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Fabian Hambüchen: Turn-Floh begeistert

Große Flugshow: Fabian Hambüchen turnte sich mit seiner Reck- Übung in die Herzen eines Millionen-Publikums und hat trotz der verpassten Medaille große Hoffnungen auf eine bessere Zukunft des deutschen Turnens geweckt.

Nach seiner perfekt ausgeführten Show mit drei Flugelementen - dem Tkatschew/gestreckt, dem Tkatschew/gebückt und dem Gienger-Salto - wurde der jüngste Turner der Olympia-Geschichte von den 12 000 Griechen in der Halle lautstark bejubelt. Mit 9,700 Punkten bedachten die Kampfrichter die Darbietung des 16-jährigen Wetzlarers, den ein Wackler beim Abgang eine noch höhere Benotung kostete.

Nach seiner Übung ballte der nur 1,58 m große Turn-Floh die Fäuste und strahlte in die Menge, mit dieser Übung hat er sich für die nächsten Jahre selbst hohe Maßstäbe gesetzt. Nicht nur seine Teamgefährten hatten ihm in der Halle die Daumen gedrückt, sondern auch der vom Schicksal so schwer gezeichnete Ronny Ziesmer, der seit dem Trainingsunfall am 12. Juli vom Kopf abwärts gelähmt ist, hatte via ARD dem beliebten Turn-Knirps die besten Wünsche mit einem «toi, toi, toi» übermittelt.

Cassina gewinnt

Der Sieg ging an Igor Cassina aus Italien, der mit 9,812 Zählern die Höchstwertung erhielt. Ein gellendes Pfeifkonzert löste die Benotung des Russen Alexej Nemow aus, der für eine mit Höchstschwierigkeiten gespickte Kür nur 9,725 Punkte erhielt. Erst auf Intervention des Hauptkampfrichters korrigierten zwei Punktrichter ihre Wertungen. 9,762 Zähler reichten dem Olympiasieger von Sydney dennoch nicht zu einer Medaille.

Schwerer Unfall bei Sprung-Konkurrenz

Zuvor hatte der zuletzt wegen Dopings gesperrte Spanier Gervasio Deferr seinen Erfolg von Sydney in der Sprung-Konkurrenz (9,737) wiederholt, die von einem Unfall des Russen Alexej Bondarenko überschattet wurde. Ausgerechnet an seinem 26. Geburtstag landete der Olympia-Zweite von 2000 so unglücklich auf dem Rücken, dass er umgehend in ein Athener Krankenhaus gebracht und medizinisch versorgt werden musste. Mit Li Xiaopeng stürzte auch der dreifache Weltmeister und Top-Favorit beim zweiten Sprung ab.

Der Chinese, der vor vier Jahren am Barren gesiegt hatte, konnte sich aber an diesem Gerät mit Bronze halbwegs schadlos halten. Überraschungssieger wurde der Ukrainer Waleri Gontscharow mit 9,787 Punkten. Wie schon tags zuvor am Boden wurde Mehrkampf-Olympiasieger Paul Hamm (USA) nach dem Kampfrichter-Skandal von den Referees auffällig vorsichtig bewertet und belegte nur Platz 7.

Wieder dominieren die Rumänen die Turner-Konkurrenz

Mit zwei Olympiasiegen am Balken (9,787) und am Boden (9,750) avancierte Catalina Ponor nach dem Erfolg in der Mannschaft zur erfolgreichsten Turnerin von Athen und sicherte den Rumänen mit vier Mal Gold den Rang der erfolgreichsten Turn-Nation der Spiele. Signifikant, dass die russischen Turnerinnen erstmals seit dem ersten Auftreten der UdSSR 1952 in Helsinki (Ausnahme Boykottspiele 1984) ohne Olympiasieg die Heimreise antreten. Noch heftiger war der Absturz der russischen Männer, die erstmals seit 52 Jahren sogar ohne jegliches Edelmetall blieben.

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Frank Thomas, DPA / DPA
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