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Olympia 2014: Bode Miller weint nach Bronze um Bruder und Kind

Der sonst coole Bode Miller brach im Interview nach seinem dritten Rang im Super-G in Tränen aus. Der Tod seines Bruders und sportliche Enttäuschungen sorgten für "verrückt emotionale" Momente.

Von Nils Kemter

Es war der wohl bislang emotionalste Moment der Olympischen Spiele von Sotschi: Bode Miller kniete an der Bande des Skistadions von Rosa Khutor nieder und weinte hemmungslose Tränen. Minuten zuvor hatte der US-Skistar die Bronzemedaille im Super-G gewonnen – sein erster Erfolg nach Pleiten in der Abfahrt und der Super-Kombination. "Dieser Medaillengewinn ist großartig. Es war für mich persönlich ein sehr hartes letztes Jahr", schluchzte Miller im Interview mit dem amerikanischen Sender NBC.

Reporterin Christin Cooper hatte ihn mit ihren Fragen zu seinem toten Bruder Chelone emotional getroffen und die Tränenflut ausgelöst. Miller musste das Interview abbrechen, verbarg seinen Kopf hinter der Bande. Nachdem Cooper und der TV-Sender dafür in sozialen Netzwerken angefeindet wurden, verteidigte Miller sie einen Tag später via Twitter: "Sie hat gefragt, was alle gefragt hätten. Es war verrückt emotional und nicht ihr Fehler."

Private Schicksalsschläge und Verletzungen

Dass dem geborenen Siegertypen Miller ein Bronzerang derart nahe gehen würde, war dem vergangenen Jahr geschuldet, in dem er gleich mehrere private Schicksalsschläge hinnehmen musste. Zunächst verloren Miller und seine Frau Morgan Beck im Januar 2013 durch eine Fehlgeburt ihr Kind, drei Monate später starb Bruder Chelone im Alter von nur 29 Jahren an einem Schlaganfall. Zudem streitet sich Miller fortwährend vor Gericht mit seiner Ex-Freundin Sara McKenna um das Sorgerecht für Sohn Samuel.

Nach einem Jahr Pause wegen einer Knieverletzung in der Saison 2012/13 war Miller sportlich in diesem Winter wieder auf die ganz große Bühne zurückgekehrt – und hatte dennoch Rückschläge hinnehmen müssen. Beim Abfahrtsklassiker in Kitzbühel ging er als Favorit an den Start und verlor gegen den Österreicher Hannes Reichelt. In Rosa Khutor legte Miller im Training vor der Abfahrt die Bestzeit hin und wurde anschließend bei der Medaillenvergabe nur Achter. In der Super-Kombination landete er sogar auf einem abgeschlagenen zwölften Rang.

Platz drei im Super-G war deshalb gleich in doppelter Hinsicht der Sieg des Bode Miller. Im Alter von 36 Jahren wurde er auch zum ältesten alpinen Medaillengewinner. Ob dieser Triumph seinem Bruder gewidmet sei, hatte Reporterin Cooper gefragt? "Ich weiß nicht, ob es für ihn war", stammelte Miller und schob mit ersten Tränen in den Augen nach: "Ich wollte mich stolz machen."

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