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Olympia: Erste Bilanz: Vancouver feiert rauschende Party

Dem Auftakt mit Tod und Tränen folgten Regen und Wetterchaos. Dann riss der Himmel auf, und nach begeisternden Wettkämpfen feierten Hunderttausende bei den Winterspielen in Vancouver bis in die Nacht hinein eine rauschende Olympia-Party.

Dem Auftakt mit Tod und Tränen folgten Regen und Wetterchaos. Dann riss der Himmel auf, und nach begeisternden Wettkämpfen feierten Hunderttausende bei den Winterspielen in Vancouver bis in die Nacht hinein eine rauschende Olympia-Party.

`Großartig´, lobte Jacques Rogge als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), noch bevor am Sonntag der Vorhang fällt. `Es sind sehr gute Spiele´, fand IOC-Vize Thomas Bach, `München kann für 2018 lernen, wie eine ganze Stadt vibriert, wenn es 2011 die Spiele erhält.´

Der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili, der Stunden vor dem Auftakt im Training verunglückte, lag wie ein Schatten über dem Olympia der Rekorde mit 2631 Athleten aus 82 Nationen. `Das Organisationskomitee VANOC ist sehr würdevoll mit diesem tragischen Geschehen umgegangen´, findet Bach, der am selben Tag im Amt des Vizepräsidenten bestätigt worden war. Bei einflussreichen IOC-Mitgliedern gilt der Mann, der 1976 in Montreal Olympia-Gold mit dem Florett gewann, 2013 als Favorit auf die Rogge-Nachfolge.

Während Bach zusammen mit dem Münchner Bewerbungschef Willy Bogner um die Gunst der 114 Olympier warb, sammelte das 153-köpfige deutsche Team nicht in erster Linie durch die Medaillenflut wichtige Sympathiepunkte. `Sensationell´ nannte der für den Sport zuständige Innenminister Thomas de Maiziere den Auftritt des Teams. `Die Athleten haben sehr viel Charme´, lobte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Chef von 824 Bundeswehr-Sportsoldaten.

Beide waren längst wieder in der Heimat, als der Vierkampf um Platz eins im Medaillenspiegel mit Kanada, USA und Norwegen in die Endphase ging.

Deutscher Star war Magdalena Neuner, die nach zweimal Gold und einmal Silber auf die Staffel und die Chance verzichtete, so erfolgreich wie keine andere Deutsche bei denselben Olympischen Winterspielen zu sein. Vor allem bewahrte sie die 2006 noch fünfmal siegreichen Biathleten vor der Pleite. Die Alpinen feierten Gold durch Maria Riesch (Super-Kombination) und Viktoria Rebensburg (Riesenslalom), die Rodler durch Felix Loch, ebenfalls erst 20 Jahre alt, und Tatjana Hüfner. Andre Lange wurde beim Zweier-Triumph zum erfolgreichsten Bobfahrer der Geschichte.

Fest stand schon vor dem Finale, dass Deutschland nach seinem 4,8 Millionen Euro teuren Projekt Vancouver erfolgreichstes Team der Wintersport-Geschichte ist. Russland, zuvor nach Gold 121:119 in Führung, war 16 Jahre nach dem Triumph von Lillehammer (11 Siege) ein Schatten seiner selbst. Will der im Vorfeld von Vancouver von vielen Dopingfällen belastete Gastgeber von Sotschi 2014 kein Heimdebakel erleben, muss er bald ein Programm starten - ähnlich wie Kanada mit der 82 Millionen Euro teuren Aktion `Own the Podium´.

Die Athleten des Gastgeberlandes machten die 1,15 Milliarden Euro teuren Spiele durch ihren Medaillenrekord zur Wintersport-Gala, die weltweit 3,5 Milliarden Menschen an den Bildschirm fesselte. Freestyler Alexandre Bilodeau, der am zweiten Tag auf der Buckelpiste triumphierte, wurde gefeiert wie ein Volksheld. Ihm gelang bei Kanadas dritten olympischen Heimspielen endlich der erste Triumph. Doch alles Gold würden die eishockeyverrückten Canucks dafür geben, wenn ihr Team in der letzten der 86 Entscheidungen am Sonntag Gold gewänne.

Dreimal hatte die Norwegerin Margit Björgen schon vor dem 30-km-Lauf triumphiert. Für Rogge war der Schweizer Simon Ammann der Athlet der Spiele, nachdem er Doppel-Gold im Skispringen von 2002 wiederholte. `Sein Körper hat sich verändert, Ausrüstung, Regeln - er gewinnt immer noch. Das zeichnet einen großen Champion aus.´

Sotschi könnte 2014 laut Bach die Frauen-Premiere von Skispringen und Nordischer Kombination erleben, dann wären die letzten Männer-Bastionen erobert. Rogge hält auch Slopestyle für möglich, nachdem die modernen Sortarten Olympias Attraktivität steigerten. Doch vielleicht wird die Premiere auch erst 2018 gefeiert - in München.

SID / SID

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