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WM-Duell der Superstars: Wenn sich Ronaldo fallen lässt, rufen die Zuschauer "Messi, Messi"

Cristiano Ronaldo spaltet nach wie vor die Fußball-Fans. Aber nach dem glanzlosen Sieg der Portugiesen gegen Marokko ist auch klar: Er führt das Duell der Superstars mit Messi und Neymar deutlich an. 

Ronaldo Marokko 2

Die Fans verhöhnen Ronaldo mit "Messi, Messi"-Rufen

Als Cristiano Ronaldo im Luschniki-Stadion zum ersten Mal auf der Großbildleinwand erscheint, setzt Ohren betäubender Lärm ein unter den 78.000 Zuschauern in Moskau. Jubel einerseits, vor allem unter den Portugiesen. Viele Pfiffe andererseits, ein ganzes Konzert, nicht nur von den Marokkanern.

Schon vor dem Anpfiff ist klar: Sie lieben oder sie hassen ihn. 

Vier Minuten nach dem Anpfiff dann macht Ronaldo mit der ersten Ballberührung sein Tor. Per Kopf. Ein Kopfball hat ihm bei der WM noch gefehlt. Gegen Spanien im ersten Spiel hat er ein Tor mit links gemacht und je einen Strafstoß und einen Freistoß verwandelt.

Ronaldo hat ein paar denkwürdige Auftritte

Der Kopfball gegen Marokko ist das entscheidende Tor. Die Führung hält bis zum Ende. Das liegt zum einen am starken Keeper der Portugiesen, Rui Patricio. Zum anderen am Unvermögen der Marokkaner, die einen Ball nach dem anderen hoch auf die Tribüne schießen, auch kurz vor dem Tor noch. Überragend spielt der Europameister Portugal nicht, eher solide. 

Im Spiel hat Ronaldo noch ein paar denkwürdige Auftritte, die ihm weitere Pfiffe einbringen. Ein paar Mal wälzt er sich nach harmlosen Berührungen am Boden und schlägt dabei immer ein paar Umdrehungen zu viel. Ein anderes Mal fällt er viel zu leicht und will wieder einen Strafstoß provozieren.

Keiner fällt so leicht wie Ronaldo - außer Neymar vielleicht. Keiner verhält sich so diven- und mimosenhaft wie er - außer Neymar vielleicht. Im Wälzen sind beide gleich gut. Irgendwann gibt es im Luschniki-Stadion nicht mehr nur Pfiffe, sondern laute Rufe: "Messi, Messi, Messi."

Die Fans halten Messi für fairer

Es soll die Erinnerung sein, dass einer besser ist als er, sein ewiger Rivale aus Argentinien. Vor allem: fairer.

Momentan allerdings ist Messi nicht der Beste. Momentan ist Ronaldo die Nummer 1 bei der WM. Er hat alle vier Tore für Portugal geschossen. Er spielt nicht überragend, aber er schießt die Tore. Er wirkt fit und spritzig, vor allem motiviert. Er will diesen Titel: Torschützenkönig.

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Schon im ersten Spiel gegen Spanien hatte er den Anschein gemacht, dass ihn keiner stoppen könnte. Es war eine Erinnerung daran, dass die WM nicht nur ein Wettkampf der Talente ist, sondern auch ein Kraft- und Willensakt, der nicht nur den Deutschen gefehlt hatte, sondern auch Neymar.

Ronaldo führt das Duell der Superstars an

Im Duell der Superstars steht es damit 4:0:0. Ronaldo hat viermal getroffen, Messi und Neymar bisher noch nicht.

In Brasilien tobt derzeit eine Diskussion, ob Neymar nicht zu eigensinnig agiert. Im ersten Spiel gegen die Schweiz beim 1:1 probierte er es ein ums andere Mal auf eigene Faust, obwohl Mitspieler besser standen und verdribbelte sich ständig. Man hatte den Eindruck: Er spielte für sich, nicht für das Team.

In Argentinien tobt eher die Diskussion, warum Messi alles alleine schultern muss und keiner ihm zur Seite springt. Im ersten Spiel gegen Island beim 1:1 lief fast jeder Angriff über ihn. Man hatte den Eindruck: Die Mitspieler haben Angst, neben ihm Verantwortung zu übernehmen.

Für beide, Messi wie Neymar, geht es im nächsten Spiel schon um eine Menge. Für Argentinien gegen die starken Kroaten am Donnerstag. Für Brasilien gegen Costa Rica am Freitag.

In Portugal toben keine Diskussionen. Portugal ist so gut wie im Achtelfinale. Ronaldo trifft. Keine Fragen mehr.
 

+++ Das Porträt von Neymar lesen Sie im aktuellen stern. +++

tis

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