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Peking: Deutscher sitzt nach Protest in Haft

Weil er vor dem Olympia-Gelände in Peking demonstriert hat, muss ein Deutscher für zehn Tage ins Gefängnis. Gemeinsam mit dem Stuttgarter waren weitere Tibet-Aktivisten aus den USA und Großbritannien festgenommen worden. Auf Kritik reagiert China ungehalten, auf einer Pressekonferenz kam es zum Eklat.

Die chinesische Polizei hat einen Deutschen nach einem Tibet-Protest vor dem Olympia-Gelände in Peking für zehn Tage in Haft genommen. Das teilte die Familie des 30 Jahre alten Florian Norbu Gyana Tshang mit. Auch das Auswärtige Amt bestätigte die Festnahme des Mannes. Die deutsche Botschaft ist in Kontakt mit dem Stuttgarter Softwareentwickler, wie ein Sprecher der diplomatischen Vertretung bestätigte. "Wir machen uns viele Sorgen, aber wir sind stolz auf ihn", sagte die Schwester Yuldon Gyana Tshang.

Gemeinsam mit dem Deutsch-Tibeter waren noch drei weitere ausländische Tibet-Aktivisten aus den USA und Großbritannien festgenommen worden, die vor dem Olympia-Gelände gegen die chinesische Herrschaft in Tibet protestiert hatten. Insgesamt haben die chinesischen Sicherheitskräfte derzeit zehn Ausländer wegen Tibet-Protesten in Peking inhaftiert.

Die USA riefen die chinesische Regierung dazu auf, Menschenrechte und Redefreiheit zu beachten. "Wir bestärken die chinesische Regierung darin, Respekt für Menschenrechte zu demonstrieren, darunter auch Rede- und Religionsfreiheit aller Menschen während der Olympischen Spiele und darüber hinaus", hieß es in einer Stellungnahme der US-Botschaft in Peking.

Unterdessen sind die gemeinsamen Pressekonferenzen des IOC und des chinesischen Olympia- Organisationskomitees Bocog mit einem Eklat zu Ende gegangen. Bocog-Generalsekretär Wang Wei warf der internationalen Presse Vorurteile und mangelnde Kenntnis Chinas vor. Die Kritik an China belege, wie voreingenommen Teile der Medien seien und wie wenig sie China verstünden, sagte Wang. "Die Geschichte wird zeigen, wie korrekt die Entscheidung des IOC war, die Spiele an China zu vergeben." Die Journalisten sollten "die Wahrheit schreiben." Anlass von Wangs Äußerungen waren Fragen zu Menschenrechtsverletzungen in Tibet. Am Sonntag will der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, seine Bilanz der Spiele ziehen.

DPA / DPA

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