HOME

Stern Logo Olympia 2010

Olympia in Vancouver: Slalom-Schock! Neureuther scheidet aus

Der Traum vom Slalom-Gold bei Olympia ist für Felix Neureuther bereits nach 27 Sekunden geplatzt. Der deutsche Mitfavorit verlor im ersten Lauf in Rückenlage das Gleichgewicht - und schied aus. Gold ging an den Italiener Giuliano Razzoli.

Felix Neureuther suchte wieder vergeblich sein olympisches Slalom-Glück, Italien feierte durch Giuliano Razzoli das erste Gold seit "Tomba la bomba". Nur kurz währte die Attacke des 25-jährigen Partenkircheners im ersten Durchgang auf Razzolis Bestzeit, dann war das Rennen am Samstag in Whistler für den WM-Vierten urplötzlich vorbei. "Ich habe eigentlich gedacht, dass ich genug Richtung für die Stelle hab. Dann hab ich mich einen Tick zu viel hinten rein gesetzt und dann war's schon vorbei. Aber das Leben geht weiter", sagte ein gefasst wirkender Neureuther, der beim Riesenslalom als Achter noch so viele Hoffnungen auf ein olympisches Happy End der deutschen Alpinen gemacht hatte.

Razzoli ließ auch im Finale niemanden mehr an sich vorbei. Erstmals seit Legende Alberto Tomba (1992) feierten die Tifosi wieder Gold für einen Skirennfahrer aus Italien. Silber holte sich der Kroate Ivica Kostelic, Bronze ging an Andre Myhrer aus Schweden. Doppel-Olympiasieger Benjamin Raich wurde Vierter - das passte zu den völlig missratenen Winterspielen der medaillenlosen Alpin-Herren aus der Alpen-Republik.

Stimmungsdämpfer durch Neureuther


Die deutsche Bilanz trübe Neureuthers Aus nicht, meinte Alpin-Direktor Wolfgang Maier nach dreimal Gold durch Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch und Viktoria Rebensburg. Aber zumindest ein Stimmungsdämpfer war das neuerliche Olympia-Malheur des Kitzbühel-Siegers schon. Bei vier Starts im Zeichen der Ringe hat der siebenmalige Weltcup-Podestfahrer nur eine Platzierung erreicht. Eben den achten Platz des Riesentorlaufs von Whistler.

Nur knapp 27 Fahrsekunden währte nach dreimal alpinem Damen-Gold der Traum von der ersten Herren-Medaille seit Markus Wasmeier. Noch am Hang trauerte Neureuther der verpassten Chance nach, als einer der ersten war Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel in der "sensiblen Phase" bei ihm und hörte den WM-Vierten über das Malheur fluchen. Schnell versuchte der Skirennfahrer das Aus dann aber abzuhaken, was Waibel "riesig" fand - einen Vorwurf wollte keiner dem 25-Jährigen machen.

Neureuthers Eltern bangten mit dem Sprössling


Sportdirektor Wolfgang Maier wirkte ein wenig zerknirscht, die Eltern bangten vergeblich im Publikum mit ihrem Sprössling und auch dem ehemaligen Weltmeister Frank Wörndl tat der beste deutsche Skirennfahrer leid. Trotz guter Form wieder eine verpasste Olympia- Chance und wer weiß, was in 2014 in Sotschi ist. Das Los der Slalom-Spezialisten, die immer auf dem schmalen Grat zwischen Bestzeit und Blitz-K.o. wandeln, ist schon ein hartes.

Mit seinem Aus war Neureuther in bester Gesellschaft, denn auch für Weltmeister Manfred Pranger (Österreich), den Amerikaner Bode Miller und Turin-Kombinations-Olympiasieger Ted Ligety (USA) war das Rennen vorzeitig zu Ende. Aber ein Trost konnte das freilich nicht sein für den Kitzbühel-Sieger, der mit so viel Vorfreude in die olympischen Rennen gegangen war. Schneller als ihm lieb war, war der Spaß auch schon wieder vorbei.

Dabei hatte sein couragierter Riesenslalom-Auftritt mit Platz acht so viel Mut gemacht. "Das drückt im Moment schon ein bisschen. Man fiebert mit. Nachdem er einen ganz guten Riesenslalom-Einstand hatte, hat man gedacht, man kann wenigstens im offenen Fight geschlagen werden", sagte Alpin-Direktor Maier, "und dann scheidet einer aus, das ist schon bitter."

Michael Becker und Christian Kunz/DPA / DPA

Wissenscommunity