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Olympia: Biathlon-Staffel: Ohne Neuner reicht es nur zu Bronze

Weitere Medaille für die deutschen Biathleten: Die Damen-Staffel holte im letzten Rennen hinter Russland und Frankreich Bronze. Ob mit Olympiasiegerin Magdalena Neuner mehr drin gewesen wäre?

Andrea Henkel hob im Ziel entschuldigend die Arme, doch ihre Teamkolleginnen eilten sofort herbei und nahmen die Olympiasiegerin von 2002 tröstend in die Mitte. "Natürlich freuen wir uns auch über Bronze", sagte Martina Beck, die für Magdalena Neuner in die Staffel gerutscht war. Die Doppel-Olympiasiegerin verfolgte den Medaillenkampf am Dienstag in Whistler hautnah an der Strecke, vermochte das deutsche Quartett mit ihren Anfeuerungen aber nicht zum erhofften Gold zu treiben. "Fünf Medaillen sind dennoch hervorragend. Es war das letzte Staffel-Rennen in dieser Besetzung, zumindest bei Olympia", sagte Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang.

Ohne Neuner musste die deutsche Ü-30-Staffel dem russischen Quartett mit Swetlana Slepzowa, Anna Bogdali-Titowez, Olga Medwedzewa und Schlussläuferin Olga Saizewa sowie den starken Französinnen den Vortritt lassen. Russland wiederholte damit seinen Triumph von Turin 2006 und gewann zum dritten Mal bei Olympischen Winterspielen Staffel-Gold. Bei der anschließenden Blumen-Zeremonie kullerten bei der dreimaligen Olympiasiegerin Kati Wilhelm nach ihrem letzten Olympia-Auftritt dennoch Tränen der Freude.

Neuner will von Burn out nichts wissen

Auch Neuner jubelte ihren Teamkolleginnen zu: "Jetzt haben wir alle eine Medaille, wie wir das wollten, und können endlich feiern! Ich bin froh, dass ich die Entscheidung so getroffen habe", sagte die Doppel-Olympiasiegerin. "Die Russinnen und Französinnen waren heute nicht zu schlagen." DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller war mit der Abschiedsvorstellung ebenfalls zufrieden: "Wir waren läuferisch leider nicht dabei. Dennoch ist auch Bronze ganz hervorragend. Das haben die Mädels wieder einmal überragend gemacht."

Um die Staffel-Absage des deutschen Glamourgirls hatte es im Vorfeld einige Diskussionen gegeben. Für die Wallgauerin waren die Olympischen Spiele aber nach ihrem zweiten Gold im Massenstart vorzeitig beendet. "Es gab ja schon die wildesten Gerüchte. Dass ich unter Druck gesetzt worden sei oder Schiss hätte. Das ist alles totaler Quatsch", hatte Neuner vor dem Rennen gesagt.

Spekulationen aus der Heimat, sie stehe kurz vor einem Burn out, wies Neuner vehement zurück. "Es war viel für mich die letzten Tage, aber ich bin definitiv nicht ausgebrannt." DOSB-Präsident Thomas Bach verteidigte die Entscheidung der Sportlichen Leitung. "Zu den Entscheidungen der Trainer habe ich vollstes Vertrauen, egal wie es ausgeht", sagte Bach. Ersatzläuferin Beck meinte: "Ich habe noch nie so einen Druck gespürt wie heute. Der ganze gestrige Tag war extrem emotional."

Am Schießstand top - in der Loipe nicht

"Das war das beste Schießergebnis der Saison. Schade, dass wir auf der Laufstrecke nicht ganz mithalten konnten", haderte Müssiggang etwas mit dem Schicksal. "Die Französinnen hatten heute brutal gutes Material", meinte Schlussläuferin Henkel.

Müssiggang hatte nach Neuners Verzicht auf jene Staffel gesetzt, die in Östersund den bislang einzigen Team-Sieg in diesem Winter errungen hatte. Wie bei der Olympia-Probe in Whistler vor einem Jahr setzte er auf Angriff. "Wir wollen von Anfang an vorne dabei sein. Deshalb habe ich mich für Kati als Startläuferin entschieden", sagte der 58-Jährige.

Beim letzten Olympia-Rennen ihrer Karriere setzte sich Wilhelm sofort an die Spitze, leistete sich beim ersten Liegend-Schießen aber einen Nachlader. Die dreimalige Olympiasiegerin kämpfte sich jedoch zurück und bewies in ihrer Paradedisziplin, dem Stehend-Anschlag, Nervenstärke. Ohne Fehler verließ Wilhelm den Schießstand und übergab nach sechs Kilometern als Dritte auf Hauswald. "Das hat die Kati super gemacht", sagte Müssiggang. Wilhelm selbst war ebenfalls zufrieden. "Ich war froh, dass ich nicht am Schluss laufen musste. Denn ich habe mich etwas zitterig gefühlt", sagte Wilhelm.

Henkel muss furiose Bailly ziehen lassen

Hauswald knüpfte an ihre starke Leistung vom Massenstart-Rennen an, in dem sie Bronze gewonnen hatte. In beiden Schießeinlagen blieb sie ohne Fehler, Müssiggang klatschte zufrieden in die Hände. Die 30-Jährige übergab auf Rang drei liegend an Beck. "Bronze im Massenstart hat mir Sicherheit gegeben. Ich war vor meiner ersten Staffel bei Olympia zwar ziemlich nervös, doch die Nervosität hat mich auch wachgehalten", sagte Hauswald.

Im Liegend-Schießen musste Beck dann einmal nachladen, die Russin Medwezewa konnte sich deshalb etwas absetzen. Im Stehend-Anschlag leistete sich Beck dann ebenfalls nur einen Patzer und blieb damit hinter den starken Russinnen auf Silberkurs. Mit 44,8 Sekunden Rückstand übergab die Mittenwalderin auf Schlussläuferin Henkel, die sich im Stehend-Anschlag aber zwei Fahrkarten leistete und auf der Schlussrunde die furios heranstürmende Französin Sandrine Bailly vorbeiziehen lassen musste.

Lars Reinefeld und Volker Grundrum/DPA / DPA

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