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Internationale Turniere abgesagt Aggressives Herpes-Virus tötet reihenweise Pferde – "ein Alptraum" für den Reitsport

Ein Turnier im Springreiten
Das tödliches Herpes-Virus breitet sich immer weiter aus und bedroht den weltweiten Reitsport (Symbolbild)
© Philipp Schulze
Ein gefährliches Herpes-Virus hat bereits mehrere Pferde getötet, es verbreitet sich rasend schnell von Valencia aus. Als erste Reaktion verhängt der Weltverband ein Turnierverbot.

Der von der Coronakrise gebeutelte Reitsport wird zusätzlich von einem weiteren Virus hart getroffen. Nach einem Turnier in Spanien verbreitet sich eine Herpes-Variante, die schon mehrere Pferde getötet hat. Laut dem Weltverband FEI gilt sie als äußerst aggressiv. Für Springreit-Weltmeisterin Simone Blum ist es ein "Alptraum, den niemand erleben sollte". Auch der deutsche Turnierstall musste bereits den Tod von drei Pferden verkraften. Der Weltverband reagierte zunächst mit der Absage aller internationalen Turniere in Deutschland und neun weiteren Ländern. Fraglich bleibt, ob dieses Verbot ausreicht. 

Valencia: Mindestens zehn Pferde nach Herpes-Infektion gestorben

Teilnehmer einer Turnierserie in Valencia berichten von erschütternden Szenen und der Trauer nach dem Verlust der vertrauten Vierbeiner. "Wir kämpfen hier Schulter an Schulter um unsere Pferde", sagte Hilmar Meyer, der im niedersächsischen Thedinghausen einen Handels- uns Ausbildungsstall betreibt und bisher zwei Pferde verloren hat. Die Situation vor Ort sei "sehr, sehr schlimm".

"Das Virus ist sehr aggressiv", berichtete Mike Patrick Leichle, der wie Meyer und ein knappes Dutzend deutscher Reiter Anfang Februar zur mehrwöchigen Spring Tour nach Valencia gefahren war. Der Reiter und Turnierstallbetreiber aus Schnarup-Thumby in Schleswig-Holstein hat bisher ein Pferd in Valencia verloren und hofft nun auf das Überleben der elf verbliebenen Tiere.

Von den örtlichen Behörden, Tierärzten und vom Weltverband fühlt sich Leichle mehr oder weniger im Stich gelassen. Die Informationen aus Valencia, wo bereits am Sonntag vor einer Woche mehrere Pferde starke Symptome gezeigt hatten, "sind viel zu spät weitergegeben worden", klagte der Reiter. Nach Angaben von Meyer und Leichle sind in Valencia insgesamt zehn Pferde gestorben.

Paddleboarder rettet vier Pferde

Virus breitet sich europaweit aus

Inwieweit sich das Virus bereits ausgebreitet hat, ist nicht sicher. Der Weltverband geht derzeit von drei weiteren europäischen Ländern aus, in denen es Fälle gibt. Wie die Situation in Deutschland ist, blieb zunächst unklar. Herpesvirus-Infektionen sind nach Angaben des nationalen Verbandes FN hierzulande "nicht anzeige- oder meldepflichtig". Laut FN verursachen die Viren auch "keine auf Menschen übertragbaren Krankheiten".

Die FEI geht davon aus, "dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszeugnis verlassen hat". In einer Mitteilung hieß es weiter: "Einige Pferde waren bereits krank, und das Risiko einer Übertragung von diesen Pferden ist ein großes Problem."

Der Virus-Ausbruch "macht natürlich auch uns Angst", berichtete Blum. Die Weltmeisterin hat vor ein paar Wochen bei einer Turnierserie im spanischen Vejer de la Frontera ihre Vorbereitung auf die Olympia-Saison gestartet. "Wir fühlen uns hier in Vejer sicher", schrieb Blum bei Instagram.

Weltverband verhängt Turnierverbot

Um die weitere Ausbreitung zu stoppen, hat die FEI in zehn Ländern Turniere verboten. Diese Regelung gilt zunächst bis zum 28. März. Bereits laufende Serien wie in Jerez dürfen allerdings weiter ausgetragen werden, weil sie als "Blase" gelten, solange es keinen nachgewiesenen Fall gibt. "Pferde dürfen diese Orte nur verlassen, wenn sie im Besitz eines amtlichen Gesundheitszeugnisses der örtlichen Veterinärbehörden sind", heißt es beim Weltverband.

Der "Ausbruch ist wahrscheinlich der schlimmste seit vielen Jahrzehnten in Europa", sagte FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez. Die Turnier-Absage sei "keine leichte Entscheidung" gewesen, vor allem "nach der durch die Covid-19-Pandemie verursachten größeren Störung".

jus DPA

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