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Handball-Drama: Deutschland zittert sich ins Halbfinale

Torhüter Henning Fritz war der Held eines dramatischen Handball-Abends. Kretzschmar &Co. setzten sich durch ein 32:30 nach zweimaliger Verlängerung im Siebenmeterschießen gegen Angstgegner Spanien durch.

Siebenmeter-Töter Henning Fritz und Daniel Stephan mit dem verwandelten letzten Versuch haben den deutschen Handballern den Traum vom Gold erhalten. Der Magdeburger Torhüter war beim 32:30 (30:30, 28:28, 27:27, 15:16) gegen Angstgegner Spanien nach zweimaliger Verlängerung im Siebenmeterwerfen nicht zu überwinden und damit der Matchwinner beim Einzug ins Halbfinale. Fritz hielt drei Siebenmeter der Spanier, einer ging an den Pfosten.

Den entscheidenden Siebenmeter für Deutschland verwandelte der Lemgoer Daniel Stephan. Der Rückraumspieler war mit acht Treffern neben Christian Schwarzer (9) auch insgesamt der erfolgreichste Torschütze für den Europameister, der sich für den Viertelfinal-K.o. vor vier Jahren in Sydney gegen die Iberer revanchieren konnte. Im Halbfinale trifft die DHB-Auswahl am Freitag auf Frankreich oder Olympiasieger Russland. Neben Deutschland stehen Ungarn (30:25 gegen Südkorea) und Kroatien nach einem 33:27 gegen Griechenland im Halbfinale.

Nach dem Happy-End lagen sich die deutschen Spieler und Trainer Heiner Brand jubelnd in den Armen. Besonders glücklich war Linksaußen Kretzschmar, der im 7-m-Schießen als erster Spieler verworfen hatte und fast wie 2000 in Sydney, als er bei der 26:27-Niederlage gegen die Spanier in letzter Minute nur die Latte getroffen hatte, wieder der Pechvogel gewesen wäre. Im «Spiel meines Lebens», so der Magdeburger vor der Partie, konnte er vor den Augen seiner Lebensgefährtin Franziska van Almsick am Ende doch noch seine Rechnung begleichen.

In der zweimaligen Verlängerung erreichte die Dramatik vor 7000 Zuschauern immer neue Höhepunkte. Daniel Stephan verwandelte in der Schlusssekunde der ersten Extrazeit einen Siebenmeter zum 28:28, mit zwei Toren schaffte Schwarzer den Ausgleich zum 30:30.

In einer temporeichen, hektischen und spannenden Partie dauerte hatte die DHB-Auswahl nur einmal die Chance, auf mehr als drei Tore davonzuziehen. Doch Rechtsaußen Florian Kehrmann verpasste Mitte der ersten 30 Minuten bei einem Konter mit einem Fehlwurf das 12:8. Danach nahmen Härte und Hektik zu, beide Teams bekamen Zeitstrafen, und die Deutschen verzeichneten eine zunehmend schlechter werdende Wurfausbeute. Schon bis zur Halbzeit wies die Statistik 13 vergebene Chancen auf.

Bei den Spaniern führte Ex-Bundesligaspieler Talant Duschebajew immer wieder im Angriff geschickt Regie, und Juan Garcia war nach schnellen Gegenstößen erfolgreich. Der ehemalige Spanien-«Legionär» Christian Schwarzer, der am Kreis unermüdlich rackerte, mit zwei Treffern zum 14:15 und 15:16 sowie Torhüter Fritz mit seinen Paraden hielten das deutsche Team zur Pause im Spiel.

Mit drei Treffern in Serie erwischte die deutsche Mannschaft einen guten Start in Durchgang zwei, aber keine Mannschaft konnte sich in der Folge absetzen. Mitte der zweiten Hälfte brachte Bundestrainer Heiner Brand erstmals auch den für Pascal Hens (Rückenverletzung) nachnominierten Frank von Behren im Rückraum zum Einsatz, doch der Gummersbacher konnte nichts bewegen. 2:06 Minuten vor dem Ende parierte Torhüter Christian Ramota einen Siebenmeter von Garcia, trotzdem gelang den Spaniern anschließend noch der 27:27-Ausgleich, der das Verlängerungs-Drama möglich machte.

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