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Russischer Olympiagegner: De Maizière kritisiert hartes Urteil

Der russische Oppositionelle Jewgeni Witischko klebte Protestplakate an einen Zaun und erhielt drei Jahre Lagerhaft. Das sei unverhältnismäßig, kritisiert Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Verurteilung des russischen Umweltaktivisten Jewgeni Witischko zu drei Jahren Lagerhaft als "ziemlich unverhältnismäßig" kritisiert. Witischko wirft den Organisatoren der Olympischen Winterspiele in Sotschi, die als Prestigeprojekt von Kremlchef Wladimir Putin gelten, Umweltzerstörung vor. Russland müsse eine Diskussion über Naturschutz aushalten, sagte de Maizière am Sonntag in Sotschi. "Das gehört zu einer offenen Gesellschaft dazu", unterstrich der Minister.

Wegen der umstrittenen Verurteilung von Witischko kündigte der Chef de Mission, Michael Vesper, Gespräche mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) an. Vesper hatte sich in Sotschi mit einem Vertreter der Organisation Umweltwacht für den Nordkaukasus (EWNC) getroffen, der auch Witischko angehört. "Ich wollte wissen, wie die Gruppe denkt und wie sie die Umwelteingriffe beurteilen. Ich habe zugesagt, dass ich deswegen beim IOC vorspreche", betonte er.

Wegen Vandalismus festgenommen

Das IOC sehe derzeit aber keinen Handlungsbedarf, sagte Sprecher Mark Adams. Die russischen Behörden hätten auf Nachfrage mitgeteilt, Witischko sei wegen Vandalismus festgenommen worden und habe Bewährungsauflagen verletzt. "Dieser Fall hat nichts mit Olympia zu tun, deshalb verfolgen wir das nicht weiter", sagte Adams in Sotschi.

Witischko muss drei Jahre ins Straflager. Menschenrechtler wie die Organisation Human Rights Watch (HRW) sehen die Verurteilung des Ökologen als politisch motiviert an, um auch andere Kritiker mundtot zu machen. "Human Rights Watch kann das natürlich sagen", betonte Adams. Das IOC habe andere Informationen erhalten.

Der 40-jährige Witischko soll an einer Villa des Gouverneurs der Olympia-Region Krasnodar Protestplakate angebracht haben, weil das Gebäude ohne gesetzliche Grundlage errichtet worden sei. Menschenrechtler kritisieren massiven Druck auf Aktivisten rund um die Olympia-Wettkämpfe in Sotschi, die am 23. Februar zu Ende gehen.

tis/DPA / DPA

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