sieg gegen Spanien geben. Er gehe davon aus, dass es im Falle des kleinen Finals keinen Empfang geben werde. Das sagte Teammanager Oliver Bierhoff im DFB- Quartier in Südafrika. Falls in Durban der Einzug ins WM- Endspiel gelingt, soll entschieden werden, wo, wann und wie nach der Rückkehr in Deutschland gefeiert wird. Favorit ist Berlin, wo die größte Fanmeile des Landes bereit stehen würde.

Ist das "Moses-Mabhida-Stadium" ausverkauft?

Noch nicht! Kurzentschlossene Südafrika-Reisende, die schon vor Ort sind, können noch ein Ticket für das WM-Halbfinale der deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Spanien bekommen. Wie die Fifa am Dienstag mitteilte, sind noch 1600 Karten der teuren Kategorie 1 für das Duell in Durban erhältlich. Die Tickets sind unter anderem Rückläufer aus Kontingenten ausgeschiedener Verbände. Erworben werden können die Karten in den Filialen des Bank-Sponsors FNB oder über die Fifa-Homepage im Internet.

Welche wirklich wichtigen Frauen sind im Stadion, welche nicht?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach ihrem Viertelfinaltrip absagen müssen. Dafür ist die Ehefrau von Bundestrainer Joachim Löw, Daniela, aber erstmals im Stadion. Auch Sarah Brandner, die Freundin von Bastian Schweinsteiger, wird ihren Geliebten direkt vor Ort unterstützen. Aber die Schönste trägt immer noch die spanischen Farben: Sara Carbonera ist die Begleitung von Spaniens Torhüter Iker Casillas. Die schöne Journalistin arbeitet für den Fernsehsender Telecinco und ist immer ganz nah dran an ihrem Iker.

P.S.: Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.


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