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WM 2018: Beginn einer neuen Ära? Auch Frankreich ist wohl schon vom Weltmeister-Virus befallen

Es muss der Rausch des WM-Sieges sein. Wenn die Anspannung nachlässt, suggeriert das Triumphgefühl: Alles ist möglich! Das ist die Stunde des Weltmeister-Virus'. Auch die Franzosen hat es womöglich schon befallen.

Paul Pogba mit dem Weltmeister-Pokal

Paul Pogba nach der Siegerehrung mit dem WM-Pokal: Hat auch Frankreich schon das Weltmeister-Virus befallen?

Getty Images

Ist es das süße Gift des Erfolgs? Oder doch eher das fiese der Überheblichkeit? Irgendetwas befällt Fußball-Weltmeister in einer rauschhaften Finalnacht. Nach dem grandiosen Erfolg scheint alles möglich. Und nur der Himmel ist das Limit. Sind auch die neuen Titelträger, diese jungen Franzosen, nicht davor gefeit? Es gibt erste Anzeichen.

Der Klassiker, auch in dieser Hinsicht, ist Franz Beckenbauer. Nach dem Finalsieg 1990 war der Kaiser, sagen wir, erfüllt vom Selbstbewusstsein des Sieges und ließ sich während einer ohnehin beispiellosen Pressekonferenz auf die Frage eines Journalisten, ob Deutschland mit den nach der Wende hinzustoßenden Spitzenspielern aus der DDR noch stärker werden würde, zu seinem berühmten Satz hinreißen: "Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wir werden in den nächsten Jahren nicht zu besiegen sein." Tatsächlich aber begann das Jahrzehnt des Rumpelfußballs, in dem der EM-Titel 1996 eher ein Fremdkörper war.

"Ein gewisses Gefühl der Überheblichkeit"

Es muss ja an etwas liegen, dass es seit 1962 keinem Weltmeister, und ohnehin nur Zweien in 84 Jahren WM-Historie, gelungen ist, den Titel zu verteidigen. Vier der letzten fünf Titelträger schwächte das fiese Virus der Weltmeister gar derart, dass sie nicht über die Vorrunde hinauskamen. Dieses Gefühl, diese Gesänge "Die Nummer eins der Welt sind wir" setzt sich fest - und es macht sich eher später als früher bemerkbar. Dass sich "ein gewisses Gefühl der Überheblichkeit" bei den Deutschen breitgemacht hatte, realisierte Nationalcoach Jogi Löw erst nach dem 0:1 gegen Mexiko.

Und nun die Franzosen? Haben Sie das Virus etwa schon?  Presse jubelt jedenfalls voller Vorfreude: "Er (Kylian Mbappé) ist in der Lage, euch 2022, 2026 oder 2030 einen dritten Stern nach Hause zu bringen." Nach dem Abpfiff lief Mittelfeldstar Paul Pogba geradezu entrückt mit dem Goldpokal über den Platz. Und Mbappé selbst, mit 19 einer der jüngsten Weltmeister der Geschichte, sagte leichthin in die Mikrofone: "Das ist jetzt eine wunderbare Gelegenheit (...), mit diesem Titel den Beginn einer Ära zu markieren." Da klingt schon einiges an.

Frankreich - immun dank Didier Deschamps?

Immerhin: Der bescheidene Trainer Didier Deschamps ist zu Beckenbauer'scher Hybris offensichtlich nicht fähig. Das könnte ein Vorteil sein. Doch auch Frankreichs Coach wird sich etwas überlegen müssen, denn es ist "praktisch unmöglich, zweimal auf dieselbe Weise erfolgreich zu sein". Worte des Weltmeister-Kapitäns Philipp Lahm. Gerade erst formuliert in seiner viel beachteten Kritik an Jogi Löw. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus glaubt jedenfalls nicht an eine französische Dominanz, schreibt er in "Bild". Ob "Les Bleus" immun gegen das Virus sind, müssen sie spätestens in vier Jahren zeigen. Selbst wenn nur noch der Himmel das Limit ist, bleibt doch stets die Herausforderung. Der Volksmund weiß: "Es gibt immer etwas, was den Himmel hebt."

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